55 Wanderer eröffnen neuen Wanderweg

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In Horgenzell ist das Wanderfieber ausgebrochen: Um die 55 Wanderer, vom Kleinkind bis zum Senior, haben kürzlich den frisch restaurierten „Stäffelesweg“ von Pfärrenbach in den Rotachtobel eingeweiht. Er ist das Werk eines Teams von Ehrenamtlichen aus dem Teilort Hasenweiler. Zusammengefunden haben sie über die Horgenzeller Bürgerbeteiligung „Lebensqualität durch Nähe“. Mit ihrer Aktion haben die Wegebauer aus Hasenweiler offenbar vielen Menschen eine Freude gemacht: Die Teilnehmer bei der Eröffnung waren von der neuen Rundstrecke ganz begeistert.

Noch gibt es keine Beschilderung

„Oh, was ist das für ein schöner Weg“, ruft eine Frau mit Rucksack, als es abwärts geht auf die neuen Treppenstufen. Gestartet sind die Wanderer am Parkplatz bei der Kirche in Pfärrenbach. Von dort geht es aufwärts Richtung Waldrand, durch den kleinen Teilort Wart und weiter an der Hangkante entlang, bis der neue Weg vor einem Weiher rechts abzweigt. Noch gibt es keine Beschilderung. Auf einem ausgemähten Pfad führt Bernhard Hornstein die Gruppe zunächst zu einem Hochsitz am Eingang in den Wald. Der Sprecher der Wegebauer aus Hasenweiler erklimmt die Leiter und erzählt von den alten Fußwegen an den Hängen des Rotachtobels. „Früher waren hier vor allem Förster und Waldarbeiter unterwegs“, berichtet Hornstein. Zuletzt seien die alten Wege aber zugewachsen und kaum noch auffindbar gewesen. Selbst wer sich gut auskannte, habe die halb verfallenen Wege kaum noch begehen können. Denn der Hang zur Rotach fällt steil ab und ist vor allem nach Regen sehr rutschig. Gespannt zieht die Gruppe am Hochsitz vorbei zum Steilhang. 111 nagelneue Stufen, gut mit Holzumrahmung befestigt und mit frischem Kies gefüllt, erwarten die Wanderer. Im Gänsemarsch geht es abwärts. Von Rutschgefahr ist keine Rede mehr.

Burg im Abenteuerwald

Unten windet sich der Pfad in einem dichten Tannengebüsch in Serpentinen weiter zu Tal. „Das ist ja ein richtiger Abenteuerwald“, ruft eine Mutter ihren Kindern zu. Ein Wanderer erzählt seinen Begleitern von der alten Fluchtburg, deren Reste im Wald noch immer zu finden sind. Ein anderer berichtet, dass man früher unten im Tal in der Gastwirtschaft auf dem Tobelwanger Hof einkehren konnte. Die Wirtschaft sei ein beliebter Treffpunkt auf der Grenze vom Badischen zum Württembergischen gewesen.

Inzwischen ist die Gruppe im Tal an der Brücke über die Rotach angekommen. „Ist das herrlich hier“, sagt ein Mann mit Wanderstöcken. Ein Teilnehmer lässt seinen Hund baden, ein anderer berichtet, dass er das Wegstück an der Rotach schon vom Joggen kennt. Hornstein führt die Gruppe nach links an der Rotach entlang bis zum kleinen Weiler Jonistobel. Er gehört zur Gemeinde Deggenhausertal. Hier geht es wieder den Hang hinauf. 36 neu angelegte Stufen sichern den Aufstieg.

300 Arbeitsstunden

Beim Aufstieg berichtet Hornstein vom Wegebau: Rund 300 Stunden haben acht rüstige Rentner daran gearbeitet, die beiden Steilhangpfade wieder sicher begehbar zu machen. Viele weitere Helfer haben sich beteiligt, zum Beispiel mit Schreinerei-Maschinen oder Traktor-Spezialtransporten. Auch für die Zukunft ist gesorgt: Für die Instandhaltung der Wege haben sich noch weitere ehrenamtliche Helfer bei Hornstein gemeldet.

Für sie alle ist es eine große Freude, dass der neue Rundweg so gut angenommen wird. Schon vor der Eröffnungswanderung hat Hornstein viele Wanderer und Gelände-Jogger auf der Rundstrecke getroffen. So viel Lob von allen Seiten spornt die Hasenweiler Wegebauer zu neuen Aktionen an: Als nächstes wollen sie eine Rundtour ausweisen von Hasenweiler über Gattenhof und Neugattenhof durch den Wald nach Ringenhausen und von dort auf der Alten Poststraße oberhalb der L288 wieder zurück. Anregungen und Bauwerkzeuge hat sich die Hasenweiler Gruppe bei den Kappeler Wegebauern geholt: Sie hatten bereits vor Ostern den alten Rundweg von Rußmaier über den Fiselbach saniert. Inzwischen ist die Wandergruppe nach gut einer Stunde Fußmarsch wieder am Waldrand oberhalb von Pfärrenbach angekommen. Einige lassen sich noch von Maria Hornstein durch die Pfärrenbacher Kirche führen. „Eigentlich brauchen wir doch gar nicht mit dem Auto wegfahren“, sagt eine Frau, die ein kleines Kind auf dem Rücken trägt. „Wir haben hier so schöne Wanderwege vor Ort.“

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