Das Verkehrschaos am Marktplatz

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 Der Anhänger des Fahrzeugtransporters touchiert den Bauzaun zur Baugrube der Archäologen. Links steht der Beifahrer, der anschl
Der Anhänger des Fahrzeugtransporters touchiert den Bauzaun zur Baugrube der Archäologen. Links steht der Beifahrer, der anschließend den Lkw-Fahrer aus der misslichen Lage dirigierte.

Wenn Verkehrssünder aufeinandertreffen oder sich Flachländer im Allgäu „verirren“, gibt’s Chaos – gestern Vormittag zu beobachten auf dem Isnyer Marktplatz: Der Fahrer eines Lkw mit Kennzeichen „RD“ für den schleswig-holsteinischen Landkreis Rendsburg-Eckernförder hatte augenscheinlich das Durchfahrtsverbotsschild für den Schwerlastverkehr vor der Altstadt an der Kemptener Straße missachtet. Jedenfalls hatte der Fahrzeugtransporter mit Langanhänger augenscheinlich nichts zu tun mit dem Ausnahmehinweis „Lieferverkehr frei“, die Autohäuser und Fahrzeughersteller befinden sich bekanntlich vor den Toren der Stadt.

Das norddeutsche Gespann traf dann prompt auf einen schwarzen Renault Twingo mit hiesigem „RV“-Kennzeichen, dessen Fahrerin oder Fahrer eine oder einer von ungezählten anderen Verkehrsteilnehmern in den vergangenen Wochen war, die das derzeit geltende, absolute Halteverbot vor dem Paul-Fagius-Haus ignorieren. Die üblichen Parkplätze dort sind gesperrt, weil gegenüber die Baugrube der Archäologen mittlerweile bis zur Fahrbahnmitte reicht. So verhinderte der Kleinwagen den optimistischen Versuch des Lkw-Fahrers, die Kurve am Marktplatz auf Anhieb zu meistern.

Quietschen und Schieflage

Mehr noch: Ein Quietschen scheuchte die Archäologen auf, weil der Lkw-Anhänger auf der Fahrerseite den Bauzaun touchierte und hinunter in die Baugrube zu drücken drohte. Einer der schweren Bodenaufsteller, in den die Gitterelemente gesteckt sind, rutschte bedrohlich in Schräglage, bis sich Archäologe Christoph Lang dagegen stemmte.

Bedingt durch den Wochenmarkt versammelte sich schnell eine Schar Schaulustiger, die mit Spott und Häme am Straßenrand nicht sparten, bis der Beifahrer des Lkw schließlich gestenreich versuchte, seinen in die Klemme geratenen Gespannlenker aus der Bedrouille zu dirigieren. Rund zehn Minuten dauerte das Manöver, weil vom Twingo-Chauffeur, der das Chaos in Richtung Obertorstraße hätte auflösen können, weit und breit nichts zu sehen war. In der Bergtorstraße mussten zahlreiche Pkw rückwärts rangieren, weil kein Durchkommen mehr war.

Angesichts der donnerstäglichen Szene ist die Anfrage von SPD-Stadtrat Peter Clement am Montag als geradezu prophetisch anzusehen: Zum wiederholten Mal hatte er in der Gemeinderatssitzung angeregt, den Marktplatz für den Durchgangsverkehr zu sperren, solange die Archäologen der mittelalterlichen Stadtgeschichte nachspüren, und innerstädtisch über die Grabenstraße an der Appretur und am Diebsturm vorbei umzuleiten, indem dort die Einbahnregelung aufgehoben wird.

Zur Isnyer Historie der jüngeren Neuzeit gehört indes, dass jedweder Versuch, den Straßenverkehr am Marktplatz zu reglementieren, nicht überall auf Gegenliebe stößt oder zumindest nicht mit Nachdruck unterstützt wird. So auch wieder diese Woche: Bürgermeister Rainer Magenreuter beschied Clement mit dem Hinweis: „Wir haben fünf Parkverbotsschilder aufgestellt, fast an jedem Parkplatz eines, die sind eigentlich unübersehbar.“

SPD-Stadtrat Erhard Bolender, direkter Anwohner des Dilemmas in der Stadtapotheke, wusste daraufhin zu berichten, dass das Halteverbot eingehalten werde, wenn die Verbotsschilder tatsächlich direkt auf den Parkplätzen stünden. Seien sie aber nur wenige Zentimeter weiter oben positioniert, auf dem Bürgersteig, würden sie nahezu gänzlich ignoriert, die ganze Reihe vor dem Paul-Fagius-Haus sei dann zugeparkt.

Magenreuter fuhr fort, dass in der Verwaltung erwogen worden sei, die weißen Streifen zu entfernen, die sonst die Parkplätze markieren, was aber als „zu aufwendig“ verworfen worden sei. Betreffs einer generellen Sperrung des Marktplatzes sei die Stadtverwaltung „nach wie vor der Ansicht, wir würden noch mehr Probleme schaffen“, sagte Magenreuter. Er könne „nur an die Vernunft der Autofahrer appellieren“ und empfehle, den Stadtkern zu umfahren: „Außen rum ist’s wesentlich bequemer.“

„Nur eine Vollzugsbeamtin“

Die Anregung von Stadtrat Gebhard Mayer (Freie Wähler), gelbe Markierungsstreifen „aufzukleben“, die eine Überfahrung der Parkplätze signalisieren könnten, fand kein Gehör. Und auch Nachfragen aus dem Gremium nach verstärkter Kontrolle seitens des städtischen Vollzugsdienstes gab Magenreuter zu bedenken, dass in Isny „derzeit nur eine Vollzugsbeamtin“ im Dienst ist und dies „vornehmlich im Bereich der Schulen“. Eine zweite Stelle sei „schon länger ausgeschrieben“, aktuell gebe es allerdings „nur eine vielversprechende Bewerbung“.

Silvia Ulrich (CDU) beendete die Diskussion schließlich relativ abrupt (und ohne weitere Ergebnisse), indem sie dem Sperrungsvorschlag von Peter Clement einen parteipolitischen Anstrich verpasste. Gerichtet an die SPD-Fraktion sagte sie: „Das ist für Euch doch nur ein Hintertürchen für den verkehrsfreien Marktplatz.“

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