Pfarrer Hermann Dippon aus Wälde-Winterbach geht in den Ruhestand

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Pfarrer Hermann Dippon mit seinem Engel, den er selbst in Stein gehauen hat.
Pfarrer Hermann Dippon mit seinem Engel, den er selbst in Stein gehauen hat. (Foto: bawa)

Die Verabschiedung von Pfarrer Hermann Dippon von der evangelischen Kirchengemeinde Wälde-Winterbach, Winterbach 510, ist am Sonntag, 15. Juli. Um 10 Uhr findet der Gottesdienst statt.

Hermann Dippon, evangelischer Pfarrer in Wälde-Winterbach, wird am 1. September in den Ruhestand treten. Aus diesem Anlass lädt die Kirchengemeinde am Sonntag, 15. Juli, 10 Uhr, zum feierlichen Gottesdienst ein. Anschließend steht ein Gemeindefest mit Speis und Trank auf dem Programm. Dabei haben alle Weggefährten die Möglichkeit, sich persönlich von dem Seelsorger und seiner Familie zu verabschieden.

Seit 2010 ist Hermann Dippon Pfarrer in der Gemeinde, die mit einigen Besonderheiten aufwarten kann. Zum Beispiel bietet das Pfarrbüro einen unverstellten Blick bis zu Bodensee und Säntis. Diese Weite und die wunderbare Schöpfung vor Augen hat Dippon nach eigenen Angaben immer sehr genossen – auch wenn es zu Beginn seiner Tätigkeit noch kräftig durch Fenster und Ritzen zog. So stand in seiner Amtszeit die energetische Renovierung des Pfarrhauses auf der Prioritätenliste ganz oben an, genauso die Einrichtung einer barrierefreien Toilette und die Erneuerung der Außenfassade des Kirchturms. Auch die Umgestaltung des Vorgartens zum parkähnlichen Gemeindefestplatz und jetzt zuletzt die Neugestaltung des evangelischen Friedhofs mit pflegeleichten Grabstätten wurden in seiner Dienstzeit realisiert.

Der Erhalt der christlichen Friedhofskultur war dem Theologen stets ein großes Anliegen. Als Krankenhausseelsorger im Ravensburger Elisabethenkrankenhaus hatte er von 2001 bis 2010 die Sorgen der Alten und Kranken hautnah kennengelernt, wenn es um die Regelung der letzten Dinge und die Wahl der Grabstätte ging. Oft stand er Patienten und ihren Angehörigen bei, die sich auf den Abschied für immer vorbereiten mussten. Dieses Memento mori begleitete den Kreuzestheologen während seines gesamten Berufslebens, das 1984 in Allmersbach im Tal begonnen hatte. Dort lebte die junge Familie nach Dippons Heirat, und dort kamen auch ihre drei Kinder zur Welt.

Aufgewachsen ist Dippon zusammen mit acht Geschwistern in einer streng evangelisch-pietistischen Familie in Beutelsbach. Zwar bewirtschafteten die Eltern Weinberge, aber von einer fröhlichen Leichtigkeit des Seins war wenig zu spüren. Bis er letztlich Pfarrer der Landeskirche wurde, hatte der einstige Realschüler allerdings noch einen steinigen Weg vor sich. Vielleicht hat er deshalb auch die Liebe zur Steinbildhauerei entdeckt. Am harten Material kann man sich abarbeiten – und wenn aus dem Stein ein Stück abbricht, ist kreatives Weiterdenken wichtig.

Wer mit Pfarrer Dippon durch den großen Pfarrgarten schlendert, entdeckt in Stein gehauene Bilder: wuchtig-weiblich die Frau Mose, gebrochen-verletzlich der Engel mit einem hängenden Flügel, kauernd-knieend der Bettler. „Wir sind die Engel mit nur einem Flügel, um fliegen zu können, müssen wir einander umarmen“ zitiert Dippon dazu den italienischen Philosophen Luciano di Creszenco. Dass Menschen, in ihrer Gebrochenheit, mit sich selbst und miteinander in Beziehung kommen, das ist ihm wichtig. Die Gottesdienstbesuchenden sollten Gemeinschaft erfahren und durch seine Predigten und Gebete gestärkt werden. .

Seine künstlerische Tätigkeit möchte er im Ruhestand gerne fortsetzen, und auch als Theologe wird er aushelfen, wenn Kollegen eine Pause brauchen.

Zurück lässt Dippon eine landeskirchlich sehr engagierte Gemeinde, die durch Vakaturen sehr viel Selbstständigkeit erlernen musste. Eine Gemeinde, die durch ihre herausragende Posaunenarbeit bekannt ist. Eine Gemeinde, die anpackt und zusammenhält, wenn es nötig ist. Dennoch bedeutet es eine Herausforderung, eine Kirchengemeinde in der Diaspora zu betreuen, die am Rande der Landeskirche auf 100 Wohnplätze verteilt ist. Mit etwas weniger als 900 Gemeindegliedern wird es in Zukunft auch nur noch eine halbe Pfarrstelle geben, die dann zusammen mit Bavendorf versorgt wird.

Es sind viele gute Erinnerungen, die Dippon mit Wälde-Winterbach verbindet. Nicht zuletzt auch die gute Zusammenarbeit mit dem katholischen Kollegen Magnus Weiger und dem Pfarrer der Brüdergemeinde Wilhelmsdorf, Ernest Ahlfeld, die es möglich machte, das Reformationsjahr als ökumenisches Fest des Glaubens mit großem Programm gemeinsam zu feiern. Im Ruhestand wird Dippon mit seiner Frau Elisabeth, die Realschullehrerin in Bodnegg ist, in die Innenstadt von Ravensburg ins eigene Haus ziehen, einen kleinen Schrebergarten bewirtschaften, viel lesen, und seinem Bruder bei der Arbeit im Weinberg helfen.

Die Verabschiedung von Pfarrer Hermann Dippon von der evangelischen Kirchengemeinde Wälde-Winterbach, Winterbach 510, ist am Sonntag, 15. Juli. Um 10 Uhr findet der Gottesdienst statt.

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