Stufen setzen, Schubkarren beladen, Kies stampfen

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Elke Oberländer

Bürgerbeteiligung kann auch ganz handfester Arbeitseinsatz sein: Um die 70 Treppenstufen hat eine Gruppe von Einwohnern des Horgenzeller Teilorts Kappel in den vergangenen Tagen im Wald gebaut. Der Arbeitskreis will die alten Wanderwege im Urbanstobel wieder neu erschließen. Die Rundwege stammen aus dem Jahr 1972 und sind auf vielen Strecken verfallen, zugewachsen oder unter Baumstämmen verschüttet. Zusammengefunden hat die Gruppe im Rahmen der Horgenzeller Bürgerbeteiligung Lebensqualität durch Nähe (LQN).

Ganz oben am Hang sind die ersten Treppenstufen schon fertig. Ein paar Meter weiter unten sind zwar die Bretter schon gesetzt, aber sie ragen aus dem Lehm wie die Hindernisse beim Hürdenlauf. Der Kies fehlt noch. Und eine Drainage. Denn der Hang ist an dieser Stelle besonders feucht. Zwei Männer verlegen sorgfältig Tonrohre, die das Wasser ableiten sollen. Andere schaufeln oben am Waldrand Kies in Schubkarren und fahren ihn an die Steige. Wieder andere übernehmen den Kies in gelbe Baueimer und reichen ihn in einer Kette zu den halbfertigen Stufen durch. Der Kies wird ausgeschüttet, eingeebnet, gewässert und gestampft. Weiter unten am Hang bereiten zwei Männer mit Brettern, Hammer und Wasserwaage bereits die nächsten Stufen vor.

Bald röten sich die Gesichter. Immer mal wieder bleibt einer stehen, wischt sich den Schweiß von der Stirn und greift zur Wasserflasche. „Wenn da später die Wanderer drüberlaufen, die ahnen ja nicht, wie viel Arbeit und Überlegung hinter der Treppe steckt“, sagt einer. Endlich ist Mittagszeit. Punkt 12 Uhr fährt die Catering-Gruppe vor: Zwei Frauen laden warmen Leberkäse, Kartoffelgratin, Salat und Wecken aus dem Auto.

Beim Essen wird viel über Wanderwege gesprochen. Der eine rühmt die schöne Aussicht vom Schlossberg oberhalb von Urbanstobel. Der nächste beschreibt eine Runde im Tepfenharter Wald, die er erst kürzlich entdeckt hat. Der dritte berichtet, dass bereits eine Delegation aus dem Teilort Hasenweiler an der Treppenbaustelle war. Die Gruppe aus Hasenweiler plant ebenfalls, alte Wanderwege wieder begehbar zu machen. Dort sind zwei Runden angedacht: Zum einen von Hasenweiler über Gattenhof und Neugattenhof durch den Wald nach Ringenhausen und von dort auf der Alten Poststraße oberhalb der L288 wieder zurück. Zum anderen von Pfärrenbach ein Abstieg in den Rotachtobel zum Tobelwanger Hof, an der Rotach entlang bis Jonistobel, dann im steilen Aufstieg wieder aus dem Tobel heraus und über Wart zurück nach Pfärrenbach.

Ungewisse Zukunft des Wanderwegs am Fiselbach

Und wie geht es in Kappel weiter? Der Treppenabstieg am Waldeingang wird voraussichtlich noch vor Ostern fertig. Er ist der Einstieg zum alten Wanderweg Nr. 4: Er führt über den Fiselbach, zum alten Wanderparkplatz Urbanstobel, hoch zum Schlossberg, an der Falkensteiner Hütte vorbei und im weiten Bogen wieder zurück nach Kappel. Auf der alten Wanderkarte am Wanderparkplatz Urbanstobel ist er blau markiert und mit vier Kilometer Länge verzeichnet.

Unsicher ist noch, wie es am Fiselbach weitergehen soll. Der vorhandene Fahrweg ist oft nass und von forstwirtschaftlichem Gerät, Mountainbikern und Pferden stark zerwühlt. Der Arbeitskreis würde gern oberhalb davon einen Pfad nur für Wanderer anlegen. Das müssen die Wegebauer noch mit der Forstverwaltung klären. Besprochen werden muss auch noch die Fortsetzung am Aufstieg zum Schlossberg. Als Fernziel ist angedacht, zusätzlich den Wanderweg Nr. 1 wieder zu aktivieren. Er ist kürzer, hat aber ebenfalls Treppenstufen.

Bevor die Gruppe die nächsten Wege in Angriff nimmt, steht erst einmal die Beschilderung auf dem Programm. Das Konzept dafür ist bereits fertig. „Wir setzen uns dann zusammen, besprechen das, und dann bestellen wir die Schilder“, sagt Josefine Münst. Sie ist im Horgenzeller Rathaus für die Bürgerbeteiligung zuständig. Der wiederbelebte Wanderweg soll dann auch im Horgenzeller Wanderwegeplan verzeichnet werden. „Der alte Plan ist von 2012“, berichtet Münst. „Wir halten die Neuauflage extra zurück, bis die Gruppen mit den Wanderwegen fertig sind.“

„Das ist echt toll, was die Gruppen bei der Bürgerbeteiligung leisten“, sagt Münst. Begeistert berichtet sie von der Dorfputzete einer Gruppe in Zogenweiler. Fast 60 Leute aus verschiedenen Teilorten hätten mitgemacht. Darunter viele, die vorher noch keinen kannten im Ort. Eine solche Aktion biete schnellen Erfolg und dazu ein schönes Gemeinschaftserlebnis. Das gelte auch für die E-Mountainbike-Gruppe: Dreimal seien die Teilnehmer schon zusammen losgefahren. Inzwischen sei die Gruppe mit 19 Teilnehmern so groß, dass sie sich aufteilen wolle: in eine gemütliche Radelgruppe und in eine Gelände-Gruppe, die flotter unterwegs ist.

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