Weißer Rechtsabbiege-Pfeil verwirrt Radler

Lesedauer: 7 Min
Gert Gunßer sowie die Schüler Noah und Gregor wundern sich, warum der weiße Pfeil die Radler über Grünzeug und Kies leitet.
Gert Gunßer sowie die Schüler Noah und Gregor wundern sich, warum der weiße Pfeil die Radler über Grünzeug und Kies leitet. (Foto: Elke Oberländer)
Elke Oberländer

Ein leuchtend weißer Pfeil, der nach rechts weist, sorgt auf dem Radweg an der K 8038 am nördlichen Ortseingang von Bettenweiler derzeit für Verwirrung. Sollen die Radler wirklich hier auf die Straße abbiegen und dabei Kies und Grünzeug überwinden? Oder sollen sie hundert Meter weiter fahren bis zum Ende des Radwegs? Da haben sie zwar eine befestigte Abfahrt, müssen aber die Straße vor einer Kurve queren – was vielen zu gefährlich ist.

Der Radweg von Zogenweiler nach Horgenzell verläuft bis Bettenweiler links der Straße. In Bettenweiler gibt es keinen Radweg, erst danach geht es weiter. Die Radler müssen also am Ortseingang die Straße überqueren, um auf der rechten Seite weiterzufahren. Aber wo genau?

„Früher war da sogar noch eine Kante zu überwinden“, sagt Gert Gunßer. Er steht auf dem Radweg und folgt mit dem Blick dem weißen Pfeil nach rechts. Schafgarbe, Wegerich, Gräser und daneben ein Kiesstreifen stehen den Radlern im Weg. Für Kinder und Senioren sei der unbefestigte Streifen schwierig zu überwinden, sagt der Radler aus Zogenweiler. Stürze seien vorprogrammiert.

Warnende Schilder gewünscht

„Die Stelle ist unangenehm, wenn man keine Federung hat“, bestätigt Gregor. „Zum Glück ist das bei uns kein Problem.“ Er deutet auf zwei geländegängige Fahrräder, seins und das seines Freundes Noah. Die beiden Jungen aus Zogenweiler sind regelmäßig auf dem Radweg unterwegs – wenn sie zur Schule fahren oder zum Sport. Sie würden sich an dieser Stelle vor allem Schilder wünschen, die die Autofahrer vor den querenden Radlern warnen.

Solche Schilder wären gerade jetzt wichtig, sagt auch Radler Gunßer: Derzeit zieht die Umleitung wegen der Baustelle der Ortsumfahrung Esenhausen besonders viel Verkehr auf die Strecke über Bettenweiler. Während Pkw und Lkw in dichter Folge vorbeibrausen, kommt eine Gruppe Radler mit bunten Packtaschen um die Kurve in Bettenweiler. Sie warten lange auf eine Lücke im Autoverkehr, bevor sie vom Gehweg auf den Radweg wechseln können.

Andere Radler, die die Strecke kennen, fahren zunächst auf dem Gehweg bis zur Höhe des weißen Pfeils, bevor sie die Straßenseite wechseln. „Da ist die Sicht einfach viel besser“, sagt eine Seniorin aus Schachen. Sie riskiert lieber, durch Kies und Grünzeug zu fahren, als womöglich an der Kurve von einem Auto auf der Fahrbahn überrascht zu werden.

Für Radwege an Kreisstraßen ist der Landkreis zuständig. Nach dem Bau des Radwegs zwischen Zogenweiler und Bettenweiler im Jahr 2013 hat jedoch die Gemeinde die Unterhaltung übernommen, berichtet Horgenzells Ortsbaumeister Ralf Erath. Ursprünglich hätten die Radler tatsächlich an der unübersichtlichen Kurve die Straße queren sollen. Aber bereits 2016 hätten Fahrradfahrer im Rathaus gemeldet, dass das gefährlich sei und man habe die neue Abfahrt geplant.

„Das war vielleicht etwas voreilig“

Die Gemeinde könne jedoch nicht eigenmächtig Veränderungen vornehmen, sagt Erath. Deshalb habe sie die Verkehrsschau im vergangenen Oktober und danach die verkehrsrechtliche Anordnung abwarten müssen. Im Juni haben die Mitarbeiter des Horgenzeller Bauhofs dann den weißen Rechtsabbiege-Pfeil auf dem Radweg angebracht, berichtet der Ortsbaumeister: „Das war vielleicht etwas voreilig.“ Er habe die Radler nicht über den Grünstreifen schicken wollen, sagt Erath. „Der Bauhof war nur schneller als die Tiefbaufirma.“ In den nächsten Wochen soll neben dem Abbiege-Pfeil eine zwei bis drei Meter breite befestigte Furt für die Radler entstehen.

Müssen die Radler, die von Zogenweiler kommen, dann am Pfeil abbiegen? „Der Pfeil ist eine wegweisende Empfehlung“, teilt Franz Hirth, Pressesprecher des Landratsamts mit. Radfahrer könnten hier die Straßenseite wechseln, müssten das aber nicht. Aus Sicht des Landratsamtes können die Radler ebenso gut und sicher bis zum Ende des Radwegs fahren: Die Sichtweite vor der Kurve sei bei der zulässigen Geschwindigkeit von maximal 50 Kilometern pro Stunde innerhalb der geschlossenen Ortschaft ausreichend.

Zu Gregors und Noahs Wunsch nach Warnschildern heißt es aus dem Landratsamt: „Warnschilder sollen vor nicht absehbaren Gefahren warnen.“ Mit querenden Fußgängern und Radfahrern müssten die Autofahrer innerorts aber immer rechnen – am Radwegende ebenso wie an der neuen Radlerfurt. Pressesprecher Hirth erinnert an Paragraph eins der Straßenverkehrsordnung: „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht. Wer am Verkehr teilnimmt, hat sich so zu verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder mehr als nach den Umständen unvermeidbar behindert oder belästigt wird.“ Die Radler müssten sich also sicher fühlen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen