Wenn Pinguinwetter warm um`s Herz macht

Lesedauer: 5 Min
Alexander Motz und Melanie Haug in Aktion. Manuel Dobner (Foto: Manuel Dobner)
Schwäbische Zeitung
Carla Hummler

Lust auf Theater ? Drehen wir doch gemeinsam die Zeit zurück und es ist Freitagabend, Frühling! In Bergatreute aber herrscht „Pinguinwetter“, so nämlich heißt die Komödie, die der Theaterverein Bergatreute auf die Bühne bringt. Während die Zuschauer ihre Plätze einnehmen, gehen wir ein Stockwerk tiefer. Unser Ziel ist die „Künstlergarderobe“ und genau jetzt ist der Zeitpunkt, an dem es schade ist, dass man an dieser Stelle nur lesen und nicht auch hören, riechen und fühlen kann. Zum Hören: Elf Schauspieler, davon neun Frauen. Alle aufgeregt! Dieses akustische Feuerwerk findet in einem Nebel von Haarspray und tausenden Puderpartikeln statt, getragen von einer Duftwolke aus Parfüm, Deo und … Angst. Damit sind wir beim Fühlen angelangt. Premiere! Monatelang geprobt und jetzt – fehlt die passende Strumpfhose, der Text sowieso, die Hände zittern im Wettstreit mit den Knien und genauso muss es sein! Was wäre Theater ohne Lampenfieber?

Die Hauptrolle hat Melanie Haug, die unglaublich viel Text hat und dabei so leicht und locker spielt, dass es eine Freude ist. Mal schreit sie „ätnamäßig“, dann wieder ist sie, nur in eine Decke gehüllt, Verlockung pur. Immer wieder spricht sie direkt ins Publikum und baut so eine ganz besondere Nähe auf. Jeder Moment ist ausgefüllt, jede Bewegung harmonisch. Sie ist Charlotte, arbeitslos, unschwanger und deprimiert. Am Tiefpunkt angelangt, begegnet sie Traummann Eric, gespielt von Martin Schulz. Tja, was soll man sagen, so einen feinen Kerl kann nur einer spielen, der das auch ist. Charlotte braucht zwar zwei Akte, bis sie das erkennt, aber ganz leise, unaufgeregt und herzlich spielt er sich in ihr Herz und das der Zuschauer.

Kontrastprogramm dazu ist Marc, Charlottes Gelegenheitslover. Viele Muckis, wenig Haare, wenig Worte. Wenn er nur in Boxershorts, mit gut trainiertem Körper seine Machosprüche loslässt, man das empfindsame Herz dahinter aber deutlich heraushört, ja dann hat Alexander Motz diesem Marc seinen ganz eigenen Charme aufgedrückt.

Durch alle Höhen und Tiefen begleiten Charlotte ihre zwei besten Freundinnen. Mona, immer an ihrer Seite, rückt ihr, wenn`s denn sein muss, auch den Kopf zurecht und wird von Jessika Riether ganz famos und sympathisch gespielt. Und dann gibt es auch noch Trine. Maleika Rieth spielt sie so drollig und liebenswert, dass es Vergnügen macht. Ein Oskar für die besten Nebenrollen geht an Rosi Arnold, die Mutter von Charlotte, Petra Huber, die Dame vom Amt für Arbeit, Carola Merk, eine Kollegin, Milena Zink, das Fräulein vom Flughafen und Susanne Kunze, Kassiererin an der Zookasse, weil auch kleine Rollen wichtig sind und weil auch darin ganz viel Herzblut steckt.

Eine kleine Kostbarkeit ist der Auftritt von Sarah Nadine, gespielt von Rebekka Riether. Schleierschwingend tänzelt die Leichtfüßige zu Sambaklängen über die Bühne und verzaubert die Zuschauer.

Für ein gutes Theater gibt es kein Rezept, aber mit den richtigen Zutaten und einem guten Koch kann es gelingen. Der Sternekoch ist in diesem Fall Karl-Heinz Hausch, der es als Regisseur geschafft hat, aus dem Stück und jedem Spieler das Beste herauszuholen. So geht Theater!

Weitere Aufführungen sind jeweils Freitag und Samstag 28. und 29. März, 4. und 5. April und 11. und 12. April im Pfarrgemeindesaal Bergatreute jeweils um 20 Uhr.

Kartenreservierung ist erforderlich unter Telefon 07524 / 91 44 22 von 17 bis 20 Uhr und unter www.theaterverein-bergatreute.de.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen