Haus und Garten geben der Kunst einen Rahmen

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Hans-Joachim Maibach erklärt, wo der Skulpturenweg im Innenhof beginnen wird, der in den weitläufigen Garten übergeht. (Foto: Bettina Musch)
Schwäbische Zeitung
Bettina Musch

Der Garten sucht seinesgleichen. Öffnet man das große Gartentor, bietet sich ein atemberaubender Blick auf ein weitläufiges, sanft abfallendes Gelände, das sowohl großzügig, als auch mit viel Liebe zum Detail gestaltet ist. Die Kombination von Naturbelassenheit und gartengestalterischem Können ist hier in Vollendung gelungen. Am äußeren Rand von Bodnegg gelegen, dort, wo einmal der Wald angrenzte, wohnen

Dr. Hans-Joachim Maibach und seine Frau Herta Luise. Betritt man ihr Haus, ist man sofort von Kunst umgeben. Aus jeder Perspektive, aus jedem Blickwinkel sind an den Wänden großformatige Gemälde zu sehen. Werke, die Hans-Joachim Maibach in vielen Jahrzehnten gemalt und sich damit einen Namen geschaffen hat. Dabei ist Maibach nicht in erster Linie Künstler. Sein Name hat einen gewichtigen Klang in der Welt der Justiz. 1928 in Oberschlesien geboren und aufgewachsen, hat er nach dem Zweiten Weltkrieg mit Vertreibung und Kriegsgefangenschaft den Weg 1946 nach Württemberg gefunden. Half er zu Beginn dem älteren hochgeschätzten Bruder beim Aufbau dessen Unternehmens, begann er 1950 mit dem Studium der Rechtswissenschaft seine juristische Laufbahn. Kunstwissenschaftliche Studien und Malkurse begleiteten seine Ausbildung. Nach den Staatsprüfungen und seiner Promotion erfolgte eine steile juristische Karriere, die ihn nicht nur zum Leiter der für Württemberg zuständigen Zentralstelle für Wirtschaftsstrafverfahren in Stuttgart brachte sondern ihn danach in eine leitende Position im Justizministerium von Baden-Württemberg führte. Auch die Familienplanung kam nicht zu kurz. Der Heirat mit Herta Luise im Jahr 1955 folgten zwei Söhne in den Jahren 1957 und 1961. 1975 schließlich wurde er als leitender Oberstaatsanwalt nach Ravensburg verpflichtet und zeitgleich baute er sein erstes Haus in Bodnegg, in dem ein Jahr später auch ein Atelier seinen Platz fand. Trotz der anstrengenden juristischen Arbeit – oder vielleicht auch gerade deshalb – begleitete ihn die Kunst durch alle schwierigen Jahre. „Ich habe oft nächtelang durchgearbeitet“, sagt Maibach und: „Kunst ist etwas, wenn sie echt ist. Sie muss ganz aus der Mitte kommen und einen wegtragen. Sie plagt, quält und macht glücklich“, erläutert er seine Leidenschaft. Häufig habe er in der Nacht beim Arbeiten das Bedürfnis nach Kommunikation und Gedankenaustausch gehabt. Immer hat er damit Verständnis bei seiner Frau gefunden, wenn er sie tiefnachts weckte. „Meine Frau hat an allen Dingen ihren Anteil“, sagt er heute und seine Frau antwortet auf die Frage, warum sie denn nie unmutig ob der vielen nächtlichen Störungen gewesen sei: „weil ich daran großes Interesse habe“. Seit Ende 1990 ist Hans-Joachim Maibach im Ruhestand, Anfang 1991 noch ausgezeichnet mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse. Viele Jahre sind seither vergangen, müde ist der Ruheständler allerdings keineswegs. Beachtlich, wie der

84-jährige zwei Treppenstufen auf einmal nimmt, wenn er begeistert über sein neuestes Projekt berichtet. Im Jahr 1984 wurde in einem zweiten gebauten Haus in der unmittelbaren Nachbarschaft eine Galerie eingerichtet, in der seit 1985 Ausstellungen gezeigt werden. Viele Vernissagen haben hier schon stattgefunden, auch junge Künstler fanden hier ein Forum zur Präsentation ihrer Werke. Durch die großzügige Bauweise beider Häuser ist im Zwischenbereich ein Innenhof entstanden, den Maibach ebenfalls selbst geschaffen und gestaltet hat. In diesem Innenhof wird in der nächsten Woche eine Künstlergruppe ihre Skulpturen zeigen. Keinen passenderen Ort hätte sie sich dazu aussuchen können, bilden doch Innenhof und der sich anschließende Garten einen wunderbaren Rahmen. Die gastfreundlichen Maibachs freuen sich auf viele Gäste. Humorvoll erläutert Maibach, dass bei der Vernissage weder Begrüßungen, Ansprachen noch sonstige Formalien vorgesehen seien. Die habe er zur Genüge gehabt. Dafür stehen der Austausch und die Kommunikation mit den Künstlern im Vordergrund. In dieser Umgebung von Garten und Haus dürften das sehr angeregte Gespräche werden.

Die öffentliche Ausstellung von Skulpturen in der Galerie Dr. Maibach in Bodnegg, Lerchenweg 20/22 wird am Samstag, 8. September 2012 um 16 Uhr eröffnet. Um den Rötenbacher Bildhauer und Künstler Herbert Leichtle hat sich eine Künstlergruppe gebildet: Günther J. Wiedemann, Angelika Schneider, Alfred Mevissen, Maren Dietrich, Luitgard Wiggenhauser, Hermann Dippon, Maria Rebstein und Herbert Leichtle präsentieren ihre Werke. Öffnungszeiten: So.9.9./Mi.12.9./Sa.15.9./So.16.9. Jeweils von 11 bis 16 Uhr, danach telefonische Anmeldung unter 07520/2522. Mehr Infos unter www.landhaus-dr-maibach.de.

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