„Wir wollen kein Gift in unserem Essen!“

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Was die Demonstranten in Berlin können, können die Leute im Rußmaier schon lange: Mit Transparenten und Pappschildern, Pferd un
Was die Demonstranten in Berlin können, können die Leute im Rußmaier schon lange: Mit Transparenten und Pappschildern, Pferd und Traktoren wenden sie sich gegen die Agrar-Industrie. (Foto: Elke Oberländer)
Schwäbische Zeitung
Elke Oberländer

Für gesundes Essen, artgerechte Tierhaltung und fairen Handel, gegen die Zerstörung der Böden und für das Überleben der kleinbäuerlichen Landwirtschaft sind am Samstag in Berlin einige zehntausend Menschen auf die Straße gegangen. Aber nicht nur dort. Auch im kleinen Horgenzeller Teilort Rußmaier haben sich am Samstag rund 50 Landwirte und Verbraucher sowie viele Kinder versammelt. „Wir wollen kein Gift in unserem Essen!“, „Schützt Humus!“ oder „Wir haben es satt! Für eine andere Landwirtschaftspolitik“ stand auf Schildern und Transparenten.

„Wir machen die vielen Antibiotika im Essen große Sorgen“, sagt eine Frau mit bunter Strickmütze. „Ich will das nicht mehr essen.“ Und sie sorgt sich um die Zukunft: „Viele Landwirte fahren so rücksichtslos mit ihren Maschinen auf dem Acker, dass sie den Boden verdichten und kaputtmachen. Da wächst bald gar nichts mehr.“ „Dem Boden tut es nicht gut, wenn man ihn zu stark ausnützt“, ergänzt eine alte erfahrene Bäuerin. „Früher war man bestrebt, dass das Land gesund erhalten bleibt.“ Da habe man auch mal eine Zwischenfrucht angebaut oder mit Mischkulturen gewirtschaftet. „Heute fahren sie nur noch mit ihren großen Kärren drüber.“

Eine andere Frau ärgert sich über die vielen Maisfelder, die man in ganz Oberschwaben sieht. „Der Mais begünstigt die Erosion“, sagt sie. Bei Starkregen werden Boden und Humus weggeschwemmt.“ Dabei könne der Humus Kohlendioxid binden und zur Luftqualität beitragen. „So entzieht sich der Mensch selbst die Lebensgrundlage.“ Weiter geht das Gespräch zum Insektensterben. Ein Imker berichtet, wie die Gifte aus der Landwirtschaft seinen Bienen zu schaffen machen. Einigen Gartenbesitzern ist aufgefallen, dass viel weniger Vogelarten an ihre Futterhäuschen kommen als früher. „So wird die Umwelt vergiftet“, klagt eine Frau.

Dass es auch anders geht, davon sind die Teilnehmer der Versammlung überzeugt. Viele berichten, dass sie beim Einkaufen genau hinschauen und am liebsten Bio-Produkte aus der Region kaufen, zum Beispiel in den Hofläden der Umgebung. „Wir wollen den Verbrauchern zeigen, dass wir etwas Vernünftiges produzieren – und ihnen vermitteln, dass das seinen Preis hat“, sagt Biolandwirt Otto Metzger. Er wendet sich gegen den Trend zu immer größeren Betrieben und zu immer mehr Spezialisierung in der Landwirtschaft.

Regionale Vermarktung

Metzger sieht die Zukunft der Landwirtschaft eher in kleineren Strukturen und regionaler Vermarktung. Zusammen mit anderen Landwirten und Verbrauchern aus der Nachbarschaft hat er das Treffen im Rußmaier organisiert. „In der Politik können wir zwar nicht viel erreichen“, meint er. „Aber wir machen das für uns.“ „Für uns“ heißt zum einen, dass es den Leuten offensichtlich gut tut, mit Plakaten und Transparenten ihre Kritik an der Agrarindustrie zu zeigen. Und sich bei Kaffee, Kuchen und Punsch darüber auszutauschen. Zum anderen „wollen wir den Gedanken an die nächste Generation weitergeben“, sagt Otto Metzger und fügt hinzu: „Die Kinder sollen sehen, dass wir gutes Essen produzieren wollen.“

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