Bürgermeisterin folgt auf Bürgermeister

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Nach 16 Jahren im Amt ist Elmar Buemann am Dienstag als Bürgermeister von Baindt verabschiedet und Simone Rürup ins Amt eingesetzt worden. „Kürzer und kurzweiliger als viele Zunftmeisterempfänge“ sollte der Abend werden, so hat es sich Baindts Bürgermeisterstellvertreter Helmuth Boenke gewünscht. Und es ist geglückt. Denn seinen Abschiedsabend hat Buemann selbst organisiert: „Ich wollte auf keinen Fall ein Vier- oder Fünfstundenprogramm.“ Zum festlichen Abend gab es ein buntes Programm passend zur närrischen Jahreszeit.

Offiziell war die Veranstaltung eine Gemeinderatssitzung mit nur einem Tagesordnungspunkt: der Amtseinsetzung und Verpflichtung von Simone Rürup zur Bürgermeisterin der Gemeinde Baindt. Die ehemalige Ortsvorsteherin von Eschach ist aus der Wahl im Dezember 2018 mit 64,9 Prozent im ersten Wahlgang gegen drei Mitbewerber als Siegerin hervorgegangen.

Amtsantritt am 20. Februar

Jetzt wurde es also offiziell. „Ich gelobe Treue der Verfassung, Gehorsam den Gesetzen und gewissenhaft die Erfüllung meiner Pflichten. Insbesondere gelobe ich, die Rechte der Gemeinde gewissenhaft zu wahren und ihr Wohl und das ihrer Einwohner nach Kräften zu fördern“, sprach Rürup die Verpflichtungsformel nach und hob dabei die rechte Hand. „Baindt hat eine neue Bürgermeisterin“, rief Helmuth Boenke in die volle Schenk-Konrad-Halle. Das Publikum applaudierte. Ihre Amtszeit beginnt am 20. Februar. Damit ist sie nach Sandra Flucht in Wilhelmsdorf, Katja Liebmann in Schlier und Annette Scherer in Bad Wurzach die vierte Bürgermeisterin im Kreis.

Als Leitworte für ihre Amtszeit wählte sich Rürup ein Zitat des ehemaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann: „Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren, was er bewahren möchte.“ So wolle sie Politik machen, sagte sie. Als Beispiel nannte Rürup das Fischerareal, das zu einem „Mehrgenerationenareal“ werden soll. „Bewahrung, in dem wir das Lebensumfeld verändern“, sagte sie. Kommunikation sei ihr bei ihrem Tun wichtig: offen, unbürokratisch, „geradeaus im Ton“ mit Respekt vor anderen Meinungen.

Simone Rürup war sichtlich gerührt bei ihrer Rede: „Wenn ich das Private außen vor lasse, ist das einer der schönsten Tage meines Lebens.“ Sie sei stolz, Bürgermeisterin der Schussentalgemeinde zu sein. „Ich habe auf Baindt gewartet und irgendwie hat Baindt auf mich gewartet hat. Das Gefühl hier ist schon richtig cool“, sagte sie.

Sichtlich gerührt war auch Elmar Buemann an diesem Abend, an dem für ihn die Schalmeienkapelle, die Landfrauen, die Percussiongruppe der Klosterwiesenschule und die Lumpenkapelle Baienfurt-Baindt aufgetreten sind. Letztere hat er sich speziell gewünscht. Rückblickend seien die 16 Jahre schnell vergangen. „Ich habe ein Gefühl der Dankbarkeit“, sagte er. Die Worte bezog er sowohl auf seine Amtszeit als auch auf seine Familie mit Frau Gerlinde. In der Kommunalpolitik gebe es aber kein Anfang und kein Ende. „Liebe Simone, ich bin überzeugt, dass es mit dir gut weitergeht und sicher hast du viele neue Ideen“, sagte Buemann, der sich schon für das Fitnessstudio angemeldet hat, jetzt mehr Sport treiben und seinen Keller aufräumen will.

Zu dem Abend sind viele Weggefährten von Rürup und Buemann gekommen. Bürgermeister aus dem ganzen Landkreis Ravensburg erwiesen den beiden die Ehre. Stellvertretend für die Rathauschefs trug Peter Smigoc aus Vogt passend zur Fasnet ein selbst gereimtes Gedicht für die beiden vor.

Keine Dienstaufsichtsbeschwerde

Landrat Harald Sievers hat für den Abend extra die Akte von Elmar Buemann herausgekramt und präsentierte dem Publikum ein weißes Blatt Papier. „In 16 Jahren hat es keine einzige Dienstaufsichtsbeschwerde gegeben. Das finde ich sensationell. Auch wenn die meisten Beschwerden unbegründet sind, zeigt das, dass es noch nicht einmal einen Anlass dazu gab“, sagte Sievers, der ihm als Abschiedsgeschenk einen Liegestuhl „für den Müßiggang“, einen Kennzeichenhalter des Landkreises und einen Skipass übergab.

Zu Simone Rürup gewandt sagte der Landrat: „Ich habe das Gefühl, dass Baindt an seiner Entscheidung gut getan hat.“ Es sei toll, dass es eine weitere Frau im Kreise der Bürgermeister gibt. Frauen in diesen Ämtern sollten eine Selbstverständlichkeit sein, „weil Frauen genauso gute Bürgermeisterinnen und Politikerinnen sind wie Männer“.

Lobende Worte für Buemanns Zeit in Baindt fand auch Gemeinderat Anton Eberle, der Zweite Bürgermeisterstellvertreter. Sein Stil sei ohne Schnörkel gewesen, sachlich, fair, offen und kompromissbereit. Auch wenn er seinem Ziel, die Gemeinderatssitzungen zu verkürzen, nicht näher gekommen sei, habe er eines sehr gut gekonnt: „Du hast es geschafft, uns glauben zu lassen, deine Ideen seien die unseren.“ Es seien 16 gute Jahre für die Gemeinde Baindt gewesen. Den Zeitpunkt seines Abschieds habe Elmar Buemann auch richtig gewählt. Anton Eberle: „Man sollte gehen, wenn es noch Leute gibt, die das bedauern.“

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