Auch Fronreute spricht sich gegen Fracking aus

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Fronreute will kein Fracking. (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung
Christoph Stehle

Schon der Begriff „Fracking“ klingt etwas brachial. Aber nicht nur deshalb sprach sich der Gemeinderat Fronreute einmütig im Sinne der Verwaltung gegen Untersuchungen oder gar die Realisierung von Erdöl- und Gas-Förderung über Fracking-Methoden auf Gemeindegebiet aus. Allerdings ist dieses Votum nicht bindend und dient lediglich dazu, im Verbund mit den anderen Kommunen im Regionalverband Bodensee-Oberschwaben politischen Druck beim Bundestag aufzubauen, „um ein Verbot von Fracking auf gesetzlicher Grundlage zu erreichen“ (so die Sitzungsvorlage).

Der Regionalverband hat sich bereits Ende 2011 für die Landkreise Bodensee, Sigmaringen und Ravensburg gegen Fracking ausgesprochen. Zwar interessieren sich Fördergesellschaften vornehmlich aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, aber auch für Oberschwaben liegen dem Regionalverband zufolge Anträge auf Probebohrungen vor.

Rechtlicher Hintergrund ist das Bundesbergbaugesetz, das zur Unterstützung der klassischen Montanindustrie samt Bergbau entstanden ist. Gemäß diesem Gesetz bestehen für Oberschwaben (wegen früherer Förderungen beispielsweise im Raum Wilhelmsdorf) so genannte Bergbaukonzessionen. Daher dürfen interessierte Öl- und Gasförderer zumindest Untersuchungen durchführen. Vor dem Gemeinderat führte Verbandsdirektor Wilfried Franke vom Regionalverband aus, dass derzeit für Probebohrungen und auch für Abbau keine der sonst üblichen Umweltverträglichkeits-Prüfungen notwendig sind, und auch betroffene Kommunen sind in die Entscheidungsfindung nicht eingebunden.

Die Bundesregierung arbeitet derzeit neue Regeln aus und ist nicht generell gegen Fracking, will aber Auflagen. Auf wissenschaftlicher Ebene laufen derzeit Untersuchungen, die Chancen und Risiken sowie die Besorgnis in der Bevölkerung abwägen. Derzeit scheint zumindest nichts definitiv entschieden.

Rein technisch gesehen geht es beim Fracking darum, auch Öl- und Erdgas-Vorkommen in schwer zugänglichen Schichten auszubeuten. Dies wird angesichts des wachsenden Energiehungers weltweit immer wichtiger, und neue Funde befinden sich in immer anspruchsvolleren Tiefen. Entsprechend verlaufen Bohrungen inzwischen längst nicht nur senkrecht, sondern erfolgen auch in rund 2,5 Kilometern oder mehr Tiefe in die Breite. Beim eigentlichen „Hydraulic Fracturing“ – so der offizielle Fachbegriff – wird über eine Betonröhre eine Mischung aus Sand, Wasser und Chemikalien in die Tiefe gepresst, um gashaltiges Gestein aufzubrechen, damit das so herausgelöste Erdgas über den Bohrschacht aufsteigen kann. Die Methode ist seit drei Jahrzehnten vornehmlich in Nordamerika, in vielen Fällen aber auch in Deutschland zum Einsatz gekommen.

Derzeit arbeiten Regionalverband und Kommunen daran, dass für Oberschwaben die in der Wissenschaft diskutierten Ausschlusskriterien für Fracking Gültigkeit finden. Dies betrifft in erster Linie Wasserschutzgebiete, die einem aktuellen Gesetzesentwurf der Bundesregierung zufolge ausgenommen sein sollen. Nicht als Ausschlusskriterium gilt derzeit die Wasserversorgung, obschon Sorge besteht, dass das Grundwasser durch die Chemikalien beim Fracking beeinträchtigt werden kann. Immerhin versorgen der Bodenseeraum und Oberschwaben fast sechs Millionen Menschen mit Wasser.

Franke verwies darüber hinaus darauf, dass Oberschwaben als erdbebengefährdetes Gebiet gilt, und nicht zuletzt – und das ist ein Unterschied zu Nordamerika – ist Bodensee-Oberschwaben ein dicht besiedelter Raum.

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