Mitten in Grünkraut soll Zentrum für Pflege und betreutes Wohnen entstehen

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 Die Ortsmitte von Grünkraut soll umgestaltet werden.
Die Ortsmitte von Grünkraut soll umgestaltet werden. (Foto: Archiv: Markus Reppner)
Sybille Glatz

In der Ortsmitte von Grünkraut soll ein Zentrum für Pflege und betreutes Wohnen entstehen. Das ist das zentrale Ergebnis des Projektes „Grünkraut gemeinsam gestalten“, das die Gemeinde seit Frühling dieses Jahres durchgeführt hat. Mit dem Projekt wollte sie herausfinden, wie ältere Menschen so lange wie möglich in Grünkraut wohnen bleiben können – auch, wenn sie pflegebedürftig werden.

Für das Projekt wurde eigens ein Beirat geschaffen, dem Personen aus der Gemeindeverwaltung, dem Gemeinderat, der Bürgergemeinschaft, der Nachbarschaftshilfe und sachkundige Einwohner angehörten. Die Leitung übernahm Georg Rupp. Dieser stellte in der jüngsten Sitzung des Grünkrauter Gemeinderats das Gesamtergebnis des Projektes vor: das Seniorenkonzept „Alternativen fürs Alter“. Darin formuliert der Beirat 19 Handlungsempfehlungen, die in drei Prioritätsstufen unterteilt sind. Nach längerer Debatte stimmte der Gemeinderat dem Seniorenkonzept zu.

Die erste Empfehlung mit der höchsten Priorität ist ein Zentrum für Pflege und betreutes Wohnen. 24 bis 30 Pflegeplätze, acht bis zehn Tagespflegeplätze, drei bis fünf Kurzzeitpflegeplätze und 20 betreute Wohnungen sollen darin untergebracht werden. Aus Sicht des Beirates wäre die Ortsmitte Grünkrauts im Bereich von Rathaus, Bauhof, Feuerwehr und Kindergarten ein idealer Standort für das Zentrum. Allerdings müssten dann Bauhof und Feuerwehrgebäude an einer anderen Stelle untergebracht werden.

Pflegende Angehörige entlasten

Doch nicht nur um Pflegeplätze und betreutes Wohnen geht es im Seniorenkonzept. Es deckt das Leben im Alter als Ganzes ab, also die Bereiche Wohnen, Hilfen im Alltag, Freizeitangebote, öffentlicher Nahverkehr, Beratung, medizinische Versorgung und Einkaufsmöglichkeiten. So befürwortet der Beirat die Einrichtung einer Kontaktstelle für Senioren und Ehrenamtliche, spricht sich dafür aus, pflegende Angehörige durch Angebote zu entlasten und Barrieren im öffentlichen Raum abzubauen. Auch die Einrichtung eines Mitfahrerbänkles schlägt er vor. Und eines „Ehrenamtstages“.

„Der Zeitplan war sportlich. Aber wir haben ihn eingehalten. Wir sind geblieben, bis wir fertig waren“, beschreibt Rupp die Arbeit des Projektbeirates. Seit März traf sich der Beirat zu zwölf Sitzungen, sprach mit Fachleuten aus dem Pflegebereich, mit Kirchen, Vereinen und Gruppen. Im Sommer wurden in einer großangelegten Fragebogenaktion alle erwachsenen Grünkrauter zu Angeboten für ältere Menschen befragt. Die Ergebnisse der Aktion wurden bei der Zukunftswerkstatt im Juli vorgestellt. „120 sind gekommen, um sich die Ergebnisse anzuhören, 60 sind geblieben und haben in den Arbeitsgruppen mitgearbeitet“, berichtet Rupp von der Werkstatt. All das, die Gespräche mit Fachleuten und Bürgern, die Ergebnisse von Fragebogenaktion und Zukunftswerkstatt flossen in das Seniorenkonzept ein.

Bürgerinformation am 16. Oktober

Mit der Zustimmung zu dem 62-seitigen Konzept und den darin enthaltenen Empfehlungen tat sich der Grünkrauter Gemeinderat jedoch zunächst schwer. Dabei waren es nicht einzelne Punkte, um die sich die Diskussion entspann, und auch das Pflegezentrum wurde nicht an sich in Frage gestellt. Vielmehr ging es darum, ob und wann der Gemeinderat überhaupt einen Beschluss fassen soll. „Warum brauchen wir noch einen Beschluss? Alles Weitere ergibt sich doch aus der Arbeit des Beirats“, meinte Gemeinderat Martin Jopke. Gemeinderätin Christa Gnann beantragte, die Bürgerinformation, die für den 16. Oktober geplant ist, abzuwarten und erst danach im Gemeinderat abzustimmen. „Meine Bitte ist, die Bürger mitzunehmen und sie gut zu beteiligen. Bürgerinformation ist nicht gleich Bürgerbeteiligung. Wenn wir mit dem Beschluss warten, geben wir das Zeichen nach außen: Ohne euch schaffen wir das nicht.“

Darüber hinaus kritisierte Gnann, dass die Sitzungen des Beirats „hinter verschlossenen Türen“ stattgefunden hätten. Gemeinderat Josef Hiller, der selbst dem Projektbeirat angehört, erwiderte, dass die Öffentlichkeit umfassend beteiligt und über jeden Schritt informiert worden sei. Er warb dafür, dem Konzept zuzustimmen. Dafür sprachen sich auch die Gemeinderäte Heidi Forstenhäusler und Josef Rösch aus. „Ich verstehe die Diskussion nicht. Wir hauen künstlich die Handbremse rein, statt den Karren einfach laufen zu lassen“, so Rösch. Beide Wortmeldungen quittierten die zahlreichen Zuhörer, die zur Sitzung in den Pfarrstadel gekommen waren, mit Applaus. Je länger sich die Diskussion hinzog, desto öfter waren Seufzer im Publikum zu hören und die Forderung „Abstimmen!“ Das tat der Gemeinderat schlussendlich und stimmte bei zwei Enthaltungen für das Seniorenkonzept und für die Empfehlungen des Projektbeirates.

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