Berg feiert das höchste Fest im Schussental

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Adelinde Schwegler

Wenn der Musikverein zum Bergfest einlädt, bedeutet dies vier Tage lang Ausnahmezustand auf der Bergkuppe. Gelb-rote Fahnen, Trommelwirbel, Bergfestmarsch, Heimatlied, volles Festzelt und viele, viele gut gelaunte Menschen sind die Attribute für das „höchste Fest“ im Schussental, das traditionell seinen Auftakt mit einem Bürgerempfang im Rathaus nahm und am Montag mit einem zünftigen Feierabendhock im Zelt enden wird.

Dazwischen liegen Tage, die den Vorsitzenden Reinhold Köberle und seinen Verein nicht nur wegen der rund 250 Arbeitseinsätze, die es zu stemmen galt, ins Schwitzen brachten, sondern auch, weil das Bergfest 2018 so reich von der Sonne beschienen war wie kaum eins zuvor. Die Sorge, dass Gäste fernblieben, weil sie Festzelt gegen Freibad tauschen könnten, erwies sich als unbegründet; die Berger Musiker hatte alle Tage volles Haus und kühles Festbier zu Preisen, von denen Rutenfestgänger nur träumen können.

Und manches ließ sich den hohen Temperaturen auch problemlos anpassen. Beispielsweise, dass Bürgermeister Helmut Grieb beim Bürgerempfang zum Festauftakt den letzten Programmteil nach Bürgerehrung und Heimatlied hinaus auf den Rathausplatz verlegte, wo die Trommlergruppe, die Trachtenkapelle mit ihren Musikfreunden aus Roisdorf sowie die Jagdhornbläserinnen nochmals aufspielten. Letztere übrigens, so Grieb, „eine reine Frauengruppe und damit ein Alleinstellungsmerkmal für Berg“.

Wirt bekommt die Ehrennadel

Ein besonderes Merkmal ist auch, dass die Gemeinde alle Jahre beim Bergfestempfang Einwohner ehrt, die sich in besonderer Weise um das Gemeinwohl verdient gemacht haben. In diesem Jahr entschied der Gemeinderat, Karl Staudacher diese Ehrennadel anzuheften. Er würdigte damit einen Mann, dessen Familie in vierter Generation noch den einzig verbliebenen der angestammten Gasthöfe betreibt. Schön für die Berger, so der Bürgermeister, sei, dass „der Hasen“, obwohl er längst überörtlichen Ruf genieße, sich den fürs Gemeinwohl so bekömmlichen Charakter einer Dorfwirtschaft bewahrt habe. Darüber hinaus lobte Grieb Staudacher als „Aktivposten des SKC Berg“, dank dessen mehr als 40-jährigem Engagement sich das Kegeln als Leistungs- wie als Breitensport am Ort etabliert hat. Karl Staudacher zeigte sich ergriffen und dankbar. Eine Dankbarkeit, die er in einer kleinen, wohlgesetzten Ansprache an seine Familie und seine Heimatgemeinde ausdrückte und mit Geschenke-Briefchen an die Musikkapelle als Bergfestausrichter sowie weitere örtliche Vereine unterstrich.

Vom Rathaus ging es ins Zelt auf der Bergkuppe. Der Einmarsch dort ist allemal „der erhebendste Bergfestmoment“ für Reinhold Köberle und Markus Frankenhauser, den Vorsitzenden und Dirigenten der Berger Musikanten: „Überhaupt dann, wenn das Zelt voll besetzt ist“, so die beiden. Ums vorwegzunehmen: Zu den Hauptacts war es proppevoll, erstmals am Freitagabend, als sich mit den „Berger Dorfmusikanten“ der musikalische Festreigen vom Empfang weiterdrehte. Dann am Samstagabend, als Pop und Brass, sprich: die lokale Band „Midnight Special“ und die muntere Group „Sunnseit“ aus Südtirol, zusammentrafen. Nach dem Sonntagsgottesdienst auf dem Kirchplatz spielten die Musikanten aus Roisdorf (NRW) und Horgenzell auf, und am Abend gab es im Festzelt dann den „1. Berger Band Contest“ (Bericht folgt) mit fünf Gruppen aus der Region.

Applaus für den Schützenkönig

„Haste noch Töne?“, mag sich mancher gefragt haben. Und in der Tat gibt es dank ersprießlichem Miteinander zwischen den musikalischen Höhepunkten noch zwei weitere Highlights: Für das erste zeichnet die Gemeinde mit Hauptamtsleiter Matthias Kienle mit rund 70 Helfern verantwortlich; sie boten am Samstagnachmittag ein Kinderfest an, zu dem die Juka Berg mit Johanna Kreuzer aufspielte, ein Puppentheater und ein riesiger Spieleparcours mit Preisen für jedes teilnehmende Kind geboten waren. Und teilgenommen hatten trotz Tropenhitze 350 Buben und Mädchen.

Den zweite Highlight gab es am Folgetag dank dem Schützenverein mit dem inzwischen zum 23. Mal veranstalteten Bergfestschießen. Teilnahmeberechtigt sind nur Berger Bürger im Schwabenalter, einzige Ausnahme Trommler und Gemeinderäte. Das Schießen war gerade 37 Minuten, als Brunhilde Köberle übers Mikro verkündete: „Wir haben einen neuen Schützenkönig!“ Das Gemeindewappen voll getroffen hatte Hugo Sorg (Jahrgang 1949) als 31ster von 158 angetretenen Teilnehmern. Wie viele sich mit ihm über den Siegtreffer freuten, zeigte der Applaus im Festzelt. Der Bürgermeister freute sich in seiner Glückwunschansprache, dass mit dem renommierten Schmiedemeister wieder ein „ureigener Berger“ sich in die Phalanx der Schützenkönige einreihen konnte, die eigens gegründete Bergfestschießkapelle spielte auf, Gratulanten drängelten sich um den neuen König – und dann lief der Wettbewerb weiter. Noch gab es auf der großen runden Schützenscheibe noch viele Täfelchen mit Berger Motiven zu treffen.

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