Relikt aus früheren Zeiten: In Bodnegg gibt es noch eine Mangelstube

Lesedauer: 5 Min
 Sabine Rist ist zwei Mal im Monat im Einsatz an der großen Mangel in der öffentlichen Mangelstube in der Gemeinde Bodnegg.
Sabine Rist ist zwei Mal im Monat im Einsatz an der großen Mangel in der öffentlichen Mangelstube in der Gemeinde Bodnegg. (Foto: Bettina Musch)
Bettina Musch

Zweimal im Monat öffnet die gemeindeeigene Mangelstube in Bodnegg und jeder kann dort seine großen Wäschestücke glatt bügeln lassen. Seit 2005 ist Sabine Rist hier mit der Mangel im Einsatz und kümmert sich auch um die gemeindeeigene Tischwäsche.

Sie ist nicht ganz einfach zu finden. Wenn man die Mangelstube der Gemeinde sucht, muss man entweder ortskundig sein oder sich durchfragen. Im Untergeschoss der Festhalle eingerichtet betritt man sie durch einen Hintereingang, der etwas versteckt liegt. Hier arbeitet schon seit 14 Jahren Sabine Rist an der großen Heißmangel.

Zweimal im Monat für zwei Stunden

Zweimal im Monat öffnet sie vormittags für zwei Stunden. Eigentlich ein Relikt aus früheren Zeiten, wo es in den Gemeinden noch gemeinsame Kühl- und Waschanlagen gab, ist die Mangelmöglichkeit bis heute erhalten geblieben. In Bodnegg gibt es sie nachweislich seit den Anfängen des Bildungszentrums vor 50 Jahren, genauer gesagt des Tagesheims, in dem immer Tischwäsche anfällt.

Auch heute noch kommt diese Wäsche hierher, genauso wie die Tischdecken und Handtücher, die bei Gemeindeveranstaltungen in der Festhalle oder im Dorfgemeinschaftshaus gebraucht werden. Dazu stehen auch zwei große Waschmaschinen und ein Trockner hier, mit denen man Decken und Vorhänge waschen und trocknen kann.

Wer braucht eine Mangelstubde?

Ist denn in der heutigen Zeit, wo in jedem Haushalt modernste, schon computergesteuerte Haushaltsmaschinen im Einsatz sind, überhaupt noch Bedarf an einer öffentlichen Mangelstube?

„Es kommen jedes Mal in den zwei Stunden etwa vier Personen, die ihre gesammelte Bett- und Tischwäsche bringen“, bejaht Sabine Rist die Frage. Nicht nur ältere, auch etliche junge Leute haben daran Bedarf. Und nicht nur Bodnegger, sondern auch Kunden, beispielsweise aus Grünkraut oder Amtzell, kommen hierher.

Wichtig dabei ist, dass die Wäsche feucht kommt, sonst wird sie nicht glatt.

Sabine Rist

Gemangelt wird sofort nach Anlieferung, so dass jeder seine glatt gebügelte Wäsche wieder mitnehmen kann. Auch bezahlt wird sofort – je nach Zeitaufwand. „Wichtig dabei ist, dass die Wäsche feucht kommt, sonst wird sie nicht glatt“, erklärt Sabine Rist. Die große Mangel, eine Cordes 965, mit einer Walze über zwei Meter breit, ist ein beeindruckendes Stück Technik.

Im Prinzip funktioniert sie wie ein Bügeleisen, auch mit den Einstellmöglichkeiten von Seide bis Leinen. Nach zehn Minuten ist sie auf Temperatur und läuft ununterbrochen während den Öffnungszeiten.

Und das praktisch schon jahrzehntelang ohne nennenswerte Reparaturen. Besonders große und breite Wäschestücke, mit denen man mit dem Bügeleisen kämpfen müsste, werden hier problemlos glatt.

Meist wird zusammen gemangelt

Sabine Rist ist bei der Gemeinde Bodnegg angestellt und wird von ihr bezahlt. Aus der Kämmerei ist zu erfahren, dass den jährlichen Einnahmen von etwa 700 Euro Ausgaben von etwa 1700 Euro für den Unterhalt mit Strom und Personal gegenüberstehen.

Dabei ist allerdings nicht berücksichtigt, was die Kommune dadurch spart, dass sie die gemeindeeigene Wäschepflege nicht extern vergeben muss.

Sabine Rist arbeitet gerne hier und mag den Kontakt zu den Wäscheanlieferern. Meist wird dann zusammen gemangelt, denn es einfacher, die großen Stücke gemeinsam zu bearbeiten. Wenn die Mangel nicht endgültig ihren Geist aufgibt und die Gemeinde sich dann überlegt, ob es einen Nachfolger geben soll, wird das wohl noch etliche Jahre so weitergehen.

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen