Inklusion wird Thema am Bildungszentrum Bodnegg

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 Das Bildungszentrum in Bodnegg mit Grund-, Werkrealschule und Realschule wird jetzt in Klasse fünf seiner Realschule auch vier
Das Bildungszentrum in Bodnegg mit Grund-, Werkrealschule und Realschule wird jetzt in Klasse fünf seiner Realschule auch vier geistig behinderte Schüler aufnehmen, die inklusiv beschult werden. (Foto: Bettina Musch)
Bettina Musch

Zum kommenden Schuljahr werden in Klasse fünf der Realschule am Bildungszentrum in Bodnegg (BZB) vier Schüler aufgenommen, die eine geistige Behinderung haben. Sowohl die räumlichen Anforderungen als auch die nötige personelle Betreuung werden dafür geschaffen. Vorab wurden die Gemeinde als Schulträger und die Eltern der neuen Fünftklässler in das Vorhaben einbezogen. Die Resonanz war durchweg positiv.

Ende Januar hat das Staatliche Schulamt in Markdorf beim Bildungszentrum in Bodnegg angefragt und darum gebeten, vier Schüler der Martinusschule Ravensburg, einer Schule für geistig Behinderte unter der Trägerschaft des Landkreises, inklusiv zu beschulen. Diese Kinder wurden bisher in der Grundschule von St. Konrad inklusiv beschult. Da aber dort aus räumlichen Gründen keine Übernahme in die Sekundarstufe möglich ist, kam die Bitte zur Aufnahme an das Bildungszentrum. Hier war die Bereitschaft sowohl bei der Schulleitung als auch bei der Lehrerschaft sofort vorhanden. Zwölf Lehrer haben sich spontan dazu bereit erklärt, in einer inklusiven Klasse zu unterrichten. Acht Lehrkräfte haben inzwischen in St. Konrad hospitiert und die Kinder im Unterricht kennengelernt. Relativ einfach lassen sich die räumlichen Voraussetzungen am BZB schaffen. Direkt angrenzend an ein geräumiges Klassenzimmer mit einer Verbindungstüre befindet sich ein Differenzierungsraum. Das bedeutet, dass wenn sich die vier Martinusschüler nicht mehr sinnvoll im Regelunterricht der Realschule einbinden lassen, können sie mit ihrer eigenen Lehrkraft in den Nebenraum gehen und werden dort gesondert gefördert.

Mit jedem behinderten Kind kommen acht Stunden sonderpädagogische Unterstützung, also insgesamt 32 Stunden an die Schule. Damit ist eine ständige Doppelbesetzung gewährleistet, was heißt, dass den insgesamt 23 Schülerinnen und Schülern ständig zwei Lehrkräfte zur Verfügung stehen. Darüber hinaus hilft eine Integrationskraft bei Toilettengängen, beim Essen und bei außerunterrichtlichen Veranstaltungen. „Das Ziel des Realschulabschlusses ist für die Schüler des BZB damit in keiner Weise gefährdet, die Kinder mit geistiger Behinderung werden dies voraussichtlich nicht erreichen, können jedoch gezielt gefördert werden und erleben den sozialen Rahmen einer „ganz normalen“ Regelschule“, so der Rektor des BZB Alexander Matt. Um alle Eltern der betroffenen fünften Klasse frühzeitig zu informieren, fand inzwischen ein Elternabend statt. „Wir konnten alle konkreten Fragen der Eltern beantworten und erklären, dass das Ziel der Abschlussprüfung keinerlei Gefährdung hat“, meinte Matt.

Der Elternabend habe in sehr angenehmer Atmosphäre stattgefunden. Auch die Eltern der behinderten Kinder seien anwesend gewesen und haben über die Stärken und Eigenarten ihres Nachwuchses berichtet. „Es war ein schönes Miteinander“, so Matt. Der Schulleiter ist zuversichtlich. „Wir sehen es als Herausforderung, aber wir würden diese nicht annehmen, wenn ich nicht optimistisch wäre, dass die Lehrer das gut meistern werden“, erklärt er. Er möchte für die vier behinderten Schüler die richtige Balance finden. „So viel wie möglich Unterricht in den Klassen und so viel wie nötig separat im Beschulungsraum“, meint er.

Auch die kommunale Gemeinde Bodnegg wurde informiert. Alexander Matt hatte den Räten schon vor der Sitzung ausführliche Informationen zukommen lassen und war in der jüngsten Gemeinderatssitzung zu Gast. Auch hier bekam er durchweg positive Rückmeldungen und Anerkennung.

Die vier Kinder bleiben organisatorisch Schüler der Martinusschule. Die Martinusschule beziehungsweise der Landkreis trägt die Verantwortung für die Sonderpädagogen, deren Vertretung, den Transport der Schüler, die Suche, Einstellung und Finanzierung der Integrationskraft. Der Landkreis übernimmt auch die Kosten für die Einrichtung des Differenzierungsraumes. Die Sachkostenbeiträge werden zwischen Landkreis und Gemeinde aufgeteilt.

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