„Breitengrad“ bringt viel Farbe in die Galerie im Schloss

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Fast alle der insgesamt 27 Künstler der Gruppe "Breitengrad" sind zur Vernissage in der Städtischen Galerie im Schloss angereist (Foto: Babette Caesar)

Es ist vieles dabei, was auf dem Gebiet zeitgenössischer Malerei en vogue ist. Abstraktes, Gestisches, Flächiges, Figuratives, Geschichtetes, Übermaltes oder mit breitem Pinsel gezogene Bahnen. Die Bilder mittlerer Formate der 27 Künstler der Gruppe Breitengrad bespielen die Städtische Galerie im Schloss und bringen viel Farbe in den gut ausgeleuchteten Raum. „Isny 47 ° 41 ´ I 10 ° 02 ´“ lautet der nicht gerade geläufige Titel der Ausstellung, zu der Bürgermeister Rainer Magenreuter kürzlich die Vernissage-Gäste begrüßte. Dahinter verbergen sich die Koordinaten der Allgäustadt und das Ansinnen der Breitengrader, an den jeweils unterschiedlichen Geopositionen ihrer Lebens- und Arbeitsorte ausstellungstechnisch aufzutreten.

Aus acht Nationen stammen die Mitglieder, der größte Teil aus Deutschland und Österreich. Ihnen gemeinsam ist der zweijährige Studiengang an der Kunstakademie Bad Reichenhall unter der Leitung von Professor Markus Lüpertz. „Das hier hat Niveau. Ich bin stolz, denn jeder von Ihnen hat sich entwickelt und seine Position bestimmen können“, sagt der einstige Rektor der Düsseldorfer Kunstakademie im Dezember 2010 bei der Abschlusspräsentation in Salzburg. Gekommen ist er nach Isny trotz Beinah-Zusage dann doch nicht. Eingeführt hat stattdessen Kunsthistorikerin Dr. Bettina Krogemann aus München. Die Musik steuerte Kontrabassist Tiny Schmauch bei.

Es gehöre Mut dazu, so Krogemann, den jeweiligen Beruf an den Nagel zu hängen und noch einmal neu anzufangen, seiner Berufung zu folgen und sich der Malerei zu widmen. Doch ganz aus dem Nichts haben sich die Lüpertz-Schüler nicht auf den Weg gemacht. In der Regel kommen sie aus artverwandten künstlerischen Richtungen und wollten sich auf dem zweiten Bildungsweg spezialisieren. Ihnen liegt am Individuellen, auch Experimentellen, dessen beider Basis das malerisch Expressive darstellt. Wenig aufschlussreich waren Krogemanns Ausführungen zum Kunstmarkt und dessen Spitzenpreisen, um die Einzigartigkeit des Originals hervorzuheben. Lieber hätte man etwas Konkretes zu den gezeigten Werken und Künstlern erfahren, was mindestens genauso, wenn nicht interessanter gewesen wäre.

Breites Spektrum an Malerei

Beispielsweise der Blick auf drei kleine Landschaftsformate, die farbrauschartig mit Fotografiertem und Gemaltem irritieren, auf einen weiblichen Akt in ungewohnter Pose mit dem doppeldeutigen Titel „Wie viel Scheiße hast du heute schon gebaut?“, auf ein sich umarmendes Paar, dicht heran gezoomt und in popfarbiger Aufmachung oder auf abstrakt-gestische Farbflächenmalerei, die von den Kontrasten und einer sinnlichen, stark haptischen Oberflächenstruktur lebt. Was den Reiz der Ausstellung, ausgerichtet von Karin Hoser und Annette Sturm von Isny Marketing, ist ihre Vielfältigkeit in der Weise, wie bildnerische Lösungen gefunden werden für Porträts, Landschaft, Figürliches und Abstraktes und wie ihr farbliches und formales Zusammengehen innerhalb der Wandabwicklung wirkt.

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