Prächtige Agavenblüte lockt Ausflügler in Scharen

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Die blühende Agave in Schachen hat den Horgenzell-Tourismus kräftig angekurbelt. Wer sie noch sehen will, muss sich beeilen: Di
Die blühende Agave in Schachen hat den Horgenzell-Tourismus kräftig angekurbelt. Wer sie noch sehen will, muss sich beeilen: Die unteren Blütenbüschel sind schon abgeblüht. (Foto: Elke Oberländer)
Elke Oberländer

Sie ist das Ziel von Wochenendausflügen, Radtouren und Wanderungen: Die fast acht Meter hohe Agavenblüte lockt Pflanzenfreunde und Neugierige in Scharen nach Schachen, einem Horgenzeller Ortsteil zwischen Zogenweiler und Ringgenweiler. Sie kommen aus Konstanz, Friedrichshafen und Biberach, um die Blütenpracht zu bewundern. Die Besitzer der Agave, Konrad und Margarete Schnetz, hätten nicht gedacht, dass sie mit der Topfpflanze in ihrem Hof so sehr den Tourismus in Horgenzell ankurbeln würden.

„Der Zulauf ist unwahrscheinlich“, sagt Margarete Schnetz. „Und die Leute sagen alle, dass sie unsere Ausdauer bewundern.“ 43 Jahre lang hat Familie Schnetz die Agave gehegt und gepflegt, bis nun die Blüte erschienen ist (die SZ berichtete). Zu Beginn haben die Besitzer und ihre Gäste noch überlegt, ob sich die etwa acht Zentimeter langen grünlichgelben Einzelblüten noch öffnen würden. In 30 Büscheln bilden sie zusammen eine gewaltige Blütenrispe. Inzwischen sind alle Einzelblüten leuchtend gelb aufgeblüht. Im unteren Bereich ist die Blüte schon wieder vorbei, die Einzelblüten verfärben sich braun.

Insekten lieben die Blüten

Gespannt waren die Beobachter auch darauf, ob die Blüten wohl duften würden. Diese Frage hat Familie Schnetz nicht klären können – alle verfügbaren Leitern sind zu kurz. Aber ob es nun ein Duft ist oder was auch immer – die Blüten ziehen jede Menge Insekten an. Margarete Schnetz ist Imkerin und kennt sich aus: Sie hat Bienen, Wespen und Hornissen ausgemacht. Wahrscheinlich sind es noch viel mehr Insektenarten, die die gelben Blüten umschwirren. „Leider sind Agavenblüten bei uns so selten“, sagt einer der Besucher. „Sonst könnten sie gegen das Insektensterben helfen.“

Mit fortschreitender Blüte hat sich der lange Stängel in Richtung Straße geneigt. Konrad Schnetz hatte ihn schon frühzeitig mit Seilen gesichert. Jetzt hat er noch ein zusätzliches Seil bis zum Haus gespannt. Die graugrünen Blätter der Agave, die früher kraftvoll nach oben standen, klappen eins nach dem anderen Richtung Boden und verfärben sich gelblich. „Drei halten noch die Stellung“, sagt der Agavenvater, während er liebevoll über die letzten drei Blätter streicht, die noch aufrecht stehen.

Jeden Abend sitzt das Ehepaar Schnetz auf seinem Bänkle vor dem Haus und genießt den Blick auf die Agave. „Nächstes Jahr haben wir sie ja nicht mehr“, sagt Margarete Schnetz. Ihr Mann seufzt. Die Agave stirbt nach der Blüte. Aber ihre Ableger, die drumherum stehen, sind doch auch nächstes Jahr noch da? „Ja, aber eine Blüte werden wir zu unseren Lebzeiten wohl nicht mehr erleben“, sagt Konrad Schnetz. „Das ist einmalig.“ Dann bleiben ihnen noch die Bilder: Eine Wildtierkamera oben am Haus macht schon den ganzen Sommer täglich ein Foto. Im Winter kann das Ehepaar Schnetz dann den Verlauf der Blüte als Film anschauen.

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