Blasmusik im Zeichen der Kameradschaft

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Walter Schmid

Wenn die Musik spielt, ist der Theater- und Gemeindesaal in Rohrdorf überfüllt. Beim letzten gemeinsamen Konzert vor über 20 Jahren wurde das Konzert damals in der Presse betitelt: „Ein Abend der Musik im Zeichen der Kameradschaft.“

An dieser Intention hätte sich auch 2019 nichts geändert – die Seelenverwandtschaft beider Kapellen sei gleich geblieben. Deshalb drückte der Rohrdorfer Vorsitzende, Norbert King, den Wunsch aus, dass bis zum nächsten Mal nicht wieder 20 Jahre vergehen. Auch die Frauenzeller spüren wohl diese Verwandtschaft und würden deshalb gleich eine Gegeneinladung ins Programm aufnehmen, schlägt deren Vorsitzender Bernd Schönmetzler vor.

Die Frauenzeller passten mit weit über 60 Musikantengerade so auf die Bühne und machten den Anfang. American Overture, eine Filmmusik, ein Marsch und eine Reise um die Welt mit “Bands around the World“ mit netten Show-Einlagen garniert.

In der Mitte ihres Programms stand ein filmmusikalisches Werk von Otto M. Schwarz über das Leben des französischen Apothekers, Arztes, Schriftstellers, Astrologen und Wahrsagers Nostradamus (1503-1566). Dirigent Jürgen Wiedemann kam es darauf an, das Leben des umstrittenen Genies pointiert nachzuzeichnen: schwierige Kindheit, Wanderjahre, Studium, Heilerfolge, Hexerei, Pest, Prophezeiungen, Inquisition, Weltuntergangsszenarien und Rettungsversuche der Menschheit. Schlussendlich ist der Globus tot, Staub und Trümmer weichen im Schneckentempo in die absolute Dunkelheit.

Wer die Vorträge der hochrangigen Klimaforscher Klaus Pfeilsticker und Hans-Josef Fell über die aufziehende Klimakatastrophe beim Isnyer Energiegipfel gehört hat, dem lief es bei dieser gewaltigen, schaurigen, geheimnisvollen, in Teilen geisterhaften Orchestermusik ganz kalt über den Rücken. Diese Komposition mit der Frauenzeller Nuancierung unterstrich prophetisch die Mahnungen der Klimaschützer.

Die Rohrdorfer allerdings nicht weniger professionell. Ihr Maß scheint die Harmonie im Orchester, die Stimmigkeit der verschiedenen Register, die Weichheit und innere Schönheit ihrer Musik. Dirigent Klaus Butscher hatte für ihren Part ganz unterschiedliche Kompositionen aus den 90er-Jahren ausgewählt.

Beginnend mit der Alvamar Overture zum Auftakt, folgte ein schrilles Werk, in dem die Figuren eines Computerspiels nachgezeichnet werden. Einem musikalischen Spaziergang durch Stockholm folgte eine Filmmusik über Robin Hood und Atlantis. Zwei Märsche zum Abschluss sind immer gut, damit auch die älteren Besucher voll auf ihre Kosten kommen.

Zwischen den beiden Auftritten wurden zwei hochverdiente Rohrdorfer Musiker zu Ehrenmitgliedern ernannt. Heiner Morgen, durch 40 Jahre unverzichtbarer Musiker und die stets helfende Hand bei jedem Festaufbau. „Heiner ich habe von dir nie ein Nein gehört“, lobte Norbert King das neue Ehrenmitglied bei der Übergabe der Urkunde mit Blumen, einem Obstkorb und einem Gutschein.

Für 66 Jahre im aktiven Dienst der Musikkapelle wurde Siegfried Fischer geehrt. 66 Jahre Posaunist und diverse Pöstchen im Laufe der Jahrzehnte und in den Proben fast nie gefehlt. Urkunde, Blumen, Obstkorb und Gutschein können auch seine Verdienste nur ein klein bisschen andeuten.

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