Die Sonne sehen, wie man sie noch nie gesehen hat

Lesedauer: 7 Min
Sybille Glatz

Die Sonne sieht man jeden Tag. Das ist nichts Besonderes. Doch wer hat sie schon einmal mit einem Teleskop aus der Nähe betrachtet, gesehen, wie leuchtende Bögen aus ihrer Oberfläche schießen? „Wenn man die Sonne sieht, wie man sie noch nie gesehen hat, ist das schon beeindruckend“, schwärmt Magnus Weiger, Pfarrer in Horgenzell. Gemeinsam mit fünf Mitstreitern organisiert er am Wochenende das RATT – das Ravensburger Teleskoptreffen.

Es findet dieses Jahr zum zwölften Mal auf dem Teufelsberg bei Horgenzell-Winterbach statt. Hobby-Astronomen treffen sich dort für zwei Tage, um ihre Teleskope aufzubauen und gemeinsam den Himmel zu beobachten. Und sie geben Besuchern die Möglichkeit, mit speziellen Teleskopen etwas zu sehen, was sie zwar jeden Tag vor Augen haben, aber noch nie richtig betrachtet haben: nämlich die Sonne.

„Lichter verseuchen die Nacht“

„Das Interessante an der Sonne ist: Sie ist jeden Tag anders“, erklärt Weiger. Fast jeden Tag richtet er um die Mittagszeit sein Sonnenteleskop auf das Gestirn und beobachtet, was sich dort abspielt. Doch das ist nur ein Teil seiner Leidenschaft. Vier weitere Teleskope besitzt der katholische Seelsorger, um nachts den Sternenhimmel zu betrachten. Etwas, das immer schwieriger wird, denn: „Jeder Depp kauft sich heutzutage Flutlichter, strahlt sein Haus an und verseucht die Nacht“, sagt Alexander Reinders, ein weiterer Organisator des RATT.

Lichtverschmutzung ist für Reinders ein Thema, das ihn nicht nur als Amateur-Astronom bewegt. „Wenn es nicht mehr richtig dunkel wird, ist das auch für die Umwelt und die Tierwelt schlecht“, erklärt er. Richtig dunkel wird es aber in Horgenzell noch. Das war ein Grund, weshalb er sich vor vier Jahren für die Seelsorgeeinheit „Zocklerland“ entschieden habe, erklärt Weiger. Und weshalb die Hobbyastronomen ihr Teleskoptreffen jedes Jahr auf dem Teufelsberg bei Horgenzell abhalten. „Die astronomischen Rahmenbedingungen stimmen“, sagt Weiger. „Bisher war das ein reines Treffen von Amateuren. Aber wir wollen auch Laien motivieren, dazuzukommen und sich vielleicht für die Astronomie zu begeistern.“

Der Besuch des Treffens ist kostenlos, die Finanzierung übernehmen die Organisatoren des RATT. Das Treffen beginnt am kommenden Freitag um 16 Uhr. Etwa um diese Zeit reisen die Hobby-Astronomen an und bauen ihre Teleskope und ihre Zelte auf. Die Sternbegeisterten kommen nicht nur aus dem Schussental, sondern auch von weiter her, etwa aus dem Schwarzwald oder dem Raum Stuttgart. Etwa dreißig Amateure erwartet Reinders. Eine große Wiese auf dem Teufelsberg bietet genug Platz für die Fahrzeuge, die Zelte und Teleskope der Amateur-Astronomen. Ab etwa 21 Uhr steht das gemeinsame Betrachten des Nachthimmels auf dem Programm: „Besucher sind willkommen und können durch das eine oder andere Teleskop den prächtigen Nachthimmel beobachten“, heißt es im Programmheft.

Nach einer durchwachten Nacht steht dann am Samstagnachmittag die Sonne im Mittelpunkt des Interesses. Ab 14 Uhr sind drei Sonnenteleskope auf die Sonne gerichtet. Die Beobachtung der Sonne durch diese Teleskope sei absolut ungefährlich, erklärt Weiger. Davor, ohne geeignete Ausrüstung die Sonne beobachten zu wollen, warnen beide Hobby-Astronomen. „Nicht selbst ausprobieren!“, sagt Reinders und fügt hinzu: „Das macht man sonst nur einmal.“ Der Grund: Wer länger in die Sonne schaut, riskiere bleibende Schäden. Der ungeschützte Blick mit einem Fernglas oder Fernrohr in die Sonne könne in kürzester Zeit zur Erblindung führen.

Nach der Sonnenbeobachtung geht es am Samstag ab 15.30 Uhr weiter mit Vorträgen über astronomische Themen. Ab 20 Uhr gibt es ein Extra-Programm speziell für Astronomie-Neulinge: Erfahrene Amateure erklären, wie man mit einem Teleskop richtig umgeht und wie mit dem eigenen Fotoapparat Aufnahmen vom Nachthimmel gelingen. Wer bei der vergangenen Mondfinsternis versucht hat, ein Foto von dem Naturschauspiel zu machen, weiß, dass das Fotografieren des Nachthimmels nicht so einfach ist. „Astrofotografie ist die Königsdisziplin“, sagt Weiger.

Mit Erfolgserlebnis heimkehren

Auf dem Teleskoptreffen bieten er und seine Mitstreiter Besuchern einen besonderen Service an: „Wenn Sie einen Fotoapparat zum RATT mitbringen, dann schauen wir, dass Sie mit einem Erfolgserlebnis heimkommen“, verspricht Weiger. Die Organisation des Treffens steht, auch für die „Mitternachts-Leberkäswecken“, die es in beiden Nächten gibt, ist gesorgt. Jetzt hoffen die Hobby-Astronomen nur noch auf eins: gutes Wetter. Wie „Waidmanns Heil!“ unter Jägern ist „Clear Skies!“ der Gruß unter den Sternguckern. Auf Deutsch: „Klare Sicht!“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen