Adventskonzert schließt mit Glockengeläut

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Chöre und Orchester des Gymnasiums Isny präsentierten geistliche Musik in der Nikolaikirche.
Chöre und Orchester des Gymnasiums Isny präsentierten geistliche Musik in der Nikolaikirche. (Foto: Schmid)

„Wer Ohren hat zu hören der höre“, so steht es geschrieben. Wer genau hingehört hat, der hat bemerkt, dass Schulleiter Jochen Müller vom Gymnasium Isny in seiner Begrüßung dazu eingeladen hat, die Adventsmusik der verschiedenen Chöre, des Blas- und des Symphonieorchesters „zu begleiten“. Da gab es nämlich nicht nur zu hören, was die Musiklehrer mit den Kindern erarbeitet haben, es gab auch so manches zu beobachten, vielleicht sogar mit dem Herzen aufzunehmen.

Der Schulleiter hat auch dazu eingeladen, die Folge der Darbietungen, der Gedichte, der Geschichten und des Psalmgebetes der Bibel nicht mit Beifallsbekundungen zu unterbrechen. Es war vielmehr des Rektors Wunsch, nach dem letzten Stück noch auf die „Musik der Glocken“ zu hören.

Danach sollte allerdings dem Applaus keine Grenze gesetzt sein. Dann nämlich, als alle Chöre gemeinsam mit den Instrumentalisten zusammen die Schlusskomposition „Adiemus“ von Carl Jenkins vorgetragen hatten. Dann gehörte der hochverdiente Applaus aus der voll besetzten Nikolaikirche wirklich allen, einschließlich den Musiklehrern Tanja Kurz, Stefan Deuschle, Sebastian Kaufmann, sowie auch den Sprecherinnen Charlotte Florack, Leonie Sylvestre und Leonie Damer.

Bei diesem Konzert war zu erleben, dass Stille und Konzentration möglich sind, auch wenn eine ganze Menge Schüler und auch deren kleinere Geschwister in der Kirche sind. Es war mucksmäuschenstille. Da war zum Beispiel auch zu beobachten, dass die Großen den Kleinen halfen ihre Violine zu stimmen. Es war nicht nur weitgehend geistliche Musik auf anspruchsvollem Schülerniveau zu hören, sondern auch gehaltvolle Texte, wie sie der Adventszeit angemessen sind – zumal in einer Kirche – kamen zum Vortrag.

In einer evangelischen Nikolaikirche durfte freilich die Geschichte des Bischofs Nikolaus von Myra nicht fehlen, dem sie in vorreformatorischer Zeit geweiht wurde. Die Legende weiß, dass in Hungerzeiten ein mit Korn beladenes Schiff in Myra vor Anker ging. Getreide für die Herrschenden. Dieser Bischof sorgte dafür, dass ein Teil der Ladung unter den Armen verteilt wurde. Der Unterstufenchor sang dazu das ökumenische Adventslied: „Es kommt ein Schiff geladen bis an den höchsten Bord…es trägt ein teure Last. Das Segel ist die Liebe, der Heilig Geist der Mast.“

Nach der Darbietung kurzer Kompositionen durch das Kammerorchester mit dem Solisten Linus Frisch hat die Sprecherin im Gedicht die allgegenwärtige politische und auch menschliche Herausforderung durch die Flüchtlinge aufgenommen. „Wir sind auf dem Weg – mit Brüdern und Schwestern – aus allerlei Ländern. Wir ziehen vom Gestern ins Morgen… Wir sind auf dem Weg – und sind niemals fertig – und schreiten, der Liebe von Gott gegenwärtig – ins Morgen.“ Dass in einem Schulkonzert auch ein Lobpsalm der Bibel (Psalm 150) gebetet wird, ist auch nicht selbstverständlich.

Vielleicht hatte Schulleiter Müller deshalb zu Beginn dazu eingeladen, das Adventskonzert zu begleiten – eben weil es ein geistliches ist. Das Adventskonzert des Gymnasiums ist jedes Jahr etwas Besonderes.

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