Kaum Bewerbungen auf eine Hauptamtsleiterstelle

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Es gibt immer weniger Bewerbungen auf Verwaltungsstellen.
Es gibt immer weniger Bewerbungen auf Verwaltungsstellen. (Foto: Sophie Mono/dpa)

Zunehmend haben es Kommunen schwer, ihre offenen Stellen in ihren Verwaltungen zu besetzen. Jüngstes Beispiel ist die Gemeinde Bergatreute, die kaum Bewerber für ihre offene Hauptamtsleiterstelle hat. Gerade einmal zehn Bewerbungen hat es auf eine attraktive Stelle gegeben, die schon von vielen als Sprungbrett zum Bürgermeister oder anderen Stellen gedient hat. Der Bürgermeister sieht ein Problem darin, dass zu wenig Fachpersonal ausgebildet worden ist.

Seit Januar hat Bergatreute schon keinen Hauptamtsleiter mehr. Die Arbeit wird vom Bürgermeister und den Kollegen aufgefangen. Die bisherige Hauptamtsleiterin war nur rund ein Jahr da. Der Vorgänger war zehn Jahre auf der Stelle. Bergatreutes Bürgermeister Helmfried Schäfer hat also schon ein paar Bewerbungsverfahren für diese Stelle mitgemacht. Und er hat festgestellt: Das Bewerberverhalten hat sich über die Jahre grundsätzlich geändert. „Früher hat es deutlich mehr Bewerbungen auf die Stelle gegeben. Heute ist das ganz anders“, sagt Schäfer.

„Wir haben einfach zu wenig ausgebildet. Das ist meine persönliche Meinung“, sagt er und glaubt, dass es die Verwaltungen in der Zukunft noch deutlich zu spüren bekommen, wenn die geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand gehen werden. Es gebe nämlich zu wenige Qualifizierte für solche Aufgaben.

Das Interesse am öffentlichen Dienst hat insgesamt abgenommen. Das sieht man nicht zuletzt auch an der Bewerberlage für Bürgermeisterämter, deren Amtsinhaber nicht mehr angetreten sind. Für attraktive Gemeinden in Oberschwaben gibt es wenige Interessenten. Zum Beispiel Baienfurt im Jahr 2013. Mit Günter A. Binder hat es neben dem Bewerber von der Nein-Idee gerade einmal einen einzigen ernsthaften Bewerber gegeben. Ein Schritt weiter: Um die Stelle des Ravensburger Landrats hat es mit Harald Sievers und Martin Bendel gerade einmal zwei Bewerber geben. Der Landkreis Ravensburg ist flächenmäßig der zweitgrößte von Baden-Württemberg.

Dabei ist eine Hauptamtsleiterstelle eine attraktive Stelle. Wer eine solche Stelle hat, hat für die Zukunft ausgesorgt, weil er in der Regel eine feste Stelle hat, im öffentlichen Dienst arbeitet und jemand auf dieser Stelle das Hauptamt als Karriereleiter nutzen kann. Aber Helmfried Schäfer sieht einen zweiten Grund für die geringe Zahl der Bewerbungen: das Gehalt. Bei Vollbeschäftigung, wie es sie in Oberschwaben gibt, gehen die jungen Leute lieber in die freie Wirtschaft.

Für die Hauptamtsstelle in Bergatreute ist die Besoldungsstufe A12 angelegt. Das heißt, das Gehalt beginnt bei rund 2800 Euro netto. „In der freien Wirtschaft gibt es deutlich mehr. Wer eine Stelle in der freien Wirtschaft bekommt, geht dorthin. Ich kann keine Gehälter aushandeln“, sagt Schäfer. Die Vollbeschäftigung merke die Gemeinde zudem bei der Ausschreibung von Gewerken, berichtet der Bürgermeister. „Sie bekommen kaum Angebote von den Handwerkern“, sagt er.

Jetzt werde man die zehn Bewerbungen für das Hauptamt sichten und bewerten. Dann wird sich entscheiden, ob die Hauptamtsstelle nochmals ausgeschrieben werden muss oder ein passender Interessent dabei ist.

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