Ob Kochbuch oder Thriller – die Baienfurter lieben ihre Bücherkiste

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Manuela Appil kommt zweimal am Tag zur Bücherkiste.
Manuela Appil kommt zweimal am Tag zur Bücherkiste. (Foto: Billmann)
Leah Billmann

Seit gut einem Jahr können sich die Baienfurter über ihre Bücherkiste freuen. Das öffentliche Bücherregal auf dem Marktplatz bietet nicht nur Lesestoff, sondern hat sich auch zu einem kleinen Treffpunkt entwickelt.

Das Prinzip ist einfach: Bücher durchstöbern, zum Lesen mitnehmen und auch neues Lesefutter nachfüllen. In der Bücherkiste findet man die unterschiedlichste Literatur. Krimis, Liebesromane, Schulbücher, Thriller, Kochbücher, Fantasieromane und vieles mehr. Sogar Bücher mit anderen Schriftzeichen und Sprachen liegen dort. Die unterschiedlichen Kulturen und Nationalitäten sind also nicht nur in Baienfurt selbst, sondern auch in der Bücherkiste vertreten. Diese ist auf dem Marktplatz vor dem Hallenbad zu finden.

Anfänglich zweifelten viele daran, ob dieses öffentliche Bücherregal überhaupt lange unbeschädigt bleiben und ob das Angebot überhaupt genutzt werden würde. Doch die Bücherkiste befindet sich in einem sehr guten Zustand und wird viel genutzt. Sie ist ein Projekt der Bürgerstiftung. Zur Eröffnung waren Rathausmitglieder sowie Vertreter der Schule und der Kirche anwesend. Seitdem wird die Bücherkiste fast täglich genutzt und ist sehr beliebt.

Material für Nachhilfe gefunden

Rosemarie Gierer hat früher in der Gemeindebücherei gearbeitet und kümmert sich jetzt um die Bücherkiste. Sie ist sowohl erstaunt als auch erfreut über die Nutzung des Bücherkastens von Jung und Alt. „Am Anfang hatte ich Zweifel, ob es funktioniert, aber ich sehe immer öfter Leute vor der Bücherkiste“, sagt die selbst ernannte „Büchertante“ stolz. Sie füllt die Kiste oft mit Büchern ihrer Kinder, aber auch mit eigener Literatur nach.

Auch Manuela Appil ist überzeugt von der Bücherkiste. Sie gehe zweimal am Tag dorthin, berichtet sie. Solche Bücherkästen hatte sie vor allem in Großstädten schon öfters gesehen und war seitdem begeistert davon. Als sie erfuhr, dass Baienfurt eine eigene Bücherkiste bekommt, war sie eine der ersten begeisterten Nutzer. „Meine Tochter ist Studentin und gibt auch Nachhilfe. Schon oft haben wir hier Material für sie gefunden. Matheaufgaben und Bilderbücher“, so Appil. Sie kann noch mehr Geschichten über die Baienfurter Bücherkiste erzählen. „Man lernt über die Kiste so nette Leute kennen. Einmal hat eine ältere Dame Noten vorbeigebracht, über die wir uns dann unterhalten haben. Durch Zufall haben wir uns ein paar Tage später wieder hier getroffen und sie meinte, sie hätte auf mich mit noch mehr Notenblättern gewartet“, berichtet Appil.

Außerdem habe sie in die Bücherkiste ein paar Flyer gelegt, in denen Selbsthilfegruppen aufgelistet waren. Es habe nicht lange gedauert, bis alle Flyer weg waren. Zufällig lernte sie dann ein paar der Leute kennen, die über den Bücherkasten die Informationen gefunden hätten und sich nun bei den Gruppen Hilfe geholt haben.

Neben solchen besonderen Geschichten ist die Bücherkiste aber vor allem Treffpunkt für Leute aller Altersstufen. Sowohl Erwachsene als auch Jugendliche oder Großeltern mit ihren Enkeln machen sich regelmäßig auf den Weg zum öffentlichen Bücherregal.

Auch in der Mittagspause finden viele Lesebegeisterte den Weg zum Marktplatz, um sich dort, bei gutem Wetter, auf die Wiese zu legen und ein wenig zu schmökern. Schade sei lediglich, findet Manuela Appil, dass das Gemeindeblatt, von dem immer eine Ausgabe in der Bücherkiste liegen solle, dort nicht zu finden sei. Allerdings hängt dieses ja ein paar Meter weiter an einer Infotafel aus.

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