Jazz-Sängerin Malia eröffnet das Einhaldenfestival

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Auf der Einhalden-Festivalbühne lief wieder einiges zusammen: die verschiedensten Musikstile, acht Solisten und eine Sängerin in
Auf der Einhalden-Festivalbühne lief wieder einiges zusammen: die verschiedensten Musikstile, acht Solisten und eine Sängerin in wechselnder Besetzung, eigene Kompositionen, Arrangements, Improvisationen. (Foto: Dorothee L. Schaefer)
dls und Dorothee L. Schaefer

Der erste Konzertabend beim Einhaldenfestival hat musikalisch einiges Überraschendes parat. Pünktlich zum Hauptprogramm des Einhaldenfestivals am Donnerstag kam mit der Abenddämmerung erfrischende Luft und ließ die etwas ermüdeten Lebensgeister wiedererwachen. Obwohl die Solisten des Vorprogramms „Ein bisschen Swing muss sein“ mit Thilo Wagner am Piano, Veit Hübner am Bass, dem Gitarristen Frank Wekenmann sowie dem Sänger Roland Baisch vorher ganz nett und in altmodischem Ton Swing gezaubert hatten.

Auf der Bühne in Geratsreute: Die Echo-Preis-gekrönte Soul’n’Jazz-Sängerin Malia mit dem Hip-Jazz-Trompeter Joo Kraus, dem Tales in Tones Trio und den Streichern des aus New York anreisenden Sirius Quartetts.

Kurz vor neun kam dann erst mal das Trio Tales in Tones mit Ralf Schmid am Flügel, Veit Hübner und Torsten Krill am Schlagzeug auf die Bühne, dazu Bläser-Verstärkung in Person von Joo Kraus mit Trompete und Flügelhorn, der auch die Moderation des Abends übernahm. Gleich hinterher: Auftritt des Sirius Quartet, seit zehn Jahren in New York zu Hause und von dort angereist, mit den Geigern Fung Chem Hwei aus Malaysia und Gregor Hübner, dem Bratschisten Ron Lawrence und dem Cellisten Jeremy Harman aus Boston. Von der Besetzung her Klassik, in den Köpfen über den Instrumenten eine Mischung aus klassischer Erziehung, Jazz, Crossover, aber im Grundton sehr auf den einzelnen Ton bedacht.

Quartett stellt sich mit „Lautmalerei“ vor

Mit einer „Lautmalerei“ stellt sich das Quartett vor, vorher gibt das Trio seinen Einstand und Joo Krauss erzählt auf seiner Trompete im Beatbox-Stil. Dann ein Stück des Cellisten Jeremy Harman für das Quartett, brillant gespielt, es oszilliert zwischen Steve Reich und Phil Glass, ist minalistisch und doch nicht seriell, begeisternd vital. Dieses Sirius Quartet kann überall auftreten, die Jungs, die auch nicht mehr die jüngsten sind, können alle spielen, denkt man und fragt sich gleichzeitig: warum hier?

Das 16. Einhaldenfestival eröffnet mit Malia
Zum 16. Mal findet das Einhaldenfestival nun schon statt. Bis Sonntag können sich Musikbegeisterte das oberschwäbische Kulturhighlight noch auf dem Kaseshof in Geratsreute bei Fronhofen im Landkreis Ravensburg ansehen. Wir waren beim ersten Abend mit dabei.

Dann endlich kommt Malia, der Star des Abends, 1978 geboren, die Mutter aus Malawi, der Vater Brite. Sie trägt Zylinder und dazu ein Volantkleid, etwas zwischen Sommerball und Nachtgewand, was eine Art femininen Zirkusdirektor aus ihr macht. Malias Stimme ist voll, ein wenig angeraut wie warmer Stoff, sie passt zu den Songs von Nina Simone, der sie eine CD gewidmet hat. Der nun kleineren Besetzung mit dem verlässlich aufmerksamen Ralf Schmid am Piano schmiegt sie sich wunderbar an. „Quiet baby, don’t explain, you are my joy and my pain“, singt Malia den Song von Herbie Hancock und danach einer ihrer größten Erfolge „Yellow daffodils“.

Bobbi_Fischer_Interview
Bobbi Fischer im Interview

Oh – und schon ist die Pause gekommen und inzwischen liegt die Nacht über der Szenerie. Ein paar Bänke bleiben jetzt leer, von den Ständen dringt Geplauder herüber, schließlich trifft man sich hier auch mit Freunden. Wieder macht das Quartett vom hellsten Fixstern einen fulminanten Anfang, rasend schnell, zwischen Klassik, slawischer Musik, Gipsy und Moderne schwebend. Auch „Hashtag still“ von Gregor Hübner, nach einem Song von Billie Holiday, ist wieder etwas Eigenes und kaum Vergleichbares, technisch wie musikalisch auf hohem Niveau, nicht massentauglich. Und das Publikum? So gemischt wie es ist - goutiert es dieses Wechselbad? Offenbar ja, denn Einhalden ist ein Festival für alle und für alle Generationen.

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