Christliche Bezüge verschwinden

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 Die Gesellschaft wandelt sich und mit ihr die Bestattungskultur.
Die Gesellschaft wandelt sich und mit ihr die Bestattungskultur. (Foto: Archiv: dpa)
Schwäbische Zeitung
Sybille Glatz

Wie haben sich Bestattungen und Trauerfeiern in den letzten Jahrzehnten gewandelt? Und wie steht die katholische Kirche dazu? Diesen Fragen ging ein Vortrags- und Gesprächsabend im katholischen Gemeindehaus in Berg nach. Dazu eingeladen hatte die Seelsorgeeinheit Westliches Schussental, der die Pfarrgemeinden Berg, Blitzenreute, Fronhofen, Mochenwangen und Wolpertswende angehören. Mit dem Pastoralreferenten Gerhard Jammer hatte die Seelsorgeeinheit einen kompetenten Redner für dieses Thema gewinnen können. Seit 26 Jahren bestattet Jammer selbst ,und seit zehn Jahren bildet er in Rottenburg pastorale Mitarbeiter für den Beerdigungsdienst aus. Rund 50 Zuhörer waren nach Berg gekommen, ein Zeichen dafür, dass das Thema auf großes Interesse stößt - und das nicht nur bei älteren Mitbürgern.

Wandel bei den Traueranzeigen

Den Wandel in der Bestattungskultur veranschaulichte Jammer zunächst an Traueranzeigen. Früher enthielten die Anzeigen überwiegend christliche Symbole und Texte. Diese christlichen Bezüge verschwänden zunehmend. An ihre Stelle träten dekorative Elemente wie ein fallendes Blatt oder eine Blume. Auch Fotos der Verstorbenen seien keine Seltenheit mehr. Ein weiterer, eher gegensätzlicher Trend, der zu beobachten sei, sei der Verzicht auf Symbole oder Begleittexte. Auf einer Anzeige war der Endpunkt dieser Entwicklung zu sehen: Umrahmt von einer schwarzen Linie standen nur noch der Name und die Lebensdaten des Verstorbenen.

Was schon bei Traueranzeigen zu beobachten ist, setzt sich bei den Bestattungen fort. Anonymisierung auf der einen, Individualisierung auf der anderen Seite. Anhand eines Film-ausschnitts aus einer Dokumentation des SWR machte Jammer deutlich, wie weit die individuelle Gestaltung teilweise geht. Im Film wurde gezeigt, wie ein Fan des Fußballvereins Borussia Dortmund (BVB) bestattet wurde. Die Trauerfeier fand in einem Raum statt, der ganz in den Vereinsfarben Schwarz und Gelb geschmückt war, während der Feier wurden Stadiongesänge abgespielt, und die Urne des Verstorbenen hatte die Form eines Fußballs – in Schwarz-Gelb. Ein besonders eindrückliches Beispiel für eine sogenannte Themenbestattung.

Die Zuhörer reagierten auf diese Art der Bestattung überwiegend mit Unglauben und Kopfschütteln. Als Gegenbeispiel zu den neuen Bestattungsformen stellte Jammer das traditionelle katholische Begräbnis mit Totenmesse und Erdbestattung vor, von ihm humorvoll „Katholische Premiumform“ genannt. Diese Form sei nur noch selten zu finden, selbst in traditionell katholisch geprägten, ländlichen Gebieten.

50 Prozent Feuerbestattungen

Auch in den Gemeinden der Seelsorgeeinheit ist dieser Wandel zu beobachten. Waren vor zwanzig Jahren Feuerbestattungen noch die Ausnahme, machen sie heutzutage nach Einschätzung von Pfarrer Pappelau fast die Hälfte aller Bestattungen aus. Den Grund für die Zunahme von Feuerbestattung sieht Pappelau jedoch nicht in einer bewussten Abkehr vom christlichen Auferstehungsglauben, sondern in finanziellen Überlegungen. Eine Erdbestattung sei wesentlich teurer als Verbrennen. Die Bestattung in einem Wald, einem sogenannten Friedwald, spiele jedoch in seinen Gemeinden bislang keine Rolle.

Position der katholischen Kirche

Wie weit kommt die Kirche den neuen Bestattungsformen entgegen, wo ist die Grenze? Diese Frage wurde in der anschließenden Diskussion kontrovers diskutiert. Haben Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind, Anspruch auf ein kirchliches Begräbnis? Dürfen moderne Lieder bei einer Trauerfeier gespielt werden? Kann ein Katholik in einem Friedwald bestattet werden? Jammer stellte den Mindestrahmen vor, der für katholische Bestattungen nach einem Grundsatzpapier des Bischofs von 2011 gilt: Es müsse der christliche Glaube gefeiert und christliche Symbole am Grab angebracht werden können. Ebenso sei die Nennung des Namens des Verstorbenen auf dem Grab ein unverzichtbarer Bestandteil. Werden diese Anforderungen erfüllt, stehe einer katholischen Bestattung auch im Friedwald nichts im Wege. Selbst Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind, könnten kirchlich bestattet werden, wenn der jeweilige Pfarrer damit einverstanden sei. Einen Anspruch darauf gebe es jedoch nicht.

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