Dethleffs krempelt die Oberklasse komplett um

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In einem heißen Markt entspannt auf Erfolgskurs: Die Dethleffs-Vorstände Helge Vester (l.) und Alexander Leopold.
In einem heißen Markt entspannt auf Erfolgskurs: Die Dethleffs-Vorstände Helge Vester (l.) und Alexander Leopold. (Foto: Tobias Schumacher)
Schwäbische Zeitung

Der Reisemobil- und Caravan-Hersteller Dethleffs hat am Mittwoch auf dem Werksgelände in Isny der internationalen Fachpresse seine Modell-Neuheiten für 2018 vorgestellt. Die Pressekonferenz stand ganz im Zeichen der Bauarbeiten für die neue zweite Produktionshalle, die vor einigen Wochen begonnen haben. Sie soll im Frühjahr 2018 in Betrieb gehen. Bereits jetzt sucht Isnys größter Arbeitgeber weitere Fachkräfte, wie Günther Wank, Geschäftsführer Produktion, am Rande durchblicken ließ.

Das riesige, klimatisierte Pressezelt, in dem am Vortag die Vertriebspartner aus aller Welt auf die neuen Modelle eingestimmt worden waren, zierten deshalb allerlei Baustellen-Accessoires: Betonringe, Schutzhelme und Zollstöcke als Tisch- sowie Schubkarren, Ölfässer oder Holzpaletten als Wanddekoration.

Übergreifend gibt es künftig in allen Wohnwagen und Reisemobilen von Dethleffs bei den Dachschrankklappen das „Softclose“-System serienmäßig. „Schranktürklappern gehört bei uns der Vergangenheit an“, sagte Marketing-Chef Helge Vester bei der Präsentation, die eine Vielzahl an Design- und Ausstattungs-Innovationen vor allem im Innern der Fahrzeugflotte umfasste.

Im Caravan-Bereich wird nach der erfolgreichen Markteinführung des kleinen Einsteigermodells „c’joy“ in diesem Jahr die nächsthöhere Klasse „c’go“ für 2018 aufgewertet: Das Interieur wird laut Vester „dezenter, erwachsener“. Neu bei den Grundrissen, der Aufteilung im Innern, ist eine Version mit zwei Einzelbetten. Bei den „Brot- und Butterfahrzeugen ’Camper’ und ’Nomad’“, den Klassikern von Dethleffs, gibt es neue individuelle Ausstattungsangebote wie einen Abwasser-Zwischentank, eine verbesserte Heizung und eine Box für Skier, womit eine Anregung von Kunden aus Skandinavien umgesetzt worden sei. In der Caravan-Oberklasse wird der „Exclusiv“ mit dem Modell „Beduin“ verschmolzen und im Innern moderner: dimmbare Innenbeleuchtung, Eckkopfstützen in der großzügigen Heck-Sitzecke oder Licht-Zierleisten sind hier funktionale Innovationsbeispiele. Dank dem Verzicht auf Lederpolster oder gekettelte Teppiche sei der neue „Exklusiv“ rund 2000 Euro günstiger, sagte Vester.

Bei den Wohnmobilen wurde Dethleffs’ „erfolgreichste Baureihe 'Trend’ in 35 Punkten weiterentwickelt“, fuhr Vester fort. Als neues Sondermodell geht in Isny die „Advantage-Edition“ auf einem Citroen-Chassis für 2018 vom Band. „Schwung ins Alkoven-Programm“ will Dethleffs mit der „Alpa-Familie“ bringen – was für „alleinreisende Paare“ steht. Das Wohnmobil auf einem Iveco-Chassis verfügt über „eine riesige Wohnsitzgruppe im Heck“ und 3,5 Tonnen Anhängelast, was von den Kunden laut Vester sehr geschätzt werde.

Komplett überarbeitet hat Dethleffs seine bekannte „Globetrotter“-Oberklasse mit den Modellen „XLI“ und „XXL A“, die laut Vester „am längsten unverändert geblieben waren – jetzt haben wir sie mit einem einheitlich Design komplett auf den Kopf gestellt“, und das nicht nur in der noch geräumigeren Küche.

Eingangs hatte Vertriebsgeschäftsführer Alexander Leopold die Entwicklung auf dem Markt der Camping-Fahrzeug insgesamt dargestellt, der 2016 um 18,3 Prozent gewachsen sei. Für 2017 würden nochmals 11,1 Prozent erwartet. Und er wolle behaupten: „Die Märkte bleiben stabil“, trotz „Risiken wie Brexit, US-Präsident Donald Trump“ und noch unzureichenden Servicekapazitäten bei den Vertriebspartnern – nicht nur jenen von Dethleffs, sondern in der Branche überhaupt.

Demgegenüber seien die „Chancen bei weitem höher“. Gründe laut Leopold: „Nur elf Prozent der Menschen beschäftigen sich überhaupt mit Caravaning.“ Das Potenzial, das theoretisch zu erschließen wäre, liege demnach bei 89 Prozent der Bevölkerung in Deutschland. Allerdings: „Wenn nur zehn Prozent auf einen Schlag kämen, könnten wir nicht so viel produzieren.“ Zudem sei „der Gebrauchtmarkt leer, das heißt: gut“, weil auch angesichts der niedrigen Zinsen eine Kaufentscheidung für ein neues „Luxusgut“ Camper leichter falle. In den Kernabsatzmärkten sei das Wirtschaftswachstum laut Leopold in der Vergangenheit außerdem „eher nach oben korrigiert“ worden, wovon er weiterhin ausgehe. Und: Auf neuen Märkten wie China, Asien generell oder Neuseeland gebe es „immer mehr Nachfrage in größeren Stückzahlen“.

Als „strategische Ziele“ nannte Leopold für 2018 einen verbesserten Service, „mit dem wir uns noch mehr vom Wettbewerb abheben können“, verstärkte Neukundengewinnung und das neu aufgelegte Programm der „Original-Teile und -Zubehör“.

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