Omnitah: Sängerin mit einer Geschichte

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Portrait: Omnitah aus
Vor kurzem hat die Singer-Songwriterin Omnitah ihr neues Album "Seelenstaub" herausgebracht. Mit ihrer Musik tourt die gebürtige Schwedin durch ganz Deutschland und über die Landesgrenzen hinaus. Ihre Wahlheimat ist allerdings Fronreute im Landkreis Ravensburg. Worum es in ihrer Musik geht und wie ihr neues Album klingt, hat sich Anna Kratky einmal angehört.
Schwäbische Zeitung

Musik ist für Omnitah Schwark genauso lebenswichtig wie die Luft zum Atmen. In ihren Liedern verarbeitet sie Erlebtes, immer gnadenlos ehrlich. „Das ist wie nackt ausziehen“, sagt die 42-Jährige. Und wer ihre Lieder hört, der weiß, dass das genauso ist. Sie singt über die Liebe, Freundschaft, das Glück, aber eben genauso über die schlimmen Dinge im Leben. „Mein Leben war in der Kindheit von Gewalt geprägt“, sagt sie. Omnitah Schwark lebt mit ihrem Mann, dem Kameramann und Fotograf Rolf Schwark, in Fronreute. Im April erschien ihr mittlerweile neuntes Solo-Album „Seelenstaub“.

Ihre Eltern waren Musiker

Auch wenn es abgedroschen klingt, Omnitah – wie sie sich selbst nennt – hat die Musik mit der Muttermilch aufgesogen. Musik hat schon immer eine wichtige Rolle in ihrem Leben gespielt. 1975 wird sie in eine ungarische Musikerfamilie hineingeboren – der Vater ein Violinpädagoge, die Mutter eine Konzertpianistin. „Als ich klein war, hatte mich meine Mutter immer auf dem Schoß, als sie am Flügel gespielt hat. Später saß ich unter dem Flügel und habe mit Puppen gespielt“, erzählt sie, „ich fühlte in dem Dröhnen des Flügels eine unglaubliche Geborgenheit.“ Mit drei Jahren lernte sie Klavier und Geige. „In einer Musikerfamilie ist das so wie Zähneputzen lernen. Man macht es einfach.“

Schwierige Kindheit in Schweden

In den 1960er Jahren fliehen ihre Eltern aus dem kommunistischen Ungarn ins schwedische Ängelholm, nördlich von Malmö. Von da an ist ihr Leben von Rastlosigkeit geprägt. Mit vier Jahren zieht sie mit den Eltern nach Deutschland, im Alter von zwölf Jahren flieht sie mit ihrer Mutter vor dem Vater. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion gehen sie zurück nach Schweden. Dort beginnen einige der schlimmsten Jahre ihres Lebens. Wenn sie davon erzählt, ändert sich ihre Stimme und die tiefblauen Augen der zurückhaltenden Frau schweifen auf den Boden. In der Schule wurde sie gehänselt, gemobbt. „Um mich herum nur Hass und Gewalt [...] In der Schule war ich Außenseiter / Wurd’ beschimpft als Hure und so manches weiter / Neidvolle Blicke überall / Fäuste stets geballt“, singt sie in ihrem Lied „Meine Harmonie“. Heute verbindet sie mit Schweden nur noch die Staatsbürgerschaft, die schwedische Sprache und die Sehnsucht nach den traumhaften Landschaften.

Musik als Therapie

Egal, ob die Flucht mit ihrer Mutter nach Schweden („Nasser Staub im Gesicht“) oder auch ihre Beziehung zu ihrer Mutter („Opus 9“), zu der sie ein inniges Verhältnis pflegt – all diesen Themen hat sie eine Melodie und einen Text gegeben. „Manchmal kommt es mir wie eine Therapie vor“, sagt Omnitah. Aber ihre Lieder wirken nicht so als seien sie das. Sie gehen nahe, weil sie ehrlich sind. „Alles, was ich durchgemacht habe, alles in meinen Liedern sind wahre Geschichten.“ Ihren Musikstil ordnet sie selbst dem Singer-Songwriter-Genre zu, der sehr von der klassischen Musik beeinflusst wird.

Ihr Weg zur Sängerin führte über viele Stationen. Mit 17 bricht Omnitah die Schule ab, geht nach der geschafften Aufnahmeprüfung nach Salzburg und beginnt ihr Studium an der Universität Mozarteum. Noch vor dem kleinen Diplom bricht sie das Studium ab, um ihrem Traum vom Singen näher zu kommen. Sie geht nach München und beginnt eine Karriere als Studiosängerin. Vor allem sang sie dort für Walt-Disney-Produktionen, die mit viel Gesang in ihren Filmen arbeiten. So ist ihre Stimme in Liedern in Filmen wie „Tarzan und Jane“, „Bolt“ oder „Phineas und Ferb“ zu hören.

Zu Hause auf den kleinen Bühnen

Heute ist sie allein unterwegs und kann von ihrer Musik leben. Kurz stand sie bei Jack White unter Vertrag, der unter anderem auch mit Musikgrößen wie Ireen Sheer, Roberto Blanco oder Roland Kaiser zusammenarbeitete. Doch die Zeit ist lange vorbei, und darüber ist sie froh. „Ich bin jetzt frei. Niemand schreibt mir vor, was ich bei einem Auftritt anzuziehen habe oder wie ich singen soll. Ich kann jetzt viel mehr von mir zeigen“, sagt sie. Mit ihrer Musik tritt sie hauptsächlich auf Kleinkunstbühnen auf – auch hier in der Region, wie beispielsweise im Dezember 2016 in der Alten Kirche in Mochenwangen. Etwa 60 Konzerte, die sie alle selbst organisiert, gibt sie pro Jahr in Deutschland, Österreich, Belgien, Luxemburg und in der Schweiz.

In Oberschwaben eine neue Heimat gefunden

Die große Bühne sucht die 42-Jährige nicht. „Ich mag die Nähe zu meinem Publikum“, sagt sie. Anfangs sang sie auf Englisch. Erstmals auf Deutsch sang die Musikerin, als sie mit einem Partner zusammen war, der kein Englisch verstand. „Und dann merkte ich, dass ich meinem Publikum plötzlich viel näher bin, wenn ich auf Deutsch singe“, sagt Omnitah, deren Muttersprache Ungarisch ist. Ein Lied auf Ungarisch gibt es aber nicht, obwohl sie erzählt, sie denke und träume auf Ungarisch.

Nach einer Station in Mönchengladbach und einer gescheiterten Beziehung führte sie ihr Lebensweg nach Oberschwaben, wo sie ihren Mann kennengelernt hat. In Fronreute fühlt sie sich nun endlich angekommen. Omnitah sagt, das sei auch der Grund, warum sie plötzlich so viele Geschichten aus ihrer Kindheit beschäftigen. Zu hören ist das in ihrem Lied „Angekommen“: „Gebrochene Seele auf Wanderschaft / Ewig auf der Suche nach Heimat / Losgelöst von der Vergangenheit [...] Zerbrochenes Glück liegt hinter mir / Und nach allem, was geschah / Bin ich angekommen hier / Frei.“

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