Eine wundersame musikalische Reise

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Der Dank gebührt allen teilnehmenden Musikern.
Der Dank gebührt allen teilnehmenden Musikern. (Foto: Yvonne Giwitsch)
Schwäbische Zeitung
Yvonne Giwitsch

Zum ersten Mal nach 26 Jahren war die Trachtenkapelle Oberteuringen wieder einmal beim diesjährigen Gemeinschaftskonzert des Musikvereins Wilhelmskirch zu Gast. Frank Brielmaier, erster Vorsitzender des gastgebenden Vereins, freute sich sehr, die Freunde aus dem benachbarten Blasmusikkreisverband, die aufgrund der räumlichen Nähe fast schon Nachbarn sind, in der Festhalle in Horgenzell zu begrüßen. „Dass sage und schreibe 173 000 Blasmusiker in 2550 Musikvereinen hier in Baden-Württemberg aktiv sind, zeigt, dass unser Bundesland auch in Sachen Blasmusik ein echtes Musterländle ist“, freute sich Frank Brielmaier über die voll besetzte Festhalle.

Die Gäste eröffneten den hochkarätigen Konzertabend mit einem anspruchsvollen Programm, das mit dem „Einzug der Gäste auf der Wartburg“ von Richard Wagner begann. Passend zum Anlass waren Fanfarenklänge zu hören, wenn auch nicht zum Empfang von Minnesänger Tannhäuser, sondern eben zum Konzertbeginn. Weiter ging die musikalische Reise nach Österreich, in die Nähe von Linz, wo Anton Bruckner als Vorbild und Inspirationsquelle für Thomas Doss die Vorlage für den „St. Florian Choral“ geliefert hatte. Mit warmen und weichen Klängen strahlten die Instrumente eine behagliche Ruhe aus. Das nächste Ziel war England mit der „First Suite in ES for Military Band“ von Gustav Holst. Voller Konzentration und mit viel Ausstrahlung spielten die knapp 60 Musiker dieses schwierige klassische Werk und freuten sich über den anschließenden Applaus. Als Nächstes präsentierte die Trachtenkapelle Oberteuringen den populären und sehr gefühlvollen Tango von Carlos Gardel aus dem Jahr 1935 „Por una cabeza“. Das Lied stammt aus dem Musical-Film „Tango Bar“ und ist Bestandteil der Filmmusik vieler weiterer bekannter Filme. Schließlich verabschiedeten sich die knapp 60 Oberteuringer Musiker unter der Stabführung von Fabian Zürn mit einem Medley aus dem Film „Im weißen Rössl“ vom Königssee und einer schwungvollen Zugabe.

Jede Menge Abwechslung

Nach der Pause waren die Gastgeber an der Reihe. Circa 60 Musiker aus Wilhelmskirch hatten inzwischen auf der Bühne Platz genommen und freuten sich zusammen mit ihrem Dirigenten Alexander Werner, weitere musikalische Leckerbissen präsentieren zu können. Mit der „Magic Overture“ von Thomas Doss begrüßten sie die zahlreichen Zuhörer. Fröhliche Aufbruchstimmung mit flotten und schnellen Melodien ging über in langsame und getragene Beschaulichkeit, spiegelte den Zauber Vorarlbergs und gipfelte in einem rauschenden Fest.

Die Wanderungen der Azteken durch Nordamerika gen Süden inspirierten Kevin Houben zu diesem Werk. Es enthält Fragmente orientalischer Musik und südamerikanischer Rhythmen – hier und da kommen sogar russische Kosaken ins Spiel. Weiter ging es nach Innsbruck. Mit einer Eigenkomposition von Norbert Rabanser, dem Leiter der „Innsbrucker Böhmischen“, verbreitete die Musikkapelle bereits Vorfreude auf das Dorffest im August, wo die sieben Profimusiker der „Innsbrucker Böhmischen“ mit ihrem Programm beim BrassOnStageFestival erwartet werden.

Japan war das nächste Ziel der musikalischen Reise. Mit Blasinstrumenten die landestypischen Klänge erlebbar zu machen, das war schon eine echte Herausforderung für die Musikkapelle. „Selections from „Princess Mononoke“ von Joe Hisashi. Der Anime-Film Princess Mononoke (1997) ist berühmt für seine wunderschöne Filmmusik. Dieses Arrangement enthält einige der schönsten Melodien und forderte die Musiker schon sehr heraus, doch die bewältigten die fernöstlichen Klänge und atmosphärischen Stimmungsbilder bravourös. Eine Einladung zum Tanzen war das Medley der größten Hits von Frank Sinatra, doch das Publikum lauschte lieber den Evergreens. Songs aus Musicals gehören schon lange zum gängigen Konzertrepertoire der Musikkapellen, und so freuten sich Musiker und Konzertbesucher gleichermaßen über die „Highlights from Beauty and the Beast“.

Bezug zur Weltpolitik

Als Zugabe hatten Dirigent Alexander Werner und Vorstand Frank Brielmaier einen Hit der 1960er-Jahre gewählt, der heute durch weltpolitische Brisanz zu neuer Aktualität gelangt ist. „What a Wonderful World“ von Louis Armstrong erzählt von der Schönheit der Welt und von den Glücksmomenten im alltäglichen Leben. Die Intention des Liedes war es, eine Gegenströmung zum zunehmend schlechter werdenden politischen Klima in den USA zu bilden. Daher besingt das Lied Natur, Sonne, Farben, Freundschaften und Kinderaugen, und das bei all den kleinen und großen Problemen im Leben, wo Hass, Missgunst, Machtkämpfe und Katastrophen einem die Welt manchmal alles andere als „wunderbar“ vorkommen lassen.

Mit diesem Hauch einer kleinen heilen Welt und viel Applaus für einen bezaubernden Konzertabend verabschiedeten sich die Musiker von ihrem Publikum und freuen sich schon auf weitere musikalische Begegnungen im Jahreslauf.

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