Bauern beleuchten kritisch ihr Image

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Landfrauen-Präsidentin Juliane Vees (dritte von rechts) übergibt den Stab an die Bundes- und Landesbäuerin von Vorarlberg, Andre
Landfrauen-Präsidentin Juliane Vees (dritte von rechts) übergibt den Stab an die Bundes- und Landesbäuerin von Vorarlberg, Andrea Schwarzmann (zweite von rechts). Mit dabei sind (von links): die Gründerin des RBBBTs und Geschäftsführerin der Bäuer (Foto: Carolin Steppat)
Schwäbische Zeitung

Rund 250 Gäste aus Österreich, Liechtenstein, der Schweiz und Süddeutschland hat Landfrauen-Präsidentin Juliane Vees in Eglofs zum 12. Rhein-Bodensee-Bäuerinnen- und Bauerntag begrüßt, der dieses Jahr von den Landfrauen Württemberg-Hohenzollern ausgerichtet wurde.

Landwirtschaftliche Familien im Spannungsfeld zwischen Lebensqualität und unternehmerischem Erfolg, das war das Hauptthema des Tages, wie der Landfrauenverband mitteilt. „Wir reden unheimlich viel. Aber die Zukunft gehört denen, die bereit sind in der Gegenwart zu handeln,“ wird Rolf Brauch von der Evangelischen Landeskirche Baden zitiert, der einen Vortrag zur Lage der bäuerlichen Familien in unsicheren Zeiten hielt.

Dabei neige der Mann dazu die wichtigsten Lebensaufgaben, wie Beziehungs- und Erziehungsarbeit, an die Frau zu delegieren. Und launisch fügte der Diplomingenieur laut Pressemitteilung an: „Männer brauchen große Traktoren oft nur, um bei Familienkonflikten möglichst schnell, sicher und bequem vom Hof zu kommen.“

Landwirt unter Top drei der wichtigsten Berufe

Auch das Image des Bauern durchleuchtete er kritisch. Seit mehr als 50 Jahren befinde sich in Umfragen der Beruf des Landwirts unter den Top drei der wichtigsten Berufe. Doch stelle er in den Dörfern selber eine gewisse „Agrar-Schizophrenie“ fest: Landwirtschaft ja, aber bitte nicht vor der eigenen Nase. Und obwohl es sicherlich gute Gründe gegeben habe, die Bauernhöfe dereinst auszusiedeln vor die Dörfer, so habe man die Bauern damit auch aus den Herzen und Köpfen der Bürger ausgesiedelt.

Ein weiterer Punkt, der verunsichere: Auch medial hat sich die Landwirtschaft verstärkt mit Kritik auseinanderzusetzen. Dazu komme die wachsende Verunsicherung durch die Agrarpolitik und die zunehmende Volatilität in allen Bereichen. Ein weiterer wunder Punkt sei das Thema Hofübergabe. Dazu gehöre Respekt, Gerechtigkeit und das Loslassen. Man müsse die Söhne und Töchter ihre eigenen Erfahrungen machen lassen, auch jenseits des Hofes: „Jede Generation geht ihren eigenen Weg durchs Leben und darf auch ungehorsam sein“, wird Brauch in der Pressemitteilung zitiert.

Neben Ministerialdirektorin Grit Puchan, Bürgermeister Roland Sauter und Landrat Harald Sievers, sprach auch Benno Wichert, Vizepräsident des Landesbauernverbandes. Er gab den Bauern laut Pressemitteilung einen Rat zum Thema Öffentlichkeitsarbeit mit. Wichert: „Die Medienwelt hat sich verändert, es geht vermehrt um Geschichten. Die Landwirtschaft hat diese Geschichten. Erzählen wir sie.“

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