Wieso ein Fernsehteam aus Südkorea Tipps zum Umgang mit Hunden in Fronreute suchte

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 Hundetrainer Peter Löser steht den Südkoreanern Rede und Antwort.
Hundetrainer Peter Löser steht den Südkoreanern Rede und Antwort. (Foto: Julius Böhm)
Julius Böhm

Südkorea will Hunde weg von der Speisekarte, hin zu Herrchen und Frauchen bringen. Doch es gibt immer wieder Beißattacken, Verletzungen und sogar Tote in dem sehr unerfahrenen Land, was die Haltung von Hunden als Haustier angeht. Deutschland gilt bei den Südkoreanern als das Schlaraffenland für die Vierbeiner.

Deshalb hat sich ein Fernsehteam aus der Hauptstadt Seoul auf den Weg nach Deutschland gemacht, um sich anzuschauen, wie Peter Löser in seiner Hundeschule in Fronreute mit den Tieren umgeht.

Zunächst dachte ich, da erlaubt sich jemand einen Spaß. 

Peter Löser

Die Journalistin Seungmin Lee arbeitet für den öffentlich-rechtlichen Rundfunksender „Korean Broadcasting System“ (KBS) und berichtet von immer größer werdenden Problemen mit der Hundehaltung in ihrem Heimatland: „Es fehlt an Gesetzen, Regelungen und Wissen bei den Hundehaltern.“ Immer wieder komme es zu Attacken. Erst im April dieses Jahres wurde eine 62-jährige Frau durch die Bisse eines Hundes getötet.

Hundehaltung statt Hundefleisch

„Gaegogi“ nennen die Südkoreaner die alte Tradition, Hundefleisch zu essen. Vor allem junge Menschen halten davon aber gar nichts mehr und haben kontroverse Debatten angestoßen. Der Konsum ist deutlich zurückgegangen. Seit Sommer 2018 ist es verboten, Hunde zur Fleischproduktion zu töten. Essen darf man das Fleisch aber weiterhin.

Es ist eine Art Generationenkonflikt: Viele ältere Menschen wollen weiterhin Hunde essen, junge Generationen pochen auf Tierschutzrechte und wollen die Vierbeiner als Haustiere halten – ohne jedoch zu wissen, wie man die Tiere erzieht.

 Hunde müssen lernen, auch in lauten, überraschenden Situationen ruhig zu bleiben. Wie das genau gelehrt wird, haben sich die Sü
Hunde müssen lernen, auch in lauten, überraschenden Situationen ruhig zu bleiben. Wie das genau gelehrt wird, haben sich die Südkoreaner in Fronreute angeschaut. (Foto: Julius Böhm)

Und hier kommt Peter Löser ins Spiel. Denn der 50-Jährige arbeitet seit 20 Jahren hauptberuflich als Hundetrainer und weiß sehr genau, wie man Hunde auf den Alltag und Stresssituationen vorbereiten kann – auch und gerade bei Hunden, die als Kampfhunde gelten, worauf er sich spezialisiert hat. Bei ihrer Recherche sind die Journalisten über einen Mittelsmann aus München auf die Hundeschule in Oberschwaben gestoßen.

„Zunächst dachte ich, da erlaubt sich jemand einen Spaß“, sagt Löser im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ und lacht, „aber dann haben wir telefoniert, alles besprochen und einen Termin ausgemacht“. Nicht einmal zwei Wochen hat es vom ersten Kontakt aus Südkorea bis zu den Dreharbeiten in Fronreute gedauert.

Warum reagiert Hund aggressiv?

Vor der Kamera erklärt Löser den asiatischen Zuschauern, dass Hunde nur mit Aggressivität reagieren, wenn sie Angst haben. Also müsse man sie auf stressige Situationen im Alltag vorbereiten, damit sie sich daran gewöhnen können und keine Angst mehr haben. „Wir leisten hier quasi Gewöhnungsarbeit mit den Hunden“, sagt er.

Dabei lässt der Hundetrainer kaum eine Alltagssituation aus. Er öffnet und schließt ruckartig einen Regenschirm vor den Hunden, reizt die Vierbeiner mit Pfeifen und Dosengeklapper und stolpert mit Krücken dicht an ihnen vorbei.

Die erfahrenen Hunde geben keinen Mucks von sich, nicht einmal, wenn all diese Dinge miteinander kombiniert werden und fünf Menschen rufend und pfeifend von allen Seiten auf die sie zu rennen. Die Gewöhnungsarbeit scheint zu fruchten.

 Das Fernsehteam aus Seoul filmt, wie wie man Hunde auf den Alltag und Stresssituationen vorbereiten kann. Hundetrainer Peter Lö
Das Fernsehteam aus Seoul filmt, wie wie man Hunde auf den Alltag und Stresssituationen vorbereiten kann. Hundetrainer Peter Löser steht den Südkoreanern Rede und Antwort. (Foto: Julius Böhm)

Von der Herangehensweise des Hundetrainers ist die KBS-Journalistin Seungmin Lee beeindruckt: „Ich hatte ein ganz anderes Bild im Kopf, dachte an Maulkörbe und eine strenge Führung, um die Hunde zu erziehen. Dabei setzt der Trainer auf Pädagogik und bringt den Tieren bei, mit Reizen umzugehen. Das Modell wäre ideal für Korea, aber ich glaube, vor uns liegt auf diesem Gebiet noch ein langer Weg.“

Der TV-Beitrag aus der oberschwäbischen Hundeschule soll landesweit ausgestrahlt werden und dabei helfen, die Probleme von Hundehaltern in Südkorea in den Griff zu bekommen. Sollte die Resonanz groß sein, hat sich die Journalistin bereits für einen weiteren Besuch mit mehr Details angekündigt. Auch steht die Frage im Raum, ob Peter Löser eine Art Hundebotschafter für die Koreaner werden könnte und ob er sich die Situation vor Ort anschauen möchte.

Löser sagt: „Grundsätzlich bin ich für alles offen. Ich kann mir auch vorstellen, Gruppen aus Südkorea einfliegen zu lassen und hier bei uns auszubilden – aber jetzt warten wir erst einmal ab. Vielleicht denken die Koreaner auch: ,Die Deutschen spinnen und trainieren ihre Hunde’.“

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