„Der ,Zauberberg’ für Isny und das Allgäu“

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Schwäbische Zeitung

Rudi Holzberger ist Journalist, Historiker und Autor. Der Initiator der Aktion „Landzunge“ hat in seinen Büchern über die Adelegg immer wieder den „Adler“ als einmaligen Gasthof gepriesen. In seinem nächsten Buch will er dem frühen Tourismus in Großholzleute ein großes Kapitel widmen. Vor Jahren war der Adler auch in der Aktion „Landzunge“ engagiert, Holzberger kennt die gastronomische Szene in der Region wie kaum ein anderer. Tobias Schumacher hat ihn befragt.

Rudi Holzberger, sie begleiten die Geschicke des historischen Gasthofs „Adler“ seit Jahrzehnten, jetzt ist er wieder geschlossen...

Für mich ist es ein Skandal, dass sich die Stadt Isny nicht um diesen einmaligen Gasthof intensiv bemüht. Der Adler ist vermutlich der spannendste und geschichtsträchtigste Gasthof in Deutschland, aber er wird eher ignoriert. Vielleicht sollte die Volksbank ihr schönes Modell Crowdfunding hier erproben! Ein privater Besitzer, der nicht über erhebliche Geldmittel verfügt, kann den Adler kaum retten – ohne die Hilfe der Stadt und/oder potenten Sponsoren.

Welche Perspektiven sähen Sie?

Der Adler könnte ein Modellgasthof für die Region und natürlich für die Aktion „Landzunge“ sein, daher helfe ich gerne bei der Suche nach geeigneten Betreibern, dies ist die erste Bedingung, ehe an größere Pläne gedacht werden kann. Für den Adler müsste die einmalige Geschichte auch die Vision für die Zukunft sein.

Was meinen Sie damit konkret?

Die einmalige Geschichte des Gasthofs beschreibe ich in meinem Buch über ‚Die Entdeckung der Adelegg‘, das im Herbst erscheinen soll. Ein großes Thema ist dabei der frühe Fremdenverkehr, der mit dem Schwarzen Grat und der Schletter Alpe und dank der Eisenbahn schon sehr früh die Adelegg erobert. Der Schwarze Grat ist so etwas wie der württembergische Rigi, Großholzleute mit dem Adler direkt an der Bahnstation ist das „Basislager“ für die Sommerfrischler, die Wandervögel und die Skifahrer. Großholzleute, das Gasthaus und die Gästebücher sind ein Hotspot, wie das heute heißt, für diese Entdeckung einer Landschaft – samt all der Prominenten, die hier logiert haben. Im Adler aber ist diese Geschichte präsent und lebendig, die Gästebücher warten auf neue Einträge! Man kann doch so eine einmalige Bühne nicht verkommen lassen! Was der „Zauberberg“ von Thomas Mann für Davos darstellt, das ist Großholzleute und der Adler für Isny, für die Adelegg, für das gesamte Allgäu.

Von Geschichte lässt sich nicht „runterbeißen“, geschweige denn den „Adler“ renovieren...

Klar, ich bin ein Romantiker. Aber einfach mal ins Blaue gesprochen: Die Gäste des Center Parcs könnten noch mit dem Zug rüberfahren, wenn wir nicht alle Schienen rausgerissen hätten. Die Strecke ist weg, aber ein Besuch im Adler müsste man den Gästen im Park nur mit sanftem Druck nahe legen. Ich kann aber nur die Werbetrommel rühren und vielleicht einen Wirt finden...

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