Die Blondine von nebenan und der Zeltstangenheld

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Rapper „Scheibasta“ aus Salzburg und seine „Buben“ – Meister der Interaktion.
Rapper „Scheibasta“ aus Salzburg und seine „Buben“ – Meister der Interaktion. (Foto: Matthias Hagmann)
Florian Bührer

Der österreichische Hip-Hop boomt, in Deutschland ist derzeit von einem veritablen „Ösi-Rap-Hype“ die Rede. Warum das so ist, zeigte der Salzburger Rapper Scheibsta mit seinen „Buben“ am Samstagabend auf dem Theaterfestival. Unter erschwerten Bedingungen – denn was macht ein Musiker, wenn die eigene Band vor „Fiva“ und einer 20-köpfigen Bigband spielen soll? Die Lösung: Einfach Instrumente auspacken und selbst ordentlich Krach machen, schon Stunden vor dem Auftritt wackelt das Zelt beim Soundcheck.

Die österreichische Formation veröffentlichte vergangenes Jahr ihr viel gelobtes Album „Neues“, sorgte aber schon 2015 für Aufsehen mit dem live eingespielten und improvisierten Album „Bist du noch wach?“ Scheibsta erzählt Geschichten vom Scheitern, und die Band zeigt ihre enorme musikalische Bandbreite. Schnell lässt sich erahnen: Beim Konzert bleibt kein T-Shirt trocken.

Als die sechsköpfige Combo die Bühne betritt, wirkt das Publikum noch verhalten. Scheibsta, der eigentlich Philipp Scheiblbrandner heißt, hat das Mikrofon – und nach wenigen Songs auch das Publikum – in der Hand, seine Kollegen lassen die Texte auf einem Soundteppich tanzen, und das Publikum tanzt mit. Zu elektronischen Melodien, Hip-Hop, Reggae oder Funk.

Angeführt von Schlagzeug und Trompete wird das Isnyer Publikum verzaubert, der Sound animiert zum Lachen und Tanzen, wobei Scheibsta in seinen Texten immer wieder auch ernste Themen aufgreift – in „Gerda“ skizziert er zwei Workaholics, die ihr Privatleben aufgeben: „Mittlerweile ist sie Mitte dreißig und findet es richtig scheiße, dass keine Zeit für die Liebe bleibt“, rappt Scheibsta. Einigkeit im Publikum: So möchte hier niemand enden, in einer Zeit voller Leistungsdrucks und Schnelllebigkeit werden Idole imitiert und Freunden will man imponieren. „Du verfolgst schon länger dieses Ziel, weil: deine Badezimmerwaage sagt seit Jahren, du wiegst zu viel, dir wird alles scheiß egal“, schreit Scheibsta.

Seine große Stärke ist das die Interaktion: Seine Freestyle-Einlagen bringen das Zelt zum Toben; er lässt sich einen Satz zurufen und macht daraus völlig spontan die herrlich punkige Nummer: „Die Blonde von nebenan“; und aus den Wörtern „Zeltstangenheld“, „Hintertupfingen“ und „Kokosnussmilch“ entsteht zum jazzigen Beat eine herrlich spontane Einlage, die mit der Zeile „der Zeltstangenheld, der bei jedem Festival die Zeltstange hält“ wohl lange in Erinnerung bleiben wird.

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