Bayerischer Rundfunk dreht im Kreuzthal einen Film

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Die Malerin Bettina Heinen-Ayech und Dr. Georg Bayerl vom Bayerischen Rundfunk (rechts) hoch über Eisenbach. Links direkt neben (Foto: Rau)
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Die Malerin wirft einen prüfenden Blick auf Kreuzthal und Eisenbach, dann entsteht mit farbigen Konturen die Landschaft auf der weißen Fläche vor ihr. Sie sitzt auf einem der Lieblingsplätze Erwin Bowiens, des Malers, der sich im Kreuzthal vor den Nazis verbarg.

Bettina Heinen-Ayech, seine wichtigste Schülerin, die mit Mutter und Schwester zur selben Zeit einige ihrer Kinderjahre im Kreuzthal verbrachte, hat nun nach fast siebzig Jahren zum zweiten Mal dieses „Ende der Welt“, wie es Bowien nannte, besucht. Sie nimmt Maß mit ihrem Pinsel, den Blick auf die Kirche und auf das Haus dahinter gerichtet, in dem sie lebten.

Bettina Heinen-Ayech, Jahrgang 1937, malt und Dr. Georg Bayerle vom Bayerischen Rundfunk richtet währenddessen die Kamera auf sie. Locker plaudert sie mit ihm während der Filmaufnahmen und lässt wie nebenbei die Landschaft erstehen.

„Schon fast surreal, wie sie hier sitzt“, sagt Dr. Rudi Holzberger, der Journalist und Chronist der Adelegg, der die Bowien-Ausstellung im Haus Tanne organisierte. Dass er die Malerin und ihren Sohn Dr. Haroun Ayech, mitsamt ihrer Schwester Gabriele, für die Filmaufnahmen nochmals herlocken konnte, dass sie nun genau da malt, wo Erwin Bowien seinerzeit gerne gemalt hat, das freut ihn ungemein. Die Familie Heinen und Erwin Bowien waren eng befreundet. Haroun Ayech erzählt, wie die Familie das auf Französisch geschriebene Tagebuch aus der Kreuzthaler Zeit des Malers auf dem Dachboden gefunden hat. „Es war nur der dritte Durchschlag des Manuskripts und kaum mehr leserlich.“

Große Retrospektive im Jahr 2013

Als ein französischer Freund sich etwas intensiver mit diesem Tagebuch auseinandersetzte, wurde ihnen dessen zeitgeschichtliche Bedeutung erst richtig bewusst. „Der erste französische Verlag, dem wir es angeboten haben, druckte es dann sofort“, erzählt Dr. Ayech. Es sei eigentlich ein Wunder, dass der regimekritische Bowien, der bis dahin nur immer kurze Zeit an einem Ort bleiben konnte und in Augsburg von Berufskollegen denunziert worden war, im Kreuzthal unbehelligt blieb. „Das ganze Dorf hat die Augen zugedrückt und der Dorfpolizist wohl nie nach seinen Papieren gefragt, denn Papiere hatte er keine mehr“, wundert sich Ayech. „Bowien konnte es gut mit den Menschen und schaffte es, sich mit allen anzufreunden“, vermutet er einen Grund. Eine ganze Kaskade habe die Ausstellung von Rudi Holzberger im Haus Tanne ins Rollen gebracht, berichtet er außerdem. In Weil am Rhein, wo Bowien gestorben ist, wurde seine Grabstelle zum Ehrengrab ernannt. Im Oktober 2013 werde dort zudem eine große Retrospektive seines Werks eröffnet. Diese wandere danach weiter nach Solingen und Georgsmarienhütte.

„Das Tal ist mir ganz nah“, sagt Bettina Heinen, „ich könnte einen ganzen Sommer hier malen“. Beim Malen werden für sie die alten Geschichten lebendig. In den Wochen nach dem Krieg waren mit der französischen Besatzung auch ins Kreuzthal nordafrikanische Kolonialsoldaten gekommen. Landläufig ist von Marokkanern die Rede. „Die glauben mir nicht, dass bei uns damals Algerier waren, aber ich weiß das“, erzählt die Malerin, deren verstorbener Ehemann Algerier war. Und dann ergänzt sie verschmitzt: „Ich mochte die Kerle.“

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