Kißlegger See bereitet Grund zur Sorge

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Der Obersee in Kißlegg ist ein beliebter Badesee, nicht nur für Einheimische. Derzeit weist sein Gehalt an Phosphor bedenkliche
Der Obersee in Kißlegg ist ein beliebter Badesee, nicht nur für Einheimische. Derzeit weist sein Gehalt an Phosphor bedenkliche Größen auf. (Foto: Claudia Bischofberger)
Claudia Bischofberger

Weitere Informationen zum Seenprogramm finden Interessierte unter www.seenprogramm.de

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Bei der Ortschaftsratssitzung in der Turn-und Festhalle Immenried hat Albrecht Trautmann vom Landratsamt Ravensburg über die Situation des Obersees in Kißlegg referiert und von besorgniserregenden Ergebnisse gesprochen. So sei dort in jüngster Zeit ein beängstigend hoher Phosphorwert festgestellt worden.

Bei dieser besonderen Ortschaftsratssitzung in Immenried wurde der Zustand des Obersees anhand von regelmäßig durchgeführten wassertechnischen Untersuchungen genau unter die Lupe genommen. Ortsvorsteher Martin Müller gab nach der Begrüßung sogleich Trautmann das Wort, der in Begleitung der Biologin Kathleen Rathenow vom Regierungspräsidium Tübingen den Abend gestaltete.

Ausgeführt wurden die Untersuchungen über das Aktionsprogramm zur Sanierung oberschwäbischer Seen. (SOS). Der Regionalverband Bodensee-Oberschwaben hatte diese Initiative mit dem Regierungspräsidium Tübingen 1989 ins Leben gerufen. Seit 1995 übernimmt das Landratsamt Ravensburg diese Aufgabe. Da viele Stillgewässer in Oberschwaben sich gewässerökologisch nachteilig verändert haben, sei das oberste Ziel des Seenprogramms, diesen Zustand durch geeignete Maßnahmen zu verringern und ökologisch zu verbessern, erklärte Trautmann.

Vermehrtes Algenwachstum

Der Obersee ist seit 1989 in dem Aktionsprogramm. Er habe nachweislich einen hohen Phosphorwert, so Trautmann. 107 Mikrogramm pro Liter seien gemessen worden. Zum Vergleich: Der Bodensee enthält sechs bis acht Mikrogramm pro Liter. „Man kann diese Seen aber nicht wirklich miteinander vergleichen“, so Trautmann. Früher habe der Bodensee ebenfalls mal 80 Mikrogramm pro Liter enthalten. Es gebe in der Region derzeit Seen mit 20, andere mit 180 Mikrogramm Phosphor pro Liter. Ein geringer Gehalt sei wünschenswert.

Der Obersee weise den hohen Gehalt auf, trotz jahrzehntelang angewandten Maßnahmen, die Kosten in Millionenhöhe verursachten. Diese Belastungen stammen laut dem Experten vor allem aus landwirtschaftlich genutzten Flächen, aber auch Kleinkläranlagen könnten Mitverursacher sein. Ein zu hoher Phosphorgehalt trage zu einem vermehrten Algenwachstum bei, was zu einer raschen Verlandung führen könne. Menschen mit großer Sensibilität könnten Hautreizungen von bestimmten Formen der Blaualge bekommen, deren Wachstum durch den Phosphor begünstigt wird. Gesundheitsschädlich sei er für Menschen aber nicht, erklärt Trautmann.

Bürgermeister Dieter Krattenmacher wies zwar daraufhin, dass in der Badesaison das Gewässer des Obersees wöchentlich gemessen und für einwandfrei befunden wird, mahnte aber dennoch insbesondere Landwirte, ihre Düngung nach den vereinbarten Regeln durchzuführen. Was auch heißt, angemessene Abstände zu Gewässern und deren Zuflüssen einzuhalten. „Leider habe ich erst neulich wieder gesehen, wie ein Landwirt diese Regeln missachtet hat“, erklärte er. Eine weitere Ursache für eine Erhöhung der Konzentration des Phosphors liege aber auch durch zunehmende Starkniederschläge vor. Diese seien sehr problematisch für den Abfluss im Gewässer. Und es sei nicht damit zu rechnen, dass es künftig weniger Starkniederschläge gibt, sagte Trautmann.

Wie kann das Problem dieses bedenklichen Zustands beseitigt werden? Trautmann sieht eine Möglichkeit in der Tiefenwasserableitung (TWA). Diese Konstruktion gebe es seit den 80er-Jahren und habe sich schon in einigen Seen der Region bewährt. Dabei wird ein Rohr an der tiefsten Stelle des Sees angebracht und durch den See bis zum Ablauf fixiert. Dort ist ein Ansaugkorb, der dann das Tiefenwasser abzieht. Eine TWA beseitigt Algen und Giftstoffe. Durch weniger Algenreste ergibt sich eine geringere Sauerstoffzehrung. Die Technik sei einfach, sowie schonend und nachhaltig, erklärte der Experte.

Regeln für Landwirte

Was die Kosten angeht konnte Trautmann keine genaueren Angaben machen. Dies käme ganz auf den Durchmesser der Rohre an. Geschätzt lägen die Ausgaben zwischen 150 000 und 200 000 Euro. Aber nach Meinung des SOS würde diese Tiefenwasseranlage dazu beitragen, die Verhältnisse des Obersees erheblich zu verbessern und vor allem die Gefahr der Blaualgenblüten zu verringern.

In einer gesonderten Sitzung möchte Bürgermeister Krattenmacher mit den Landwirten über eine Verbesserung der Situation sowie die einzuhaltenden Regeln sprechen.

Weitere Informationen zum Seenprogramm finden Interessierte unter www.seenprogramm.de

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