Bunte Kräutersträuße zum Marienfest in Berg

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Der erste Tisch steht: Helga Staudacher (links) und Monika Muzic bei der Vorbereitung fürs Kräuterbüschelbinden. Wer am Mariä-Hi
Der erste Tisch steht: Helga Staudacher (links) und Monika Muzic bei der Vorbereitung fürs Kräuterbüschelbinden. Wer am Mariä-Himmelfahrtstag in Berg vom Gottesdienst einen geweihten Kräuterblumenstrauß mit herim nehmen will, kann sich aus dem Angebot des Frauenbunds bedienen. (Foto: Adelinde Schwegler)
Adelinde Schwegler

Entschlafung und Heimgang Mariens, Dormitio, Assumption, Hoher Frauentag oder Ferragosto – gemeint ist immer Mariä Himmelfahrt. Gefeiert wird dieses Ereignis in der katholischen Kirche alle Jahre am 15. August, oft verbunden mit einer Kräuterweihe. Ein Brauch der in Berg noch besonders gepflegt wird. Und für den Mitglieder des katholischen Frauenbunds Weihesträuße binden und vor dem Gottesdienst anbieten.

Auch wenn sich manch älterer Mitbürger noch daran erinnert, dass er am 15. August nicht zur Arbeit musste, ein gesetzlicher Feiertag ist Mariä Himmelfahrt längst nicht mehr. Den gibt es hierzulande nur noch im Saarland sowie in Bayern in Kommunen mit überwiegend katholischer Bevölkerung. Was nichts daran ändert, dass neben Weihnachten, Ostern und Pfingsten der Gedenktag an Mariens Aufnahme in den Himmel in Oberschwaben zu den vier wichtigsten Kirchenfesten hierzulande zählt und gebührend begangen wird.

Glückliche Fügung zumindest für Berg, dass heuer der 15. August auf einen Donnerstag fällt, dann wenn in der Kirche St. Peter und Paul der wöchentliche Abendgottesdienst stattfindet und somit „Himmelfahrt“ termingerecht gefeiert werden kann.

Symbolischer Hintergrund

Für die Frauenbundvorsitzende Helga Staudacher und Floristin Monika Muzic bedeutet Feiertag aber erst einmal – salopp gesagt – Großkampftag. „Kampf“ mit der Natur und ihren reichen Gaben, die sie es zu schönen Sträußen zu binden gilt. Wie viele es werden, weiß man noch nicht, über 100 sind waren es bislang allemal in den über mehr als 20 Jahren, seit die Beiden zum Weihbuschel machen einladen. Selbstverständlich wissen sie um den symbolischen Hintergrund, nach dem die Weihesträuße oftmals gebunden werden: drei Kräuter nach der heiligen Dreifaltigkeit, sieben wie sieben Sakramente oder die sieben Schöpfungstage, zwölf wie die Apostel oder 24 wie die zwölf Stämme Israels aus dem Alten und die Apostel aus den Neuen Testament. „Wir verarbeiten alles, was wir bekommen“, sagt Moni Muzic, „schauen aber drauf, dass es über 20 sind“. Was rein müsse seien Getreide, eine Karotte und ’ne Zwiebel.

Eine Schlagzahl, die sich bislang einhalten ließ, die aber letztlich davon abhängig ist, was in Garten und Feld gedeihen konnte. Die Zeichen stehen gut: Schon am Mittwoch türmten sich die Kräuterspenden, Blumen und Gemüse auf dem Tisch vor der Pfarrgarage: Schafgarbe, Salbei, Lorbeer, Thymian, Liebstöckel, Oliven- und Currykraut, Petersilie, Beinwell, Dahlien, Ähren und vieles mehr. Bis Donnerstag früh wird der Berg noch anwachsen, und es werden Helferinnen vom Frauenbund, aber auch spontan Entschlossene kommen und in der Kräuterbuschenwerkstatt mitarbeiten. Fast jedes Mal seien neue Gesichter dabei, die sich hier einer guten Sache anschließen, freuen sich die beiden Initiatorinnen.

Hilfe für Notleidende

Denn die Berger Frauen pflegen diesen Brauch nicht nur aus Traditionsbewusstsein: Ließen Menschen früher Kräuter weihen, weil sie mit Gottes Segen von ihnen noch größere Heilwirkung erhofften und sie oftmals kranken Tieren auch ins Futter mischten oder als Schutz vor Blitzschlag bei Gewitter ins Feuer warfen, so soll heute dank der Kräuterbüschelaktion Hilfe dort geleistet werden, wo sie aktuell nottut. „Wir wollen Pater Francis, der im September wieder nach Indien fährt, etwas mitgeben“, so Helga Staudacher; Kerala, die Heimat des Paters ist zum zweiten Mal binnen eines Jahres von einem gewaltigen Hochwasser betroffen, hat verheerenden Schaden angerichtet und Menschenleben gefordert. Missionsprojekte, Waisenhäuser, das Ravensburger Frauenhaus, Brennnessel, Coswig nach Hochwasser und Kloster Kellenried sind ein paar von den Adressen, an welche die Berger Landfrauen bislang gespendet haben. Und auch ein Frauenbund palmen (die „Schwäbische Zeitung“ hat über die Berger Palmaktion berichtet) wurde mit der Weihbüschelaktion zu Mariä Himmelfahrt finanziert.

Anbieten werden die Landfrauen ihre Kräutersträuße gegen einer Spende vor dem Gottesdienst (Beginn 18.30 Uhr) am 15. August, sodass sie jedermann und jeder Frau selbst zur Weihe mit in die Kirche nehmen kann. Ein Angebot, von in der Vergangenheit reger Gebrauch gemacht wurde und rund 500 Euro in die Spendenkasse spülte.

„Wir alle, die mithelfen, wünschen uns natürlich, dass unsere Sträuße wieder gefallen und gerne mitgenommen werden“, so Muzic und Staudacher. Und sollten ein paar übrig bleiben, „so nehm ich den Korb und lasse ihn mal weihen“, vielleicht findet sich nach dem Gottesdienst noch der ein- oder andere Abnehmer, sagt Helga Staudacher.

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