Für Stefan Obermeier sind Leitbilder wichtig

Lesedauer: 8 Min
 Stefan Obermeier will die Gemeinde strukturiert weiterentwickeln.
Stefan Obermeier will die Gemeinde strukturiert weiterentwickeln. (Foto: Katrin Neef)

Baindt ist eine gut funktionierende Gemeinde. Die muss man nicht wachrütteln, da kann man vom ersten Tag an Gas geben“, sagt Stefan Obermeier. Er ist einer von bisher drei Kandidaten für das Bürgermeisteramt in der 5500-Einwohner-Kommune. Eines der wichtigsten Themen ist für ihn dabei die Ortsmitte, deren Umgestaltung derzeit für viel Gesprächsstoff sorgt.

„Ich bin für eine Belebung des Ortskerns, weil man dann die Menschen dort zusammenbringen kann“, sagt Stefan Obermeier. „Viele, mit denen ich geredet habe, sagen, Baindt ist toll, aber nicht sehr lebendig. Er könne sich dort, wo momentan der große Parkplatz ist, Konzerte, Open-Air-Kino oder auch einen Wochenmarkt vorstellen, sagt der 51-jährige Bewerber. „Natürlich in Zusammenarbeit mit den Vereinen, die haben immer gute Ideen.“

Zentral sei für ihn aber die Entwicklung von Leitbildern. „Wenn ich ein Leitbild habe, kann ich im Einzelfall besser entscheiden, was passt und was nicht“, so Obermeier. „Ich bin Vermessungsingenieur“, fügt er hinzu, „da arbeitet man auch so: vom Großen ins Kleine“. Der parteilose, katholische Kandidat arbeitet als Vermessungsdirektor beim Landratsamt Ravensburg. Aufgewachsen in Calw, studierte er zunächst in Karlsruhe Vermessungswesen, bevor er als Ingenieur in einem Vermessungsbüro tätig war. Im Ministerium für Ländlichen Raum in Stuttgart war er anschließend Referent im Fachbereich Landentwicklung, später dann Projektleiter Flurneuordnung und Landentwicklung in den Landkreisen Ravensburg und Sigmaringen.

Ein Leitbild wäre aus seiner Sicht auch für das Fischerareal sinnvoll, wo derzeit die Frage diskutiert wird, ob die Stiftung St. Franziskus eine Einrichtung für Demenzkranke bauen soll. Das Gelände war eigentlich vorrangig für Wohnungsbau vorgesehen. „Ich würde die Einrichtung ermöglichen, aber nicht an diesem Standort“, sagt Obermeier. In der Stiftung St. Franziskus sieht er einen „tollen Träger“, mit dem er gerne intensiver zusammenarbeiten würde. Denn nicht nur gute Rahmenbedingungen für Familien seien wichtig, sondern auch Angebote für Ältere, die in der Gemeinde bleiben wollen, zum Beispiel im Hinblick auf seniorengerechte Wohnungen.

Mehrfamilienhäuser, wie sie auf dem Fischerareal vorgesehen sind, sind für ihn der richtige Weg. „Man muss erst schauen, wie man innerorts verdichten kann, bevor man auf die grüne Wiese geht.“ Die Baindter schätzten an ihrer Gemeinde die kurzen Wege in die Natur, habe er festgestellt, deshalb wolle er weitere Bebauungen umsichtig planen, „denn die Flächen sind endlich“.

Gewerbe an der B 30

Das gilt auch für das Thema Gewerbeentwicklung: „Baindt will eher Wohngemeinde sein, deshalb gab es in der Vergangenheit nicht viele neue Ansiedlungen von Unternehmen.“ Da Gewerbesteuereinnahmen aber ein wichtiges Standbein im kommunalen Haushalt seien, könne er sich vorstellen, entlang der B 30 strukturiert Gewerbeflächen anzubieten, für innovative Betriebe, die Arbeitsplätze bieten. „Im Idealfall mit einer eigenen B 30-Ausfahrt“, so Obermeier.

Generell würde Stefan Obermeier, der sich selbst als „ruhig und sachlich“ beschreibt, mehr selbst in die Hand nehmen. „Wenn einem ein Thema wichtig ist, muss man sich selbst drum kümmern“, so seine Erfahrung. So könnte er sich zum Beispiel vorstellen, dass die Gemeinde den Glasfaserausbau selbst in die Hand nimmt und die Leitungen dann an Betreiber vermietet. Auf diese Weise könne man näher am Bürger sein.

Was es heißt, Bürgermeister zu sein, hat Stefan Obermeier bereits in den Jahren 2007 bis 2016 erfahren, als er ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Ebenweiler war. Bei der Wahl im Jahr 2016 unterlag er dem jetzigen Amtsinhaber Tobias Brändle. Die Neuwahl in Ebenweiler war damals notwendig geworden, weil die ehrenamtliche Bürgermeisterstelle in eine hauptamtliche umgewandelt wurde. „Ich weiß sehr genau, was auf mich zukommt“, so Obermeier. „Und ich habe mich in Baindt beworben, weil ich Lust darauf habe.“

„Nochmal richtig durchstarten“

Als ehrenamtlicher Bürgermeister sei er in Ebenweiler nur in einem Umfang von 1,5 Tagen pro Woche tätig gewesen, neben dem Beruf her. „Da war ich dann hauptsächlich in den Abendstunden aktiv. Aber die Menschen wollen, dass der Bürgermeister immer da ist, dass er einer von ihnen ist“, so seine Erfahrung. Das habe damals nicht so gut funktioniert, weshalb er sich jetzt auf den hauptamtlichen Posten „mit allen Facetten“ beworben habe. Ich bin jetzt in einem Alter, in dem man schon einiges an Erfahrungen einbringen kann“, sagt Obermeier. „Meine Töchter sind 16 und 18, jetzt will ich nochmal richtig durchstarten.“ Im Falle einer Wahl wäre er sehr gerne bis zur Rente Baindter Bürgermeister. Und er würde natürlich dorthin umziehen. Derzeit wohnt er mit seiner Familie in Weingarten.

Als Ausgleich zur Arbeit geht der 51-Jährige übrigens zweimal pro Woche auf den Fußballplatz. Zwar „ohne übertriebenen Ehrgeiz“, aber, um mal richtig zu rennen und sich auszupowern.

SZ veranstaltet Podiumsdiskussion mit Bürgermeisterkandidaten

Nach dem Ende der Bewerbungsfrist für die Bürgermeisterkandidaten der Gemeinde Baindt am Montag, 5. November, 18 Uhr, bietet die „Schwäbische Zeitung“ eine Podiumsdiskussion mit den Bewerbern für alle Interessierten an. Die Diskussion findet bereits am darauffolgenden Mittwoch, 7. November, um 19.30 Uhr in der Schenk-Konrad-Halle in Baindt statt. Moderiert wird die Veranstaltung von den SZ-Redakteuren Philipp Richter und Katrin Neef. Wenn Sie Fragen haben, können Sie diese der SZ mit dem Stichwort „Podiumsdiskussion“ per E-Mail an redaktion.ravensburg@schwaebische.de schicken. Diese Fragen sollen dann in die Diskussion einfließen. Bisher haben sich Simone Rürup, Stefan Obermeier und Marcus Schmid beworben.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen