Dieser Vollholzbau ist in der Region einmalig

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Sonja Zeh erklärt den Besuchern den Aufbau einer Holzstanderwand.
Sonja Zeh erklärt den Besuchern den Aufbau einer Holzstanderwand. (Foto: Walter Schmid)
Walter Schmid

Beim Unternehmerstammtisch von „Isny aktiv“ treffen sich seit rund 15 Jahren regelmäßig Handwerker, Unternehmer, Geschäftsleute und Führungspersonal bei einem Geschäftspartner im Wirtschaftsraum Isny, um dessen Betrieb kennenzulernen, um sich auszutauschen und das Netz geschäftlicher Beziehungen zu erweitern.

Hin und wieder geht es auch in Nachbarkommunen – diesmal zu Holzbau Zeh in Maierhöfen. Die Teilnehmerzahl war zwar auf 25 Personen begrenzt, 40 Interessierte standen aber schließlich in einer der Werkshallen im Kreis um Sonja Zeh, der Geschäftsführerin. Denn auch im württembergischen Allgäu hat sich bereits herumgesprochen, dass Zeh seit Kurzem neue Wege im Vollholzhausbau geht. Sonja und Ulrike Zeh leiten gemeinsam den Betrieb mit 25 Mitarbeitern und vier Zimmerer-Lehrlingen.

Wenn Sonja Zeh erzählt, dann scheint es so, dass der Umgang mit dem Naturelement Holz schon seit Urgroßvaters Zeiten tief in den Genen der Familie verankert ist. Der Uropa war nämlich Wagner und hat bereits nützliche Sachen für Haus und Hof mit dem Werkstoff Holz hergestellt. Die Holzbauer Zeh haben offensichtlich von Generation zu Generation als wahre Pioniere ihre Erfahrung weitergegeben und auch weiterentwickelt – bis heute.

Ab 1970 stand bei Zeh der Holzleimbau im Vordergrund, dann kam der Blockhausbau dazu. „Ab 2000 haben wir ganz konsequent auf eine umweltgerechte Fertigung umgestellt und bald auch das erste Passivhaus aufgestellt, das erste im Allgäu“, berichtet die Geschäftsführerin rückblickend. Wer die Firmengeschichte an der Wand in der Halle über der Abbundanlage betrachtet, stellt fest: An Prämierungen und Zertifikaten fehlte es Holzbau Zeh durch die Jahre nicht.

Der Holzständerbau sei immer noch aktuell, vor allem im Mehrgeschossbau und im Objektbau. Balken werden dabei mit Gipsfaserplatten beplankt und zwischen den Balken mit Holzweichfaser gedämmt – Wandstärken je nach Energiestandard. Beim Blockhausbau stelle sich aber immer das Problem von unterschiedlichen „Setzungen“. Trotz optimaler mechanischer Holztrocknung werde man durch Witterungseinflüsse das Risiko nicht los.

Vor allem auch aus ökologischen Gründen habe sich Holzbau Zeh jüngst einem Schweizer Patent der verdübelten Vollholzwand – leimfrei und metallfrei – angeschlossen und dazu die technische Ausrüstung angeschafft. Dabei werden sechs Brettlagen mit je 30 Millimetern Stärke zusammengepresst – längs, quer, diagonal, längs, quer und die untere als Sichtlage für die Innenansicht des Raumes: „Fünf Schichten in Fichte, die Sichtlage meist in Tanne astarm mit Nut und Feder.“ Die diagonale Brettlage dient der statischen Aussteifung. 30 Bohrungen pro Quadratmeter werden gesetzt und unter hohem Druck ein Buchenholzdübel eingepresst. „Das geht nie mehr auseinander und hält für die Ewigkeit“, meinte die Chefin gelassen.

Je nach Energiestandard komme auf die Vollholzwand von meist 18 Zentimetern Stärke noch 16 bis 20 Zentimeter Holzweichfaser und darauf dann eine hinterlüftete Fassade, Putz oder Holz. „Lieber Holz, denn Holz ist halt unsere Leidenschaft“, betonte Zeh. Vorteile einer Vollholzwand: Sie verziehe oder setze sich nie, besitze eine hohe Speicherfähigkeit, sei im Sommer kühl, im Winter warm. Der Schallschutz stehe einem Mauerwerk keineswegs nach, und sogar der Brandschutz sei gewährleistet. Die Firma lege insgesamt großen Wert darauf, umweltverträgliche Standards einzuhalten, zum Beispiel die Rohstoffbeschaffung aus der Region und die Anlieferung ohne Kunststoff-Folienverpackung. Auch werde auf jede chemische Holzbehandlung verzichtet. Nachgewiesen sei außerdem, dass ein Vollholzbau im Schlaf die Herzfrequenz senke und dadurch das Herz geschont werde, wusste Sonja Zeh den 40 Besuchern mitzuteilen. Im Vollholzbau für Kindergärten sei außerdem nachgewiesen, dass Kinder sich ruhiger und ausgeglichener verhielten, weil Holz das Gefühl der Geborgenheit vermittelt.

Werner Mayer, der Vorsitzende von „Isny aktiv“, brachte abschließend den Dank im Namen aller Unternehmer-Stammtischler so zum Ausdruck: „Wir haben sehr viel gelernt und kehren bereichert nach Isny zurück.“

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