Sportheim Achperle kostet wohl mehr als vier Millionen Euro

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Siegfried Kasseckert

Achperle – diesen feinen, poetischen Namen trägt das Baienfurter Sportheim. Doch der passt heute ganz und gar nicht mehr. Die Bausubstanz ist marode, die sanitären Verhältnisse sind so, dass auch die Gastmannschaften die Nase rümpfen. Kurz: Ein Neubau muss her. Und den soll auf einstimmigen Beschluss des Gemeinderats der Stuttgarter Architekt Hans Ulrich Kilian planen. Die Baukosten dürften deutlich über vier Millionen Euro liegen.

So viele Leute wie am Dienstagabend sah man selten im Sitzungssaal des Rathauses. Gut 50 Besucher füllten die Stuhlreihen, allesamt Mitglieder und Fans der Sportgemeinde Baienfurt und ihrer Abteilungen Tennis, Turnen, Fußball und Leichtathletik, die die gemeindeeigene Achperle als Sportheim nutzen. Weil der Gemeinderat mangels ausreichender Schülerzahlen den millionenschweren Neubau der Achtalschule gestoppt hatte, rückte der Neubau der Achperle wieder in den Vordergrund, ja, wenn alles gut läuft, könnte das neue Vereinsheim schon im Jahre 2022 eingeweiht werden, wie der Architekt meinte.

Ulrich Mützel, Vorsitzender der mehr als 1500 Mitglieder zählenden Sportgemeinde, durfte sich wegen Befangenheit an der regen Ratsdebatte nicht beteiligen, Mützel ist CDU-Gemeinderat, als Chef des Vereins aber bekam er das Wort. Ulrich Mützel schilderte den miserablen Zustand des in den 70er-Jahren gebauten Vereinsheims, das bei Hochwasser der benachbarten Wurzacher Ach schon zweimal vollgelaufen sei. Seine Rede war ein Plädoyer für den Neubau, den der Gemeinderat schon im November 2017 im Grundsatz beschlossen hatte.

2017 gewann das Planungsbüro Kilian einen Wettbewerb in Form eines Architekten-Auswahlverfahrens. Und inzwischen hat Kilian in enger Zusammenarbeit mit Vertretern der Sportgemeinde und den oben genannten Abteilungen ein Raumprogramm entwickelt und erste Entwürfe für das neue Sportheim ausgearbeitet. Die alte Achperle wird abgebrochen. Das neue Vereinsheim entsteht zwischen den Spielfeldern Tennis und Fußball. Kilian, der schon die neue Baienfurter Grundschule baute, schlägt ein Gebäude mit einer Art Tonnendach vor, nur flacher und begehbar.

Das Raumprogramm (Unter-, Erd- und Dachgeschoß) umfasst eine Fläche von insgesamt 1300 qm. Die Vereins-Abteilungen bekommen jeweils ihre eigenen Bereiche. Das Untergeschoß wird vor allem die Technik, Sanitäranlagen und Umkleiden beherbergen. Ein Saal im Erdgeschoß, wo auch Büros entstehen, soll insgesamt 198 Sitzplätze umfassen und auch für Zwecke außerhalb des Sports genutzt werden. Geplant sind zwei Terrassen, eine zu den Tennisplätzen hin, eine zweite zum Fußballplatz hin mit Tribüne.

Kilians Kostenberechnung beläuft sich auf brutto 3,666 Millionen Euro. Allerdings stammt diese Schätzung aus dem Jahre 2017. In den anderthalb Jahren danach, so der Architekt, hätten sich die Kosten um sechs bis acht Prozent – etwa um 300 000 Euro – erhöht, Was in summa wohl mehr als vier Millionen Euro ergeben wird. Der Architekt rechnet damit, dass im nächsten Jahre die Baugenehmigung erteilt wird und der Neubau 2022 eingeweiht werden kann. Im besten Fall.

Kilians Entwürfe fanden im Gemeinderat breite Zustimmung. „Ein tolles Projekt“, lobte Uwe Hertrampf (G+U). Nach der Planung des neuen Kiga Pinocchio sei dies schon der zweite hervorragende Neubau. Es sei gut, dass mit der neuen Achperle auch ein neuer Treffpunkt für die Gemeinde entstehe.

Jeder Baienfurter sei „stolz“, dass wir das haben“. Im Publikum brandete Beifall auf. Marga Fischer (G+U) und Christof Kapler (CDU) schlugen vor, das neue Gebäude wegen der Sonneneinstrahlung ein wenig zu drehen, was der Architekt prüfen will. Verena Sorg (FWV) meinte, die Sportgemeinde solle sich Gedanken machen über Eigenleistungen. Torsten Thomas (G+U) Vorschlag, jetzt schon einen Projektsteuerer mit ins Boot zu holen, fand im Gremium keine Zustimmung. Darüber soll später entschieden werden. Josef Wurm (CDU) forderte, man müsse den Lärmschutz große Bedeutung zukommen lassen; schließlich befinde sich die Achperle nahe an der Wohnbebauung.

Nachdem der Gemeinderat den Architekten mit der weiteren Planung beauftragt hatte, kam im Saal großer Applaus auf.

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