Johannes Braig und Johannes Schraube zeigen ihre Kunst im Baienfurter Rathaus

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 Die Künstler Johannes Braig (links) und Johannes Schraube vor Bildern ihrer Ausstellung im Baienfurter Rathaus.
Die Künstler Johannes Braig (links) und Johannes Schraube vor Bildern ihrer Ausstellung im Baienfurter Rathaus. (Foto: Kasseckert)
Siegfried Kasseckert

Die Ausstellung Braig/Schraube dauert bis 2. August. Sie kann zu den Öffnungszeiten des Rathauses besichtigt werden sowie beim Marktplatzfest am Samstag,

13. Juli, 15 bis 18 Uhr, und Sonntag, 14. Juli, von 14 bis 18 Uhr.

Unter dem ungewöhnlichen Titel „2 x jo“ ist am Freitagabend die neue Kunstausstellung im Baienfurter Rathaus eröffnet worden. Dahinter verbergen sich zwei Künstler, die beide den gleichen Vornamen tragen: der Maler Johannes Braig und der Fotograf Johannes Schraube. Braig (52) ist in der Szene bestens bekannt, hat in Berlin und Paris Kunst studiert und seit 1993 eine Fülle von Ausstellungen bestritten. Schraube (58) ist als Fotograf Autodidakt, die Baienfurter Ausstellung erst seine zweite. Die erste wurde im vergangenen Jahr im Graf-Zeppelin-Haus in Friedrichshafen gezeigt.

Auf Johannes Braigs Bildern dominiert ein Konglomerat von Kringeln, Kreisen, Quadraten, Schleifen, meist in Schwarz-Weiß und Grau, einige wenige vielfarbig, alle auf schwarzem Hintergrund – Schichtenmalerei in Acryl. Wer genauer hinschaut, erkennt, dass es dabei keineswegs um eine bloße Ansammlung von Farben und Formen geht, sondern um Andeutungen von Gesichtern, um Ordnungssysteme. Und bei jenen Bildern, die der Künstler mit dem Begriff „reclining“ (liegend, zurücklehnend) versah, um Porträts, auch Liegende, um Akte, im letzten um existenzielle Themen. Der Ravensburger Kulturwissenschaftler Herbert Köhler schreibt dazu in einem Braig-Katalog: „So wird das Motiv des liegenden Akts und seine Modi des Ruhens zu einer Metapher für den Weg von der Geburt bis zum Tod, zu einem Sinnbild sowohl für das Leben als auch für das Sterben.“

Souverän spielt Johannes Braig auf der Klaviatur des Hintergründigen, auch der Ironie und des Witzes, wobei sich Figuratives und Abstraktes durchaus mischen. Eine Ausstellung, die er 2017 in der Kleinen Galerie Bad Waldsee zeigte, trug den Titel „On the way to outer space“ (auf dem Weg ins Weltall) und spielte unter anderem mit dem Phänomen der Aliens, den Außerirdischen. Das Werk des in Stuttgart lebenden Künstlers ist ungewöhnlich vielschichtig und voller Überraschungen.

Braigs Namensvetter Johannes Schraube erweist sich als sehr begabter Fotograf. Eigentlich gelernter Maurer, widmet er sich seit 2004 der Fotografie. Er arbeitet auf Alu-Dibond. Neben stark geometrisch bestimmten Fotos zum Thema Architektur zeigt Schraube auch eine Reihe ausgesprochen lyrischer, poetischer Naturstudien. Bilder, die ihn als Fotografen mit sicherem Blick für ungewöhnliche minimalistische Perspektiven ausweisen. Manches ragt heraus. So beispielsweise eine Arbeit aus dem Jahre 2012, Ferne (Nr.30), die eine Art von Tunnel zeigt, an dessen Ende ein Licht der Hoffnung aufleuchtet. Ein Foto von hohem Symbolwert. Die Arbeiten beider Künstler sind so gehängt, dass sie in einen Dialog treten können, abwechselnd Braig und Schraube.

Die zwei Künstler kennen sich seit Langem. Beide haben Eltern, die in der Region klingende Namen tragen. Johannes Braigs Vater Franz Braig war von 1971 bis 1990 Leiter des Ravensburger Spohn-Gymnasiums, auch Fraktionschef der CDU im Gemeinderat, Johannes Schraube ist der dritte Sohn des Architekten Max Schraube und der Malerin Dorothée Schraube-Löffler, die die Baienfurter Rathaus-Ausstellungen kuratiert. Dass ein bedeutender Maler wie Braig zusammen mit einem Neuling auf dem Feld der Kunst sein Werk öffentlich präsentiert, ist aller Ehrenwert und kommt eher selten vor. Künstlerfreundschaften sind rar geworden. Leider habe sich in der Kürze der Zeit, wie Johannes Braig in seiner kurzen Ansprache hervorhob, kein Redner gefunden, der in die Werke der beiden Künstler hätte einführen können. So musste sich mancher im Publikum ziemlich alleingelassen fühlen. Einzig zwei Kataloge Braigs gaben Aufschluss.

Die Ausstellung eröffnete Bürgermeister Günter A. Binder. Sie wurde von einem Trompetenduo des Musikvereins kräftig bespielt.

Die Ausstellung Braig/Schraube dauert bis 2. August. Sie kann zu den Öffnungszeiten des Rathauses besichtigt werden sowie beim Marktplatzfest am Samstag,

13. Juli, 15 bis 18 Uhr, und Sonntag, 14. Juli, von 14 bis 18 Uhr.

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