„Auf die paar Autos kommt es auch nicht mehr an“

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Die Bürgerinitiative zeigte im Foyer auf Schautafeln Bilder zum geplanten Land-Rover-Projekt. Heinz Behrens und Petra Eyssel in
Die Bürgerinitiative zeigte im Foyer auf Schautafeln Bilder zum geplanten Land-Rover-Projekt. Heinz Behrens und Petra Eyssel in (Foto: Jeanette Löschberger)

Reaktionen nach der Bürgerinformation in Isny zum Land-Rover-Experience-Projekt.

Anni Schlumberger von „PolitAktiv“, Moderatorin des Abends, stellte gleich zu Beginn der Bürgerinformation im Kurhaus am Park klar, dass es sich hier um einen öffentlichen und sachlichen Austausch von Argumenten handelt. Wie sahen die Besucher das Ergebnis? Hat es ihnen bei der Meinungsbildung weiter geholfen? Im Anschluss an die Podiumsdiskussion blieben noch viele, um sich auszutauschen. SZ-Mitarbeiterin Jeanette Löschberger fing einige Reaktionen ein.

Petra Eyssel sieht sich zusammen mit Heinz Behrens die Infowand der Bürgerinitiative über die Streckenführung der geplanten Teststrecke im Foyer des Kurhauses an. Sie fühlte sich vor allem durch die BI und die Stadt nicht genügend informiert. „Ein paar belastbare Zahlen hätte ich mir gewünscht“, sagt sie, „zum Beispiel in Bezug auf den Tourismus“. Insgesamt war es ihr ein zu emotionaler Schlagabtausch. „Was bedeutet es konkret für die Tiere, wenn die Teststrecke kommt?“, fragt sie sich. Das Gutachten des Büro Sieber bezüglich des Artenschutzes und die Darstellung von Andreas Morlok (BUND), waren ihr nicht aussagekräftig genug.

„Nicht alle Karten auf den Tisch“

Behrens sah sich nach dieser Infoveranstaltung in seiner Meinung bestätigt. Er spricht sich klar gegen die Teststrecke aus. Nachdem Isny bereits so viele Neubaugebiete ausgewiesen hätte, sei ihm der Erhalt von jedem Stück Natur wichtig, sagt er. Außerdem ist er der Meinung: „Es wurden nicht alle Karten auf den Tisch gelegt“. Die Verbindung von Land Rover zur Firma Blaser und deren gemeinsame Projekte hätten angesprochen werden müssen.

Karl-Heinz Geiger, der lange Jahre bei der Bergwacht aktiv war, sieht solch eine Teststrecke als Sicherheitsplus an. „Wer Geländefahrzeuge fährt, sollte wissen, wie man in Extremsituationen damit umgeht“, betont er. Über die Umweltbelastung denkt er: „In vielen Bereichen wird Schlimmeres mit der Natur angestellt.“ Das Projekt befürwortet er, anerkennt aber auch die Argumente der Bürgerinitiative. Ob es unbedingt in diesem Wald sein muss, bezweifelt er.

Eine Hundebesitzerin, die viel in Isny mit ihrem Tier unterwegs ist und anonym bleiben möchte, kennt den Bühlberg und geht dort nicht gerne spazieren. Der Wald sei mit seinen geschotterten Wegen nicht gut geeignet, findet sie, da gebe es weitaus schönere Wege in der Umgebung. Der Ansiedlung des Land Rover Experience Centers steht sie jedoch kritisch entgegen: „Wer braucht so was? „Hat Isny wirklich einen Nutzen davon?“, fragt sie sich.

Vertrauen in moderne Technik

Zwei jüngere Männer, sind sehr offen für das Projekt. Sie glauben nicht, dass es ein größerer Eingriff in die Natur ist. „Den Bühlberg als Gebiet zur Naherholung kannten die meisten Isnyer bis dahin eh nicht“, sind sie sich sicher. Ihr Vertrauen in die moderne Technik der Fahrzeuge ist groß, „das schadet der Natur nicht“. Sollte sich diese Firma hier ansiedeln, sei das eher „ein Imagegewinn für die Stadt“, meinen sie.

Für Christine Karg mit Sohn Jascha waren die Argumente der BI schwach. Sie können sich durchaus eine Aufwertung für die Stadt vorstellen und sehen das als eine Investition in die Zukunft für jüngere Leute. Sie hatten das Gefühl, in Isny gebe es Leute, die gegen alles Neue seien. Das Gebiet Bühlberg zwischen der Landesstraße und dem Gewerbegebiet „wird zum Wandern und spazieren gehen sowieso kaum genutzt“ sind sie sich sicher.

Roland Just fühlt sich auf jeden Fall „gut informiert, beide Seiten wurden beleuchtet“, findet er. Für die Natur sieht er keine große Gefahr. Nachdem die Landesstraße L318 dort vorbei führt, „kommt es auf die paar Autos mehr auch nicht an“.

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