Darum wird aus der Schenkenwaldbrücke nichts – vorerst

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Schenkenwaldbrücke kommt vorerst nicht
Schenkenwaldbrücke kommt vorerst nicht (Foto: Christoph Stehle)
Christoph Stehle

Bei fast 1,3 Millionen Euro brutto lägen die Baukosten ohne den Abbruch der alten Brücke – so die Ausschreibung. Diesen Betrag hält Fronreute für unrealistisch und verzichtet auf einen Brückenneubau über die DB Netz AG. Die Gemeinde prüft nun aber Optionen, den Neubau selbst zu wagen – bei passender Gelegenheit.

Das einzig Positive an der Angelegenheit sei vielleicht, dass das Ergebnis der Ausschreibung so eindeutig über dem finanziell Machbaren ist, dass ein Verzicht unstrittig war. Der Gemeinderat Fronreute hat nämlich im Frühjahr festgelegt, den Brücken-Neubau im Schenkenwald nur dann in Auftrag zu geben, wenn das Ergebnis der Ausschreibung unter 860 000 Euro (mit Abbruch) liegen sollte.

Stattdessen führte die Ausschreibung nun zu einem Ergebnis von nun 1,3 Millionen brutto ohne Abbruch. Auch die Vertreter der interkommunalen Bürgerinitiative Ibis zeigten in der Gemeinderatssitzung daher Verständnis für die einmütige Entscheidung der Ratsmitglieder. Diese haben nun auf die Option verzichtet, die DB Netz AG nach dem Abbruch der Schenkenwaldbrücke mit dem Neubau für Fußgänger und Radler zu beauftragen.

Bisherige Überlegungen hinfällig

Dabei hatte es im April noch gut ausgesehen. Damals war die Bahn noch von geschätzten Kosten von 725 000 Euro ausgegangen und hatte eine Übernahme von 125 000 Euro zugesagt. Hintergrund ist, dass der Abbruch der bisherigen, für die Elektrifizierung der Südbahn zu niedrigen Brücke unabdingbar ist.

Aus Sicht der Gemeinde hätte es Sinn gemacht, wenn die DB Netz AG im Rahmen der Südbahn-Elektrifizierung dann auch gleich den Neubau mit erledigt. Denn in diesem Fall würde die Bahn auch die Planungskosten stemmen. Mit Blick auf die erwarteten Kosten für den Neubau und die anderen Investitionen der Kommune war das Projekt im Gemeinderat allerdings nie unumstritten.

Die Brücke ist allerdings auch eine unabdingbare Verbindungsachse im Naturraum Schenkenwald. Daher haben die Nachbarkommunen eine freiwillige Beteiligung von addiert 210 000 Euro zugesagt, und Privatleute haben bis jetzt fast 6000 Euro gespendet. Bürgermeister Oliver Spieß war darüber hinaus optimistisch, noch Zuschüsse erhalten zu können.

Das ist nun alles hinfällig. Damit beschränkt sich die DB Netz AG auf den Abbruch der alten Brücke, wofür nun brutto 265 000 Euro im Raum stehen - auch dieser Betrag liegt weit über den Kalkulationen. Mündlich hat die Bahn immerhin zugesagt, dass auf Fronreute dabei so gut wie keine Kosten zukommen würden.

Neuer Versuch

Optionen sieht Bürgermeister Oliver Spieß gleichwohl. So will die Gemeinde nun – auch das hat der Gemeinderat einstimmig beschlossen – ein Ingenieurbüro damit beauftragen, zunächst einmal zu prüfen, ob man eine Geh- und Radwegbrücke nicht kostengünstiger bauen könnte.

Immerhin ist denkbar, dass die Freiheiten einer eigenen Planung zu einem besseren Ergebnis führen könnten. Das beweise auch der derzeitige Bau einer Straßenbrücke der Stadt Aulendorf über die Bahngleise. Sollte die Brücke am Stück geliefert und montiert werden, wären auch die Kosten für eine Bahnsperrung für diesen Vorgang vertretbar. Realisierbar wäre das Projekt entweder noch im Rahmen der Elektrifizierung oder aber eben später.

In der Aussprache fand dieses Vorgehen Lob. Fast alle Ratsmitglieder hoben dabei unterschiedliche Seiten des Anliegens hervor. Wesentlich erscheint allen, dass man es nochmals auf einem anderen Weg ohne die Bahn versucht.

Man will dann entscheiden, ob man es bald oder erst später macht. Ganz allgemein stieß allerdings schon auf Verwunderung, dass das Ergebnis der Ausschreibung sich in solchem Maße von der Kalkulation der Bahn unterschieden hat.

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