Busfahrt führt zu den„Brennpunkten“

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Walter Schmid

30 Isnyer haben sich bei einer zweistündigen Busfahrt über kommunale „Brennpunkte“ der Stadtentwicklung informiert. Es sei schon etwas anderes, ob man seine Informationen nur aus der Zeitung, Internet oder einer öffentlichen Gemeinderatssitzung bezieht, oder ob man die Sache mit eigenen Augen vor Ort sieht und verständlich erklärt bekommt, meinte ein Teilnehmer. Er fügte hinzu: „Wer dabei war, muss jedenfalls keine Leserbriefe mehr schreiben.“

Angefahren wurden das Gewerbegebiet Mittelösch, Felderhalde und Lohbauerstraße, der Schulbereich, das Krankenhaus und der Marktplatz. Auf so manches wurde im Vorbeifahren schnell aufmerksam gemacht, um einigen Neubürgern im Bus Gebäude und Besonderheiten nahezubringen. Wo sich das Stadtbild in letzter Zeit verändert hat oder wo gerade gebaut wird, da musste der Schüle-Bus für Informationen, Hintergründe und Fragen anhalten.

Firmengebäude wird zu Wohnungen

Am Kreisel Landesstraße 318/Achener Weg wird zurzeit durch Früchte Jork ein von der Firma Landes gekauftes Firmengebäude zu Mitarbeiterwohnungen umgebaut. Wer für seine Mitarbeiter Wohnungen vorhalten kann, tue sich offenbar leichter mit der Personalbeschaffung. Weiter östlich, auf Höhe Schwärzler, Betriebshof Schüle, sind in letzter Zeit neue Garagen- und Produktionshallen entstanden. Schüle sei neuerdings für einige Dethleffs-Modelle die „verlängerte Werkbank“, hieß es.

Angesichts der Begrenztheit des Gewerbeareals war die Frage naheliegend, ob und wo bereits Erweiterungsmöglichkeiten im Gespräch seien. Isnys Bürgermeister Rainer Magenreuter wies auf die generelle Bedeutung des Gewerbes für die Stadt hin. Gute Produkte „Made in Isny“ seien Image-Träger der Stadt in die Welt hinaus. Das Gewerbe biete die notwendigen Arbeitsplätze für die Bevölkerung und sei nicht zuletzt wegen der Gewerbesteuereinnahmen bedeutend. Bezüglich Erweiterung sei man in Gesprächen Richtung Umspannwerk, auch dem Gebiet zwischen TÜV und Baustoff Walther, würde aber auch zunehmend interkommunale Möglichkeiten ins Auge fassen.

Besuch des Baugebiets Mittelösch

Auf der Landesstraße 318 zwischen dem neuen Baugebiet Mittelösch, dort wo gerade die Baufeldräumung und Rohrverlegungsarbeiten begonnen haben, und Früchte Jork auf der anderen Straßenseite, hatte der Bürgermeister viel zu erzählen. In den nächsten Jahren würden dort mehr als 200 neue Wohnungen entstehen. Im Geschosswohnungsbau seien 30 Prozent Sozialwohnungen vorgeschrieben in denen der Mietpreis 30 Prozent unter dem Mietspiegel liegen müsse, festgelegt auf 15 oder 20 Jahre. Vor allem Isnyer Handwerker würden dort für ihre Mitarbeiter bauen. Die Häuser würden obligatorisch mit Abwärme der Jork-Kühlanlagen versorgt.

Zufahrten zu diesem neuen Wohngebiet seien Rotenbacher Weg, Adeleggweg, Untere Öschstraße und über einen Kreisel auf der L 318 Höhe Alemannenstraße (Kleintierzuchtverein). Es soll jedoch keine Durchfahrtsmöglichkeit zum Rotenbacher Weg geben. Die Auflagen für den Lärmschutz seien hoch. Es müsse ein Wall mit zusätzlicher Lärmschutzwand aufgeschüttet werden. Die Familienstiftung Immler baue im westlichen Bereich voraussichtlich 18 Häuser.

Bei der Durchfahrt durch die Kemptener Straße kam auch das Thema Parkplätze und Parkleitsystem zur Sprache. Der touristische Verkehr nehme stetig zu. Auch der Center Park wirke sich aus. Um die Innenstadt zu entlasten seien Parkmöglichkeiten östlich des Friedhofs angedacht, und auch auf dem Regenrückhaltebecken an der CD-Spange rechts des Bauhofs.

Zukunft des Krankenhauses

Fragen gab es auch zur Zukunft des alten Krankenhauses mit rückwärtigem Park. Man würde in Gespräche mit dem Landkreis eintreten, um eine Umnutzung zu erreichen sowie die medizinische Versorgung zu erweitern und zu sichern. Denkbar sei, den KH-Park zur Wohnbebauung zu nutzen, um Einnahmen für die entsprechende Sanierung des KH-Hauptgebäudes zu generieren. Das Schwesternwohnheim solle weiterhin für günstige kleine Miet-Wohneinheiten erhalten bleiben.

Im Lohbauer ging es vor allem um die Zukunft des Sportsanatoriums. Ein Teil würde zurzeit als Obdachlosenunterkunft genutzt. Im anderen Teil seien die letzten Bewohner Fledermäuse gewesen, die nun ein anderes ihnen angebotenes „Domizil“ bezogen hätten. Seit Jahren würden Gespräche mit möglichen Investoren geführt, um das geschichtsträchtige Ensemble zu erhalten – bisher ohne Erfolg. Einem Abriss stehe zugunsten des vierten Bauabschnittes Lohbauerstraße nichts mehr im Wege.

Die Hälfte der Mitfahrer stieg am Marktplatz aus, der Rest am Kurhaus. Der Bürgermeister stellte für Anfang Oktober die nächste Fahrt in Aussicht. Vorgeschlagen wurde, eine Ortschaft mit einzubeziehen.

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