Zwei Unternehmen machen die Luft keimfrei

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Stolz auf ihr Produkt (von rechts): Wolfgang Brugger von der Firma ppm aus Waldburg, Hans Peter Blum und Johannes Hecht von Hech (Foto: Meike Stolp)
Schwäbische Zeitung
Meike Stolp

Das Produkt heißt Asip und ist auf den ersten Blick etwas unscheinbar. Es sieht aus wie ein Medikamentenwagen mit Duschkopf. Aber, was so unscheinbar aussieht, ist ein innovatives Luftkeim-Messsystem für Reinräume. Und dafür haben die beiden Unternehmen, „Pharmaprojektmanagement und Monitoringsysteme“ (PPM) aus Waldburg und „Hecht Automatisierungssysteme“ aus Bodnegg, den zweiten Innovationspreis der Volksbanken Raiffeisenbanken erhalten. Zum ersten Mal ging der Preis an kooperierende Firmen.

Ein Reinraum ist ein Raum, in dem die Konzentration luftgetragener Teilchen so gering wie nötig gehalten wird. Reinräume werden zum Beispiel in der Optik- und Lasertechnologie, der Luft- und Raumfahrttechnik, den Biowissenschaften und der medizinischen Forschung und Behandlung, der Forschung und keimfreien Produktion von Lebensmitteln und Arzneimitteln und in der Nanotechnologie eingesetzt. Gerade beim Umgang mit Pharmazeutika muss gesichert erwiesen sein, dass die Räume keimfrei sind. „Die bisherigen Messgeräte“, sagt Wolfgang Brugger von der Firma PPM, „haben selber eine Verschmutzung in den Raum gebracht.“ Grund dafür sei auch, dass diese Geräte mit Werkzeugen wie vor 20 Jahren gebaut würden. Das missfiel auch den Pharmaherstellern, zu denen Brugger beruflich Kontakt hatte. „Manche Kunden haben sich sogar selbst was zusammengebastelt.“ Also reifte eine Idee.

Und diese Idee sollte nicht alleine verwirklicht werden, sondern zusammen mit der Firma Hecht aus Bodnegg-Rotheidlen. Die Firma PPM arbeitet auf dem Gebiet Messtechnik im Pharmabereich. 2008 wurde sie gegründet. Im selben Jahr fand PPM einen Partner für die Entwicklung und die Herstellung des Asip-Luftkeim-Messsystems. Und das war Hecht Automatisierungssysteme aus Bodnegg. Das Unternehmen ist spezialisiert auf komplette Automatisierungssysteme für verschiedenste Branchen und Produktionsanlagen.

Getroffen haben sich die Firmenchefs Brugger, Johannes Hecht und Hans Peter Blum auf neutralem Grund: in Vogt. Ende 2010 konnten die ersten Luftreinigungsgeräte ausgeliefert werden. Dazu haben die Unternehmen Investitionskosten im unteren sechsstelligen Bereich in die Hand genommen. Das Luftkeim-Messsystem funktioniert ein bisschen wie ein Staubsauger, nur viel leiser. Es saugt Luft durch eine Membran an. Mögliche Luftkeime werden auf dem Gelatine-Membranfilter abgesondert. Nach der Messung wird die Schale mit dem Membranfilter auf eine Nährmedienschale gebracht und dann bebrütet. So kann man schließlich erkennen, welche Keime sich in der Luft tummeln. 50 Prozent des Materials sind übrigens Edelstahl.

Im Jahr 2012 haben die Firmen an Asip etwa 600 000 Euro Umsatz gemacht. Der Blick geht nach vorne. „Die nächste Schwelle ist, das Produkt marketingtechnisch auf einen größeren Markt zu bringen“, sagt Hans Peter Blum, Geschäftsführer der Firma Hecht. Johannes Hecht ergänzt: „Das Produkt soll zukünftig unser viertes Standbein werden.“

Die Vereinigung der Volks- und Raiffeisenbanken im Bezirk Ravensburg-Bodensee -Sigmaringen haben im Mai zum vierten Mal fünf ideenreiche und erfolgreiche Firmen der Region prämiert. Die Firma Hecht Automatisierungssysteme und PPM Pharmaprojektmanagement und Monitosysteme haben den mit 4000 Euro dotierten zweiten Platz bekommen.

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