Älter werden in Grünkraut

Lesedauer: 6 Min

Die Gemeinde Grünkraut will herausfinden, wie ältere Menschen so lange wie möglich in Grünkraut wohnen bleiben können.
Die Gemeinde Grünkraut will herausfinden, wie ältere Menschen so lange wie möglich in Grünkraut wohnen bleiben können. (Foto: DPA/Silas Stein)
Sybille Glatz

Das Projekt „Grünkraut gemeinsam gestalten“ ist auch Thema der nächsten Gemeinderatssitzung, die am Dienstag, 3. Juli, um 18 Uhr im Pfarrstadel beginnt.

Die Gemeinde Grünkraut will herausfinden, wie ältere Menschen so lange wie möglich im Ort wohnen bleiben können – auch wenn sie pflegebedürftig werden. Dazu hat Grünkraut das Projekt „Grünkraut gemeinsam gestalten – Alternativen fürs Alter“ gestartet.

Das Projekt beschäftigt sich nicht nur mit dem Thema Pflege, sondern nimmt das gesamte Leben im Alter in den Blick. So geht es auch um Wohnen, Hilfen im Alltag, Freizeitangebote, öffentlicher Nahverkehr, Beratung, medizinische Versorgung und Einkaufsmöglichkeiten. Geleitet wird das Projekt von Georg Rupp. Ein eigens gebildeter Projektbeirat steht ihm zur Seite.

Der Beirat spricht mit Fachleuten aus dem Pflegebereich, mit Kirchen, Vereinen und Gruppen. In einer Fragebogenaktion wurden zudem alle erwachsenen Einwohner Grünkrauts zu Angeboten für ältere Menschen befragt. Auch eine Zukunftswerkstatt ist geplant.

Bis 25. September soll das Projekt abgeschlossen sein. Dann wird im Grünkrauter Gemeinderat ein Konzept vorgestellt, in dem steht, was es bereits gibt, was in Zukunft benötigt wird und wie es erreicht werden kann.

„Das Thema beschäftigt uns schon seit vielen Jahren“, sagt Holger Lehr, Bürgermeister von Grünkraut. „Wir haben zwar schon Angebote für Senioren, aber die reichen aufgrund der demografischen Entwicklung nicht aus. Diese Rückmeldung bekommen wir auch von den Bürgern.“ Laut Projektleiter Georg Rupp sprechen die Zahlen des statistischen Landesamtes eine deutliche Sprache. „Grünkraut hatte 2015 ungefähr 3100 Einwohner. 520 davon, also jeder sechste, war damals über 65 Jahre alt. 2035 werden 864 Personen älter als 65 sein. Also jeder vierte.“ Mit Statistiken und Zahlen ist Georg Rupp vertraut. Vor seinem Ruhestand arbeitete der Grünkrauter in leitender Funktion beim Landratsamt Ravensburg. Auf Anfrage der Gemeinde übernahm er die Leitung des Projekts „Grünkraut gemeinsam gestalten“.

Anonyme Fragebogen

Eine weitere wichtige Rolle spielt der Projektbeirat, dem elf Personen angehören. Neben dem Bürgermeister und dem Kämmerer sind das Gemeinderäte, Vertreter der Grünkrauter Bürgergemeinschaft, der Nachbarschaftshilfe und sogenannte sachkundige Bürger. Der Beirat wurde am 20. März eingerichtet. Seither traf er sich zu acht Sitzungen, vier weitere sind geplant. In den Sitzungen informiert sich der Beirat über Angebote und Möglichkeiten. Die Liste der Gesprächspartner ist lang. Darunter finden sich die Nachbarschaftshilfe, Stiftung Liebenau, Stiftung St. Elisabeth, Vertreter der Kirchengemeinden, Vereine, Seniorengruppen und Fachleute.

Eine weitere wichtige Informationsquelle sind die Grünkrauter selbst. Anfang Mai erhielten alle Einwohner über 18 einen achtseitigen, anonymen Fragebogen. Bislang kamen 835 ausgefüllt zurück, das sind rund 30 Prozent. „Das ist eine gute Quote. Das sagt auch Professor Wolfgang Wasel, unser wissenschaftlicher Berater“, so Rupp. Die Daten werden im Rathaus erfasst und dann von Wasel ausgewertet. „Der Projektbeirat hat den Fragebogen entwickelt. Die Fragen decken fünf Handlungsfelder ab: Pflege, Wohnen, Alltag und Gemeinschaft, Gemeindeentwicklung und Mobilität, Beratung und bürgerschaftliches Engagement“, erklärt Rupp. Als nächstes soll am 13. Juli die „Zukunftswerkstatt 2020“ stattfinden. Mitmachen kann dabei jeder. „Nach der Zukunftswerkstatt ist die Datenerhebung abgeschlossen. Danach geht es weiter mit der Formulierung des Konzepts“, so Rupp.

Anstoß für das Projekt war ein Preis des Landes Baden-Württemberg. Grünkraut hatte sich vergangenes Jahr an dem Wettbewerb „Quartier 2020 Gemeinsam – Gestalten“ beteiligt und war für seine Ideen mit einem Preisgeld von 35000 Euro ausgezeichnet worden. Das Geld wurde in das Projekt investiert. Nach Einschätzung Lehrs dürfte das Geld reichen, um das Projekt abzuschließen.

„Nach Vorstellung des Konzepts wird der Gemeinderat entscheiden, was er umsetzen wird und wie. Aber das Konzept ist nicht nur für den Gemeinderat. Es enthält Handlungsempfehlungen für alle: Gemeinderat, Verwaltung und Bürgerschaft. Es heißt ja ‚Grünkraut Gemeinsam Gestalten‘. Die demografische Entwicklung ist eine Aufgabe des Gemeinwesens, sie ist eine Herausforderung für uns alle“, betont Georg Rupp.

Das Projekt „Grünkraut gemeinsam gestalten“ ist auch Thema der nächsten Gemeinderatssitzung, die am Dienstag, 3. Juli, um 18 Uhr im Pfarrstadel beginnt.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen