Grünkrauter Standortsuche per Fragebogen

Lesedauer: 6 Min
Wo heute in Grünkrauts Dorfkern Feuerwehr und Bauhof residieren, könnte bald ein Platz für Pflege und Wohnen entstehen. Die Bürg
Wo heute in Grünkrauts Dorfkern Feuerwehr und Bauhof residieren, könnte bald ein Platz für Pflege und Wohnen entstehen. Die Bürger sind gefragt, ob sie das wollen. (Foto: Adelinde Schwegler)
Adelinde Schwegler

„Grünkraut gemeinsam gestalten“ ist eine Aufgabe, welcher sich die Gemeinde schon seit Jahren widmet und sich dabei reger Bürgerbeteiligung erfreut. „Wir müssen also nicht mehr bei null anfangen“, sagt Bürgermeister Holger Lehr, als in der Gemeinderatssitzung erneut das Thema Zentrum für Pflege und betreutes Wohnen anstand. Den Grundsatzbeschluss dafür gibt es längst, auch schon einen Betreiber. Was fehlt, ist der Standort. Und dazu soll nun die Bürgerschaft über eine Fragebogenaktion beteiligt werden.

Favorisiert scheint im Moment der Platz in der Ortsmitte, wo heute Feuerwehr und Bauhof unter beengten Verhältnissen untergebracht sind und wo vor einem Jahr eine Machbarkeitsstudie (die SZ berichtete) zeigte, dass hier ein gutes Angebot für Pflege und betreutes Wohnen realisiert werden könnte. Also beauftragte der Gemeinderat die Verwaltung, um Alternativstandorte für Bauhof und Feuerwehr zu suchen. Präsentieren konnte diese in der jüngsten Sitzung eben jenen in der Ortsmitte, den Brühlacker /Dreispitz am Ortsausgang nach Bodnegg gegenüber der Festhalle und das Areal der EnBW am Ortsende vor dem Umspannwerk Richtung Kemmerlang.

Sitzung wird unterbrochen

Prompt kam aus der mehr als 30-köpfigen Zuhörerschaft (darunter Mitglieder von „Grünkraut Gemeinsam Gestalten“ und der Initiative „Hände weg vom Gemeindezentrum“) ein weiterer Standortvorschlag: das „Lehrerhaus“ in zentraler Ortslage. Da wich niemand vom Thema ab, derlei Wortmeldungen waren ganz offensichtlich gewünscht. Die Gemeinderatssitzung war – weil die Gemeindeordnung Einmischungen von den Besucherrängen verbietet – extra unterbrochen worden, um Stimmen aus der Bürgerschaft laut werden zu lassen.

Und es gab für sie Frage- und Redebedarf zuhauf, ausgelöst durch den Fragebogen, den die Verwaltung in Zusammenarbeit mit dem Planungsbüro Sieber aus Lindau erarbeitet und an diesem Abend vorgestellt hat: „Um Rechtsfragen, Landschafts- und Stadtplanung „kümmern wir uns“, sagte Hubert Sieber. Den Menschen in der Gemeinde soll der Bogen Gelegenheit geben, ihre ganz persönliche Meinung über jeden Standort und die ihm zugedachte Nutzung ohne Rücksicht auf Kosten-, Rechts- oder Ausgestaltungsfragen kundzutun. Beispiel: Wer die Wohn- und Pflegeeinrichtung in der Ortsmitte haben will, brauche nicht zu wissen, ob dafür Bausubstanz genutzt oder millionenwerte Altgebäude flachgeschoben werden. Über Machbarkeit, Kosten und Prozedere entscheide hinterher der Gemeinderat, Bürgermeinung soll dafür die Richtung vorgeben. Dass die Grünkrauter dies können, hätten sie durch ihr Engagement im Senioren-, Pflege- und Wohnbereich längst gezeigt und dafür auch Würdigung vom Sozialminister erhalten, so der Schultes. Also ist ihm auch nicht bang davor, dass die Gemeinde mitmacht, wenn es jetzt darum geht, den ungefilterten Bürgerwillen zu erfahren.

Anonym oder mit Namen?

Geschehen soll dies also per Fragebogen. Zu befinden hatte der Grünkrauter Rat am Dienstag auch darüber, ob die Fragebogen mit Namen (um Duplizieren zu verhindern) oder anonym rücklaufen sollen, und sich dann für Offenheit entschieden: Mit Namen, im Gegenzug wird der letzte Absatz im Fragebogen über persönlichen Bezug (Nachbarschaft, Hobby …) gestrichen und durch eine Rubrik „Was mir sonst noch wichtig ist“ ersetzt. Da darf dann alles rein, auch neue Standortvorschläge.

Bislang, so Bürgermeister Lehr, habe man sich auf Grundstücke beschränkt, die sich bereits in Gemeindeeigentum befinden und andere Entwicklungen nicht verbauen. Es stünden ja nicht nur Pflege und betreutes Wohnen, Bauhof und Feuerwehr auf der Agenda, es brauche auch neuen Wohnraum, und die örtlichen Kindergartenplätze sind nahezu ausgeschöpft; Letzteres ein Problem, das zu lösen das Lehrerhaus einmal helfen könnte.

Entscheidung im November

Das Prozedere sieht nun einen Rücklauf der ausgefüllten Fragebogen bis zum 28. August vor. Es folgt die Auswertung durchs Büro Sieber, das Ergebnis wird dem Gemeinderat in der Oktobersitzung vorgestellt, wobei Mitglieder des Projektbeirates „Grünkraut Gemeinsam Gestalten“ und der Initiative „Hände weg vom Gemeindezentrum“ einbezogen werden. „Die Entscheidung über den Standort für das Zentrum für Pflege und betreutes Wohnen soll in der Sitzung des Gemeinderats dann am 3. November getroffen werden“, so Bürgermeister Lehr.

Meist gelesen in der Umgebung

Die Kommentarfunktion ist für Sie aktuell gesperrt. Bitte wenden Sie sich an unseren Kundenservice für weitere Infos.
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen

Leser lesen gerade