Trachtenkapelle gestaltet Gottesdienst

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 Gemeinsam mit der Heilig-Blut-Reliquie bekam das Kloster Weingarten auch den Ort und die Kirche Berg geschenkt. Anlässlich des
Gemeinsam mit der Heilig-Blut-Reliquie bekam das Kloster Weingarten auch den Ort und die Kirche Berg geschenkt. Anlässlich des Jubiläums „925 Jahre Heilig-Blut-Verehrung“ gestaltet die Trachtenkapelle Berg den ersten Blutreitergottesdienst mit Blasmusik. (Foto: Elke Obser)
Schwäbische Zeitung
Adelinde Schwegler

Mit der Blutreitermesse am frühen Morgen beginnen traditionell die Feierlichkeiten zum Weingartener Blutfreitag. Begleitet wird dieser Gottesdienst heuer zum ersten Mal mit Blasmusik – und dies von der Trachtenkapelle Berg. Eine Neuerung anlässlich des Jubiläums „925 Jahre Heilig-Blut-Verehrung“ in Weingarten, die auch die Zusammengehörigkeit von Musik und Reiter betonen soll. So wie sie seit Jahren zum Blutritt Gläubige wie Pferdefreunde oder auch nur Schaulustige anzieht.

Dass die Musikkapelle Berg „die Ehre hat“, die erste Blutreitermesse dieser Art zu gestalten, so Dirigent Markus Frankenhauser, ist kein Zufall. Denn laut der Stifterurkunde schenkten im Jahr 1094 Judith von Flandern und Welf IV dem Kloster Weingarten nicht nur die Heilig-Blut-Relique, sondern auch den Ort und die Kirche Berg. Damit, so schreibt Basilika-Pfarrer, Dekan Ekkehard Schmid, an Frankenhauser, hätte „dieses 925-Jahr-Jubiläum gerade für die Berger eine sinnvollen und naheliegenden Bezug“.

Die Musikanten sehen dies wohl genauso. Jedenfalls braucht Frankenhauser bei seiner Kapelle keine Überzeugungsarbeit leisten, als die Einladung zur Gottesdienstgestaltung auf dem Tisch ist. „Bei der Abstimmung gingen alle Finger hoch“, was ihn erfreut und auch überrascht habe. Trotz Antritt um 4.45 Uhr und Gottesdienstbeginn um 5 Uhr.

Das ist schon verdammt früh. „Im Moment hab ich das nicht gecheckt“, gibt Jürgen Wiedemann zu; aber sich die Chance in der Basilika einmal spielen zu dürfen, hätte er sich nie und nimmer entgehen lassen wollen.

Und so mag es auch seinen Musikerkollegen und -kolleginnen gegangen sein, obwohl einige durch Ausbildung, Beruf oder Familiensituation auswärts wohnen und teils weitere Anfahrtswege haben, freue man sich richtig, sagt Vorsitzender Reinhold Köberle. Blutfreitag sei neben dem Bergfest der Termin, den jeder Musikant im Kalender habe. „Für uns ist es jedenfalls eine Ehre“, so Köberle, „und ein Ereignis auf das wir nicht unvorbereitet zugehen“. Dazu hat neben dem Musikaischen auch ein Blick ins Berger Heimatbuch mit seiner Kirchengeschichte auch eine Basilika-Führung mit Dekan Ekkehard Schmid gehört. Eine Musikprobe in der Basilika gab es nicht, „aber bei der Führung sind wir schon auf dem Platz gestanden, wo wir am Freitag spielen werden – vorne links, direkt über der Welfengruft“, sagt der Vorsitzende.

Jugendtraum geht in Erfüllung

Wer am Freitag früh einen großen konzertanten Auftritt erwartet, wird fehl am Platz sein. „Wir sind die Begleitung“, sagt der Berger Dirigent, im Mittelpunkt stehe der Gottesdienst. Das Liedprogramm sei mit Dekan Schmid abgestimmt und beinhalte Lieder aus dem Gotteslob, welche die Leute kennen wie „Wir weihn der Erde Gaben“ oder „Gottheit tief verborgen, eingebettet in Instrumentalstücke zu Beginn und Ende des Gottesdienstes. Eins davon ist der „Choral figuré“. Er sei kein besonderes Stück, fast jede Kapelle habe ihn im Repertoire, aber zeit seines rund 30-jährigen Musikantenlebens sei es sein Traum diesen Choral einmal in der Basilika spielen zu dürfen, verriet Markus Frankenhauser. „Wir begehen dem Auftritt mit großem Respekt“: die Akustik ist fremd und man habe noch nie einen Gottesdienst vor so großem Publikum in einer so riesigen Kirche begleitet.

Wenn am Freitag um 5 Uhr früh die Glocken zu Blutreitergottesdienst rufen, wird man unter den vielen Gläubigen kaum einen Blutreiter ausmachen. Das war früher anders, sagt Alois Sauter, Gruppenführer der Berger Blutreiter. Damals seien die Reiter noch am Vortag des Blutritts nach Weingarten gekommen und hätten unter anderem in der Franzosenkaserne und der Brauer ein Köpf eingestellt. So waren sie vor Ort, wenn die Blutreitermesse begann und konnten danach noch ihre Pferde satteln. Heute reisen die meisten erst am Blutfreitag mit Ross, Reiter und Pferdeanhänger an. Den Namen, so Sauter, habe die Messe nicht wegen der Reiter, sondern wegen des Zelebranten, „dem Blutreiter“ bekommen. Das ist der Priester, der später die Reliquie durch die Stadt und die Fluren tragen und die Menschen am Weg segnen wird. Übermorgen ist das Dekan Ekkehard Schmid.

Ritt zum Blutritt

In Berg als Nachbargemeinde bleibt abgesehen für vom Früheinsatz in der Basilika, alles wie gehabt: Die Reiter treffen sich eine Stunde vor Beginn des Blutritts, also um 6 Uhr, in Berg-Kasernen und reiten zusammen nach Weingarten zum Aufstellungsplatz. Dort nehmen sie dann Fahne und Standarten –auch das hat Tradition – in Empfang, welche ihnen Musikanten (seit Jahren die Familie Kreuzer) mitbringen und damit den Anritt erleichtern. Und nach der Prozession dasselbe retour. Sauter denkt, dass sich seine Gruppe (Nummer 84) etwa Viertel vor 9 Uhr auf den Prozessionsweg macht; in der Wartezeit kommt man nicht nur ns Gespräch über Gott und die Welt, Musikanten halten schon mal ein Pferd oder helfen beim Auf- und absteigen. Blutfreitag ohne das Zusammenspiel von Reiter und Musik kann und mag sich Gruppenführer Sauter nicht vorstellen. Und er freut sich darauf, dass dies im auch im Jubiläumsjahr nicht anders sein, die Kapelle wieder in voller Stärke anrücken und die Reiter nicht nur auf dem Weg durch die Stadt sondern auch am Abend begleiten wird, wenn eine kleinere Besetzung der Trachtenkapelle wieder die Messe für verstorbene Blutreiter mitgestaltet.

Dies ist in Berg Tradition. Und Brauch ist auch, dass sich die Reiter nach dem Abendgottesdienst zur Einkehr treffen und die Musikanten sich am Mittag nach der Prozession zum Vereinshock im Probelokal zusammenfinden. Beide gemäß oberschwäbisch-barocken Brauch, dass Beten und Festen beide ihren Platz im Leben brauchen.

Vom Novum zur Tradition

Blasmusik im Blutreitergottesdienst jedoch ist ein Novum. „Damit möchten Kirche und Vereine die enge Verbindung zwischen Reiter und Musik herstellen“, sagt Dirigent Markus Frankenhauser. Berg ist jetzt der Anfang: Als Bezirks- und Kreisverbandsdirigent findet es Frankenhauser schön, dass die Initiative von Dekan Schmid ausging und er sein Angebot allen Musikkapellen im Kreisverband auch für die künftigen Jahre gemacht hat, damit der Gottesdienst mit Blasmusik fester Blutfreitagsbestandteil werden kann.

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