„Ökologische Nachhaltigkeit und Regionalität“

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Beim Rundgang durch die Brauerei.
Beim Rundgang durch die Brauerei. (Foto: Walter Schmid)
Walter Schmid

Regelmäßig besuchen Bürgermeister Rainer Magenreuter und Claus Fehr, als Bauamtsleiter im Rathaus auch zuständig für die Wirtschaftsförderung, in Isny ansässige Firmen.

Einerseits, um den Kontakt zu pflegen, andererseits aber auch um zu erfahren, wo möglicherweise „der Schuh drückt.“

Freude über Interesse

Anlässlich des im Herbst groß gefeierten 100-jährigen Jubiläums der Familienbrauerei Stolz war gegen Ende des Jahres nun ein eher stillerer Besuch fällig – mit Betriebsführung und einem Gespräch zur Geschichte der Brauerei. „Obwohl der Kontakt zur Stadtverwaltung sehr gut ist, freuen wir uns über das Interesse der Stadtoberen an unserer tagtäglichen Arbeit“, sagte Juniorchef Johannes Stolz.

Das Tagesgeschäft wurde im Jubiläumsjahr besonders belohnt mit dem „German-Brand-Award“, einen der wichtigsten Markenpreise Deutschlands. Im Konzert mit großen, internationalen Marken sei das „Allgäuer Stolz Hell“ zur Produktmarke des Jahres und die exzellente Markenkampagne ausgezeichnet worden. „Als das milde, süffige, ausgereifte Bier ins Glas floss und allen bestens schmeckte, da waren wir einfach stolz – und tauften es „Allgäuer Stolz“, erzählte Seniorchef Hans Stolz (SZ berichtete).

Spülen und kontrollieren

Die Stadtoberen interessierten sich vor allem für die automatische Getränke-Abfüllanlage. Dort werden die Kisten zwar noch von Hand aufs Band gestellt und am Ende gefüllt auch wieder abgenommen. Alle Stationen dazwischen erledigt die Anlage aber automatisch: Flaschen werden der Kiste entnommen, die Kiste wird abgespritzt, Flaschen mehrmals gespült und von Auge kontrolliert. Der Flaschenfüller entzieht der Flasche zuerst den Sauerstoff, spült dann mit Kohlensäure nach. Die Flasche wird gefüllt, verschlossen, Etiketten aufgeklebt, die Kiste gefüllt und schlussendlich wieder von Hand vom Band genommen.

Flaschen und Kisten würden im Schnitt 40 Mal benutzt, dann erst seien sie durch Abnützung oder Bruch erledigt, erklärte Juniorchef Johannes Stolz: „Uns Familienunternehmen ist die ökologische Nachhaltigkeit ganz wichtig und auch die Regionalität.“ Die großen Konzerne hätten dagegen viel lieber das Einwegsystem, weil es kostensparender ist, aber eben für die Umwelt schädlicher sei.

Im Auftrag abfüllen

An zwei Tagen die Woche laufe die Abfüllanlage für zehn eigene Biersorten, die drei Saisonbiere, elf verschiedene Limonaden, und außerdem werde auch für die Simmerberger Brauerei im Auftrag abgefüllt.

Nach dem Besuch des Sudhauses und des Reife- und Gärkellers ging es auf ein Bier ins „gute Stüble“ der Familienbrauerei, um etwas mehr über deren Geschichte zu erfahren. Mit Festakt, Festwochenende, viel Musik und offenen Türen wurde Anfang Oktober das 100-Jährige gefeiert. Die heutige Stolz Brauerei wird als eine von 15 kleinen Brauereien urkundlich erstmals im Jahr 1752 erwähnt unter dem Namen „Wirtshaus zum letzten Pfennig“. 1919 erwarb Johann Stolz, der Großvater des heutigen Seniorchefs, die Brauerei und führte sie gemeinsam mit Heinrich Schmidt als Mitgesellschafter.

Familienunternehmen

1949 ging sie dann in den alleinigen Besitz der Familie Stolz über und wurde durch die Söhne Franz und Hans weitergeführt. Ab 1989 sind die beiden Söhne von Franz, Josef und Hans die Geschäftsführer, die die Brauerei bis zum nächsten Generationenwechsel 2015 führen. Seit Josef Stolz’ Ausscheiden, führt und verantwortet Johannes als Braumeister und Getränkebetriebswirt zusammen mit seinem Vater Hans das Unternehmen bis zum heutigen Tag.

„Als eine der 1500 Braustätten in Deutschland liegen Familienunternehmen wie das unsere voll im Trend, worüber wir natürlich sehr froh sind“, freut sich Juniorchef Johannes. „Denn bei uns bekommt der Konsument das geboten, nach was er sich zu Recht sehnt: Biervielfalt, Biergeschmack, Heimatbezug, Wertschätzung und ein ehrliches, regionales Produkt.“

Dank an die Ehefrauen

Beide, Vater Hans und Sohn Johannes, versäumten in ihrer familiären Firmengeschichte auch nicht, ihre Ehefrauen Regina und Tanja zu loben und danke zu sagen. Diese würden sich vor allem um die Verwaltung und den Direktverkauf kümmern. Gemeinsam pflegten die Verantwortlichen gute Beziehungen zum Kundenkreis, zu Gaststätten, Vereinen, Firmen und den Festveranstaltern im weiten Umkreis.

Weil der Rotenbacher Weg mitten durchs Firmengelände führt, wurde mit Magenreuter und Fehr auch das befürchtete Verkehrsaufkommen zum neuen Baugebiet Mittelösch angesprochen. Zurzeit sei das Baugebiet angebunden über die Untere Öschstraße und den Adeleggweg und ein Kreisverkehr an der Ostumgehung L 318 sei geplant, führte Fehr aus. Solange der nicht realisiert sei, führe der Verkehr über den Adeleggweg zum Achener Weg. Die später und endgültige Verkehrsführung sei noch nicht in trockenen Tüchern. Man werde jedoch die Angelegenheit so lenken, dass sich das Verkehrsaufkommen über den Rotenbacher Weg nicht wesentlich erhöht.

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