Junge Leute zeigen Kreativität

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 Das siegreiche Filmteam von „Last Chance“ mit Phillip Wanner (rechts).
Das siegreiche Filmteam von „Last Chance“ mit Phillip Wanner (rechts). (Foto: Christine Hofer-Runst)
Christine Hofer-Runst

Bereits zum 15. Mal ist im Hoftheater in Baienfurt der Jugendfilmpreis verliehen worden. Das diesjährige Thema des Jugendfilmfestivals „Abgedreht“ lautete „Brücke/n“. Von insgesamt 21 eingesandten Beiträgen wählten die Organisatorinnen Veronika Baum und Heidi Heist gemeinsam mit der Jury elf Filme aus, die dem Publikum gezeigt wurden.

Die Umsetzung und Interpretation des Themas hätte nicht unterschiedlicher sein können. Am Freitagabend hieß es dann endgültig „Film ab“ und die Zuschauer erlebten dabei einen bunten Querschnitt von Cartoons, Krimi, Collagen und derbem Trash. Eine kleine Brücke ging beispielsweise auf eine achtminütige Reise durch Europa und kehrte voller Freude nach Baienfurt zurück, während im zweiten, siegreichen Filmbeitrag der Schüler unter 14 Jahren, eine Brücke für das Klima geschlagen wurde.

In der zweiten Kategorie, der über 14-Jährigen, polarisierte die Filmsequenz „Kirschtorte“, ein Beitrag von Schülern der Andreas-Rauch-Realschule aus Wangen, dessen Genre unter derbem Trash einzuordnen war. Interessant dabei: Während die Jury der Erwachsenen den Film ganz cool fand, fiel er bei den jugendlichen Jurymitgliedern komplett durch, berichtete Heidi Heist vom Verein Muse. Ganz anders dagegen gestalteten die Schülerinnen der gleichen Schule ihren Kurzfilm. In ruhigen Erzählungen beschrieben sie die Bedeutung der Brücke; als Bindeglied zwischen Menschen, Natur und Tieren, als Zuhause der Obdachlosen und als Meisterleistung der Baukunst.

Liebeskummer und Wut, gespickt mit einem Hauch Ironie und einem Happy-End waren die Inhalte von „Unlocky“, einem Cartoon, in dem der gezeichnete Protagonist verzweifelt versuchte, das Liebesschloss seiner Verflossenen von der Brücke zu entfernen. Trickreich, humorvoll und mit wirklich guten Zeichnungen gewann dieser Beitrag den Preis bei den über 18-Jährigen.

Absoluter Matchwinner des Abends war jedoch „Last Chance“, einem Beitrag aus Leonberg, der zwar das grundsätzliche Thema recht frei umsetzte, aber dafür mit unglaublich spannenden Szenen, einer abwechslungsreichen Kameraführung und sehr guten schauspielerischen Leistungen überzeugte. Unter der Regie des 16-jährigen Phillip Wanner entstand eine achtminütige, stimmige und in sich abgeschlossene Geschichte. Für diesen Beitrag erhielt das Team nicht nur den Geldpreis des Landkreises Ravensburg, „Last Chance“ gewann auch das Publikumsvotum.

Uli Boettcher moderierte den Abend mit seinem unnachahmlichen Humor und entlockte im Dialog, dem filmpreisgekrönten Szenenbildner, Michael Dago Pfalzer, so manches Geheimnis über die Tätigkeit beim Film. Dessen Tipp für die jungen Filmemacher lautete: „Wenn eine Geschichte gut ist, dann funktioniert sie überall“, wies die Jugendlichen aber dennoch darauf hin, die Tonqualität nicht zu vernachlässigen und bei künftigen Produktionen dem Ton entsprechend Aufmerksamkeit zu schenken.

Die Preise, die bei der überreicht wurden, kreierte der Künstler, Grafiker und Designer Sascha Hartweger aus Grünkraut. Die beiden Schülerlaudatoren Maja Baum und Marius Bauhofer vom Albert Einstein Gymnasium Ravensburg erläuterten die Juryentscheidungen und selbst die „Kirschtorte“ erhielt spontan noch ein finanzielles Sahnehäubchen; Uli Boettcher lobte ein privates Preisgeld für den Film aus, frei nach dem Motto: „Der Wahnsinn muss gefördert werden“.

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