Baindt sagt Ja zum Kiesabbau

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Im Humpiswald in der Gemeinde Baindt wird derzeit von der Firma Hämmerle auf sieben Hektar Kies abgebaut.
Im Humpiswald in der Gemeinde Baindt wird derzeit von der Firma Hämmerle auf sieben Hektar Kies abgebaut. (Foto: Elke Obser)

Der Amtzeller Bürgermeister Clemens Moll fordert, dass das laufende Gutachten des Zweckverbandes Wasserversorgung Baienfurt-Baindt zu den Trinkwasserquellen im Altdorfer Wald abgewartet wird. Wie bekannt, haben die Gemeinden Sorge, dass die Wasserversorgung durch einen geplanten Kiesabbau im Vogter Teilort Grund gefährdet werden könnte. „Wir brauchen eine absolute Sicherheit, dass die kostbare Ressource Wasser nicht vom Kiesabbau beeinträchtigt wird“, sagt Moll. Darum müsse man nun die laufenden Gutachten abwarten. Amtzell als Standortgemeinde der Asphaltmischanlage Grenis würde natürlich etwas vom Kiesabbau im Vogter Teilort Grund mitbekommen, sagt Bürgermeister Clemens Moll. Vor allem die Lkw-Dichte sei auffällig in der Gemeinde. Die Amtzeller seien allerdings nicht am ganz großen Aufschrei gegen Kiesabbau beteiligt. „Das Thema Trinkwasser ist ganz emotional und muss getrennt betrachtet werden“, sagt Moll. Zum eine lechze die Gesellschaft nach Kies, etwa zum Straßenbau wie bei der Bundesstraße 32, zum anderen sei die Angst da, Trinkwasser könnte in Mitleidenschaft gezogen werden. (mag/ric)

In Baindt wird es in den kommenden Jahren beziehungsweise Jahrzehnten erheblich mehr Kiesabbau geben. Insgesamt erweitert sich die Fläche für mögliche Gruben in der Kommune um zusammengerechnet 25,7 Hektar. Dem hat der Gemeinderat in seiner Sitzung am Dienstagabend einstimmig grünes Licht gegeben.

Wie bereits mehrfach berichtet, arbeitet der Regionalverband Bodensee-Obeschwaben derzeit an der Fortschreibung des Teilregionalplans Rohstoffe, um die Versorgung der Region mit Rohstoffen zu sichern. Dazu weist der Regionalverband neue Kiesabbaugebiete aus beziehungsweise benennt Gebiete, wo der Rohstoffabbau künftig möglich sein wird – also auch auf der Gemarkung Baindt. Genauer gesagt trifft es den Humpiswald, dem Waldstück an der Landesstraße 314 zwischen Baienfurt und Bergatreute. Dort befindet sich das Kieswerk Stöcklis, wo seit Jahrzehnten abgebaut wird – zurzeit auf sieben Hektar.

Der Regionalplan, an dem gerade gearbeitet wird, wird für die nächsten Jahre gültig sein. Dabei geht es im Kapitel Rohstoffe unter anderem um Kies. Denn der wird dringend gebraucht, weil in Zeiten der Hochkonjunktur und der niedrigen Zinsen überall gebaut wird – egal ob Sanierungen, Neubauten oder die B-30-Süd. Kies ist ein wichtiger Baurohstoff für die Bauindustrie, weil er unverzichtbare Zutat beim Herstellen von Asphalt oder Beton ist.

Sicherung für Rohstoffbedarf

In Baindt hat der Regionalverband im Humpiswald eine Fläche von 7,8 Hektar Vorranggebiet für den Abbau, weitere 7,8 Hektar als Vorranggebiet zur Sicherung sowie weitere 10,1 Hektar Vorbehaltsgebiete zur Sicherung sogenannter oberflächennaher mineralischer Rohstoffe (sprich Kies und Sand). Zusammengerechnet macht das 25,7 Hektar. Zurzeit sind die Städte und Gemeinden dazu aufgerufen, zu den Planansätzen des Regionalplans Stellungnahmen abzugeben. In den Planansätzen des Regionalverbandes heißt es: „Die Sicherungsgebiete dienen ausschließlich der Deckung des längerfristigen Bedarfs.“ Sprich: Noch ist das Zukunftsmusik. Der Abbau im Humpiswald wird als vergleichsweise unkritisch bewertet. Insgesamt geht der Regionalverband, zuständig für den Bodenseekreis sowie die Landkreise Ravensburg und Sigmaringen, von einem Jahresbedarf von neun Millionen Tonnen Kies aus.

„Jeder braucht Kies. Deswegen müssen wir dem Projekt im Humpiswald zustimmen, wenn wir gegen das geplante Kiesabbaugebiet in Grund sind“, sagte Gemeinderat Jürgen Schad (FWV). Er verwies wie Bürgermeister Elmar Buemann auf die vielen Bauprojekte, die in Baindt anstehen. Zum Beispiel die Entwicklung der Ortsmitte, der Neubau des Fischerareals und der Weiterentwicklung von Wohngebieten. Baindt wird in den nächsten Jahren bis zu 400 Neubürger bekommen. Auch CDU-Gemeinderat Anton Eberle schloss sich der Meinung von Jürgen Schad an. „Es ist ein starker Eingriff in den Humpiswald. Aber wenn der Abtransport über die L 314 erfolgt und nicht durch Baindt führt, eignet sich das für uns“, sagte Eberle.

Das machte der Gemeinderat zur Auflage. Der Abtransport dürfe nur über die L 314 zwischen Baienfurt und Bergatreute erfolgen, damit der Schwerlastverkehr nicht durch das Baindter Ortszentrum rollt.

An anderer Stelle sagte der Gemeinderat Baindt allerdings Nein zum Kiesabbau. In seiner Stellungnahme zum geplanten Kiesabbau im Vogter Teilort Grund schließt sich Baindt der Stellungnahme von Baienfurt an. Denn Baienfurt und Baindt beziehen ihr Wasser über den gemeinsamen Zweckverband Wasserversorgung Baienfurt-Baindt aus der Quelle Weißenbronnen im Altdorfer Wald, in der Nähe des vorgesehenen Kiesabbaugebiets bei Grund. Zurzeit lässt der Zweckverband ein Gutachten vom Wangener Geologen Hermann Schad erstellen, der die komplexe Geologie in diesem Gebiet erforschen soll. Ergebnisse erster Untersuchungen zeigten, dass das Wasserschutzgebiet Weißenbronnen deutlich größer sein müsste, als es bisher ausgewiesen ist. Ein Antrag auf Vergrößerung des Wasserschutzgebietes liegt bereits beim Landratsamt Ravensburg. Die Bohrungen von Kiesunternehmer Rolf Mohr sind bereits abgeschlossen. Die Ergebnisse sind noch nicht bekannt.

Zurzeit ist die Stellungnahme zum Kiesabbau im Vogter Teilort Grund bei sämtlichen Gemeinderäten auf der Tagesordnung. Auch in Waldburg hat man sich am Dienstag gegen das Projekt ausgesprochen. Nächste Woche ist die Stellungnahme auch auf den Tagesordnungen der Gemeinderäte in Baienfurt und Wolfegg, die sich erwartungsgemäß dagegen aussprechen werden.

Der Amtzeller Bürgermeister Clemens Moll fordert, dass das laufende Gutachten des Zweckverbandes Wasserversorgung Baienfurt-Baindt zu den Trinkwasserquellen im Altdorfer Wald abgewartet wird. Wie bekannt, haben die Gemeinden Sorge, dass die Wasserversorgung durch einen geplanten Kiesabbau im Vogter Teilort Grund gefährdet werden könnte. „Wir brauchen eine absolute Sicherheit, dass die kostbare Ressource Wasser nicht vom Kiesabbau beeinträchtigt wird“, sagt Moll. Darum müsse man nun die laufenden Gutachten abwarten. Amtzell als Standortgemeinde der Asphaltmischanlage Grenis würde natürlich etwas vom Kiesabbau im Vogter Teilort Grund mitbekommen, sagt Bürgermeister Clemens Moll. Vor allem die Lkw-Dichte sei auffällig in der Gemeinde. Die Amtzeller seien allerdings nicht am ganz großen Aufschrei gegen Kiesabbau beteiligt. „Das Thema Trinkwasser ist ganz emotional und muss getrennt betrachtet werden“, sagt Moll. Zum eine lechze die Gesellschaft nach Kies, etwa zum Straßenbau wie bei der Bundesstraße 32, zum anderen sei die Angst da, Trinkwasser könnte in Mitleidenschaft gezogen werden. (mag/ric)

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