„Dieser Künstler ist ein Menschensucher“

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Matthias Flügge, Lilo Straubinger, Strawalde und Fritz Straubinger (von links) eröffnen die Ausstellung “Sinnbild – Bildsinn” i
Matthias Flügge, Lilo Straubinger, Strawalde und Fritz Straubinger (von links) eröffnen die Ausstellung “Sinnbild – Bildsinn” in der Städtischen Galerie im Schloss. (Foto: Babette Caesar)
Babette Caesar

Die Ausstellung „Sinnbild – Bildsinn“ mit Werken von Strawalde aus der Sammlung „FriLo“ in der Städtischen Galerie im Schloss, Schloss 1, dauert bis zum 14. Oktober. Sie ist mittwochs bis freitags von 14 bis 18 Uhr, samstags, sonntags und feiertags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Näheres zum Begleitprogramm ist im Internet unter www.isny.de erhältlich.

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„Eine großartige Sammlung und ein Gewinn für Isny“ ist als frischer Eintrag im Gästebuch zu lesen. Gemeint ist die Sammlung „FriLo“, aus der in der Städtischen Galerie im Schloss eine Auswahl an Werken von Strawalde zu sehen ist. Unter dem Titel „Sinnbild – Bildsinn. Strawaldes geheimnisvolle Bilderwelten“ haben Karin Konrad, Leiterin des Büros für Kultur, Kuratorin Elisabeth Olberz, Kunsthistoriker Matthias Flügge zu Posaunenimprovisationen von Michael Huber die vielbeachtete Schau am Sonntag eröffnet.

Die Sitzplätze in der Ausstellungshalle füllten sich an diesem Vormittag schnell. Bietet die hochkarätige Kunstsammlung des Isnyer Ehepaares Fritz und Lilo Straubinger doch einigen Anreiz für einen Besuch. „Straubingers haben eine der schönsten, wenn nicht die schönste Sammlung mit Werken von Strawalde“, hob Matthias Flügge zu seiner fundierten Einführung an. Er ist bester Kenner des Werdegangs von Strawalde, wie sich der 1931 im sächsischen Frankenberg geborene Hans Jürgen Traugott Böttcher seit 1980 nennt. Nach dem Ort Strahwalde in der Oberlausitz, wo er Jugend und Kindheit verbrachte.

Hin und weg sei man gewesen

Wie es überhaupt zu dieser Ausstellung kommen konnte, daran erinnerte Karin Konrad. Als 2015 in der Städtischen Galerie im Espantor die Schau „Was ist Kunst?“ mit Bildern von Isnyer Bürgern bestückt wurde, brachten Straubingers ein großes Werk von Strawalde. Hin und weg sei man gewesen und so entstand die Idee zu einem gemeinsamen Ausstellungsprojekt. Für das Sammlerpaar wurde die 2006 in Ravensburg gezeigte Retrospektive „Strawalde. Trotz alledem!“ zum Schlüsselerlebnis, so dass eine Reihe damals gezeigter Bilder nach Isny gewechselt ist. Darunter das große Hochformat „In Betrachtung des Empire States Building“ von 1995 oder „Nature morte (nach Gerrit Willemsz Heda) von 2002.

Sie stehen für Strawaldes Malerei par excellence. Nur ist in den 1990er-Jahren, welche die Ausstellung fokussiert, mehr geschehen. Das beleuchten die 12 großen und 24 kleinen Arbeiten, die, so Elisabeth Olberz, nur einen kleinen Teil der Sammlung darstellen. Da sind vorzugsweise seine Frauenfiguren, die hoch gewachsen und ikonenhaft sich Raum im Bild verschaffen. Eindrücklich in „Spaziergang“ von 1994, in dem die Stofflichkeit der Farbpalette kontrastreich warmes Gelb und dunkles Violett ins Spiel bringt. Figur und Natur sind derart ineinander verschränkt, dass sie über die Wirklichkeit hinaus zum neuen Gegenstand des Sehens werden.

Malen, was noch unbekannt ist

Hier ist klar, dass es Strawalde um Malerei als solches geht. Um Rhythmus und um einen kreativen Prozess, der Bilder als Ablagerung von Erfahrungen entstehen lasse, die mehr oder weniger verschlüsselt seien und ihm selbst erstmal fremd blieben. „So male ich nicht, was ich weiß, was ich schon kann, sondern was mir noch unbekannt ist“, gibt er dem Betrachter mit auf den Weg. Hin zu überdimensionalen Frühwerken, die stark energetisch aufgeladen sind. Die betont gestische Farbexplosionen auf dem Bildträger vereinen und so scheinbar Abstraktes abbilden, bis sich wiederum Figuratives herauslesen lässt. Auf Paraphrasen auf Giorgione und Picasso verwies Matthias Flügge. Auf Alte Meister, die Strawalde Zeitgenossen bedeuten und Bedingung der künstlerischen Existenz sind.

Dass er, der in den 1950er-Jahren an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden studierte, dessen bekanntester Schüler Ralf Winkler (Penck) ist, ein „Allroundtalent“ verkörpert, so Olberz, beweist vor allem sein filmisches Schaffen ab den 60er-Jahren. Explizit im Bereich Dokumentarfilm geht es ihm dabei um die stumme Anklage in Zeiten des DDR-Regimes. So wie seine Filme Erzählerisches verweigern, stattdessen dem Betrachter die Freiheit lassen, eigene Assoziationen hinzu zu fügen, tun es seine Bilder. „Dieser Künstler ist in Wahrheit ein Menschensucher“, charakterisierte Flügge Strawalde als einen von Empathie, Neugier und nobler Distanz bestimmten Maler.

Die Ausstellung „Sinnbild – Bildsinn“ mit Werken von Strawalde aus der Sammlung „FriLo“ in der Städtischen Galerie im Schloss, Schloss 1, dauert bis zum 14. Oktober. Sie ist mittwochs bis freitags von 14 bis 18 Uhr, samstags, sonntags und feiertags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Näheres zum Begleitprogramm ist im Internet unter www.isny.de erhältlich.

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