Mehr Kinderbetreuung, aber höhere Gebühren

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 Das Kinderhaus St. Karl in Blitzenreute.
Das Kinderhaus St. Karl in Blitzenreute. (Foto: Christoph Stehle)
Christoph Stehle

Insbesondere im Kinderhaus Staig erweitert die Gemeinde Fronreute ihr Angebot für Kindergarten und Krippe. Sie folgt nun aber auch anderen Kommunen und erhöht die Gebühren. Dringender Handlungsbedarf in Staig, Alternativ-Möglichkeiten für Fronhofen und ein vorübergehender Puffer in Blitzenreute: So schilderte Hauptamtsleiterin Margot Kolbeck im Gemeinderat die Lage.

Ab September wird es im Kinderhaus Staig eine zweite Krippengruppe geben, was auch zu einem zusätzlichen Bedarf an 2,66 neuen Stellen führen wird. Gleichwohl werden zum Jahresende alle fünf Krippengruppen für Kinder unter drei Jahren in der Gemeinde Fronreute belegt sein. Zusätzlich richtet Fronreute in Staig nächsten April eine Kleingruppe für bis zur zwölf Kindergartenkinder ab dem dritten Geburtstag ein. Parallel dazu vollendet Fronreute bis September den Neubau eines Obergeschosses im Kinderhaus Staig. Erst 2014 hatte die Kommune das Gebäude um einen Anbau erweitert, um damals die Ganztagesbetreuung und die Krippenarbeit auszubauen.

Ebenfalls an Kapazitätsgrenzen stößt das erst jüngst neu bezogene Kinderhaus Fronhofen, das nun ebenfalls über ein Ganztagesangebot samt Mittagessen verfügt. Ein kostenpflichtiges Mittagessen gibt es nun an allen drei Häusern. Um den zusätzlichen Bedarf an Kindergartenplätzen in Fronhofen abzudecken, hat Fronreute auch dort eine Kleingruppe eingerichtet. Gleichwohl gibt es weitere Nachfrage. Diese will die Gemeinde zunächst abdecken, indem man Plätze im Kinderhaus Blitzenreute anbietet. Dort gibt es zurzeit noch Möglichkeiten.

Fronreute hat im vergangenen Jahr die Gruppengröße von 22 auf 25 Kinder erhöht, womit in dieser größten Einrichtung der Gemeinde nun 94 Kindergartenplätze in vier Mischgruppen zur Verfügung stehen. Kommendes Jahr werden die derzeit noch verfügbaren Plätze aber für Kinder benötigt, die aus dem neuen Blitzenreuter Wohngebiet „Dornacher Ried“ kommen werden.

Maßgeblich für die Beschlüsse sind zwei Grundlagen. Zunächst könnten Eltern seit 2013 schon ab dem ersten Lebensjahr einen rechtlichen Anspruch auf einen Krippenplatz geltend machen. Und dann ist in Fronreute die Anzahl der Kinder (bis drei Jahren) seit 2015 von 121 auf 169 gestiegen. Dieser Trend wird auch dank des Wachstums im Wohnort Fronreute anhalten, davon ist auch Bürgermeister Oliver Spieß überzeugt.

Der allgemein steigende Bedarf an Betreuung für Vorschulkinder macht es schwieriger, die Stellen mit Fachkräften zu besetzen. Derzeit gibt es für die drei Fronreuter Kinderhäuser 35,31 Stellen, wobei die Zahl der Betreuerinnen höher ist, da es eine hohe Teilzeitquote gibt. Ungeachtet der staatlichen Zuschüsse von 780 000 Euro (2019) und der Elternbeiträge ist der Zuschussbedarf durch die Kommune in den letzten Jahren spürbar gestiegen. Lag dieser 2010 noch bei etwas über 450 000 Euro, sind es nun 1,3 Millionen Euro, um das Defizit zu decken.

An und für sich empfiehlt der Staat, dass die Eltern ein Fünftel der Kosten für die Kinderhäuser tragen sollen, was aber selten erreicht wird. In Fronreute schätzt Hauptamtsleiterin Margot Kolbeck den Anteil auf 15 Prozent. Die Ratsmitglieder haben nun einige Maßnahmen beschlossen, die andernorts schon Standard sind, um die Kostendeckung zu verbessern. So soll es – bis auf einige Ausnahmen – die Regel sein, dass Eltern die Krippenplätze für fünf Tage buchen. Hintergrund ist, dass die Gemeinde das Personal auch dann stellen muss, selbst wenn ein Kind die Krippe nur an vier Tagen besucht. Auch für die Ganztagesbetreuung gibt es eine Mindestzahl, denn diese müssen Eltern für zumindest drei Tage pro Woche buchen.

Zudem bezahlen die Eltern nach der Anmeldung ihres Kindes eine Kaution, die dann mit dem ersten Monatsbeitrag verrechnet wird. Damit reagiert die Gemeinde auf eine spürbare Praxis, dass manche Eltern einen zugesagten Platz dann doch nicht in Anspruch nehmen.

Höhere Elternbeiträge

Darüber hinaus erhöht auch Fronreute die monatlichen Elternbeiträge moderat. So steigt der Monatsbeitrag bei einer wöchentlichen Betreuungszeit von 30 Stunden für Kinder ab dem dritten Geburtstag von 95 auf 98 Euro – dies gilt für Familien mit zwei Kindern unter 18 Jahren. Dieselbe Familie entrichtet für einen Krippenplatz (sechs Stunden am Tag) 279 Euro statt wie bisher 272 Euro.

Die Beschlüsse haben Ratsmitglieder im Kindergartenausschuss mit den Betreuerinnen ausführlich diskutiert und vereinbart. Einig ist man sich auch darin, den Qualitätsstandard zu halten, zu dem neben dem Mittagessen-Angebot auch Sprachförderung, musikalische Früherziehung in Staig und das kostenlose Schulfruchtprogramm gehören.

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