Alte Apfelbaumsorte gerettet

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Julia Garthen

Einige Protagonisten dieser Geschichte sind nicht mehr ganz jung. Da wäre zum Beispiel die Obstbauschule in Schlachters bei Lindau, die bereits 1910 gegründet wurde und demnach heute fast 110 Jahre alt ist. Der Apfelbaum, um den es geht, gehört ebenfalls zu den älteren Semestern und befindet sich zwischen Isny und Maierhöfen.

Doch der Reihe nach: Ulrich Pfanner, Bürgermeister von Scheidegg, Gärtnermeister und ehrenamtlicher Vorsitzender des Fördervereins für die Obstbauschule Schlachters, beteiligte sich bereits vor vielen Jahren an einem Projekt, das sich mit historisch bedeutenden Streuobstbeständen beschäftigte. Im Rahmen dieses Projektes wurden die Beauftragten auf einen Apfelbaum zwischen Isny und Maierhöfen aufmerksam. Lange zu leben hatte dieser augenscheinlich nicht mehr. „Da haben wir einen Saurier gefunden!“, erklärt Pfanner.

Gute Ertragseigenschaften

„Bäume haben, genauso wie Menschen, nur eine gewisse Lebensdauer, und die ist nun mal begrenzt. Wenn wir diesen Baum nicht gefunden hätten und es nicht geschafft hätten, aus ihm neue Bäume zu ziehen, wäre die Apfelsorte „Früher Isnyer“ auf Nimmerwiedersehen verschwunden.“ Mittlerweile wurden noch ein paar weitere Apfelbäume dieser Art im Kreis Lindau gefunden, die Schätzungen zufolge vom „Welschisner“ abstammen. Interessant für den heutigen Obstanbau ist der „Frühe Isnyer“ auch deshalb, weil er über gute Ertragseigenschaften verfügt.

Als Pfanner sein Ehrenamt bei der Obstbauschule Schlachters antrat, war es ihm ein großes Anliegen, „dass dann auch was passiert.“. Er wollte, dass Obstbauern, Kleinbrenner oder auch Gartenvereine von den Projekten und von neuen Erkenntnissen partizipieren. „Vor etwa sieben Jahren haben wir dann in Schlachters einen Sortengarten angelegt. Alles unter der Führung der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf.“ Und hier arbeiten die Mitarbeiter auch daran, dass aus dem alten Apfelbaum bei Isny junge gesunde Bäume wachsen.

„Es war nicht einfach, hier junge Triebspitzen abzunehmen. Sie müssen sich vorstellen, dass von zehn Versuchen neun scheitern. Aktuell haben wir etwa acht Mal den „Frühen Isnyer“ großgezogen, vor vier Jahren sind diese Bäume veredelt worden.“ Drei Meter Höhe messen die jungen Apfelbäume mittlerweile. Doch was tun mit den neuen Bäumen nach der ganzen Arbeit?

Bürgermeister Magenreuter pflanzte zwei

„Also ich hab‘ von Anfang an gesagt, die ersten Bäume müssen nach Isny“, lacht Pfanner. Zwei davon landeten beim hiesigen Bürgermeister Rainer Magenreuter. „Wir wollten in unseren Garten schon lange Bäume pflanzen. Und mir war immer klar, wenn es ein Apfelbaum wird, dann auf jeden Fall eine Isnyer Sorte“, erklärt dieser seine Entscheidung. Dass er nun eine so alte, kulturhistorisch bedeutende Sorte in seinem Garten ansiedeln konnte, dürfte ein zusätzliches Zuckerl sein.

„Uns ging es in erster Linie um den Erhalt des Frühen Isnyers. Nur wenn wir junge Bäume nachziehen können, ist der Bestand für die Nachwelt gesichert.“ In der Obstbauschule Schlachters befinden sich mittlerweile viele verschiedene Kernobstsorten, die quasi vom Aussterben bedroht waren. „Das ist wie ein lebendiges Museum“, fasst Pfanner zusammen. In einiger Zeit, wenn die aktuell noch zu kleinen Apfelbäume groß und stabil genug sind, könnten auch wieder Exemplare nach Isny geliefert werden. „Das wäre natürlich auch für die Stadt interessant“, bestätigt Rainer Magenreuter. Sauriernachwuchs in Isny – das wär‘ doch was.

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